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Rtanj schützt vor Weltuntergang

arcEinigermaßen verwundert nehme ich die Berichterstattung zum Ende des Mayakalenders zur Kenntnis. Von Orten wie Bugarach in Frankreich, Tulum in Mexico oder Sirince in der Türkei hatte ich gehört. Dort soll man vor der vermeintlich bevorstehenden Apokalypse sicher sein oder sie zumindest angenehm erleben können. Jetzt – quasi am Stichtag – kommt noch ein Bekannter hinzu. Offensichtlich ist der Rtanj auch ein Ort, dem ausreichend Mystik zugesprochen wird um sich retten zu können. So berichten die britische Sun, der österreichische Standard, und sogar Gizmodo.

Durch das ausserordentlich starke Magnetfeld, das der Berg angeblich aussendet, kann hier nichts passieren. Die Hotels (ausser dem Motel an der M5 haben wir keines gesehen) sind ausgebucht und wir sind froh, an einem heissen Julitag fast allein dort hoch gekraxelt zu sein.

Einige der Presseberichte schmücken sich mit älteren Fotos der Kapellenruine. Hoffentlich sind die Endzeitpilger nicht allzu enttäuscht, wenn sie selbige eingestürzt vorfinden.

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Schlechte Neuigkeiten vom Rtanj

Eben bekam ich eine Mail von Geocaching.com, wonach der STF am bei „Catch me if you can“ (GC32FMP) auf dem Šiljak des Rtanj gefallen ist. Den Reisebericht über unseren FTF vor Ort gibt es hier zu lesen.

Anscheinend hat sich jetzt an der atemberaubenden Kulisse aber etwas Entscheidendes verändert. Der letzte Bogen der alten Kapelle ist eingestürzt.

So prächtig stand die Ruine im Juli da…

…und so sieht sie jetzt aus.

Da fehlte nicht mehr viel…

Ich habe mir daraufhin noch einmal alle Fotos von der Tour angeschaut und eines gefunden, dass den damaligen Zustand des Bogens sehr gut zeigt. Vielleicht war es ein Blitz, der in die Metallarmierung eingeschlagen ist? Auch ein souvenirjagender Mauerspecht könnte das entscheidende Steinchen herausgezogen haben. Oder aber der vor Ort dauernd herrschende Wind hat die Struktur so nachhaltig geschwächt, dass es zum Einsturz gekommen ist.

Das ist sehr schade und es bricht mir fast das Herz, diesen Ort so zu sehen. Aber Dinge ändern sich und nichts ist für ewig. Umso mehr freut es uns, diesen magischen Ort noch mit der „Original-Ruine“ besucht haben zu dürfen.

Hier noch ein paar Links zu der klassischen Ruine:

360°-Panorama
Winterwanderung zum Siljak auf dem Rtanj
noch ein Winterbild von der Kapelle

Gipfelstürmer

Morgens, gegen unsere Gewohnheit schon vor 7 Uhr, nehmen wir ein kurzes Frühstück ein und machen uns auf den Weg zum Gipfel Šiljak. Noch ist die Sonne nicht vollständig aufgegangen und es ist angenehm kühl. Der Weg zum eigentlichen Parkplatz des Caches auf dem Gipfel ist steinig aber nicht allzu steil. Wir wandern die Strecke  von 5 km in etwas mehr als einer Stunde.

Wegweiser

Am Wegpunkt angelangt finden wir tatsächlich noch eine kleine Siedlung. Bei einem der Häuser wird am Zaun gearbeitet. Nach kurzer Suche finden wir den richtigen Einstieg zum Aufstieg. Ab hier kann definitiv nicht mehr mit dem Auto gefahren werden. Der Weg ist gut mit roten Wegzeichen markiert, hier und da findet sich sogar ein Wegweiser. Frische Fußspuren im Sand zeigen uns, dass wir beim Aufstieg nicht ganz alleine sind. So hatte es bisher den Anschein. Ausser den beiden Arbeitern beim Haus hatten wir keine Menschenseele gesehen. Nach einer steinigen Passage mit etwas Buschwerk folgen nun Serpentinen, die sich hinauf zum Gipfel winden.

Auf dem Weg zum Gipfel

Prächtige Schmetterlinge gibt es hier

Die Landschaft ist herrlich. Es weht ein angenehmer Wind und die Bergwiesen duften. Wir sehen viele, sehr viele, Schmetterlinge. Sie kommen hier in zahlreichen Arten vor, darunter auch überaus prächtige. Auf dem Rtanj-Massiv wächst eine Art des Winterbohnenkrautes, die als Heilpflanze, vor allem aber als Aphrodisiakum bekannt ist. Der Rtanj-Tee wird auch fertig verkauft, obwohl die Pflanze hier inzwischen bedroht und daher geschützt ist. In den Hängen sehen wir einen älteren Mann kraxeln, der mit Plastikbeuteln bewaffnet offensichtlich etwas sammelt. Wir tippen auf genau diesen Tee.

Gräser am Wegesrand

Der Bewuchs schwindet und damit auch der Schatten. Die Sonne steht schon etwas höher aber der Wind kühlt angenehm. Weiter oben nehmen wir eine dreiköpfige Wandergruppe wahr. In Deutschland hätte man jetzt um den FTF bangen müssen. Aber der Cache, den wir finden wollen, liegt schon fast ein Jahr ungefunden herum. Im März hat es einmal jemand versucht, ist aber am Schnee gescheitert. Jetzt fällt mir siedendheiss ein: Wir haben keine Ersatzdose mitgenommen! Was wenn die Dose schlicht weg ist? Wir sind aber schon auf halbem Weg und es wird heute mit Sicherheit nicht kühler.

Diese Blüten sehen aus als wären sie aus Silberpapier

Der Abstand zu der Dreiergruppe wird zunehmend kleiner. Sie besteht aus zwei Männern und einer Frau. Einer der Männer ist merklich fitter als die anderen beiden, läuft oft vor und wartet dann. Die sind deutlich gemächlicher unterwegs und müssen öfter mal pausieren. Als der Gipfel schon in greifbarer Nähe scheint, überholen wir. Ein kurzes „Dobar Dan!“ und wir sind vorbei. Zum Glück sind wir soviel schneller, dass der Abstand schnell anwächst. Schließlich wollen wir oben in Ruhe suchen und den Cache nicht gefährden.

Näher am Gipfel

Das letzte Stück verläuft parallel zu einem mächtigen Felskamm. Kurz vor dem Gipfel kommt eine Ruine in Sicht. Von unten haben wir schon oft gemutmaßt: Da oben ist doch irgend etwas! Es handelt sich um eine kleine Kapelle, die 1932 von der Minenbetreiberfamilie aus der Gegend erbaut wurde. Hier oben gibt es oft Blitzeinschläge, die das Gebäude beschädigt haben. Den Rest haben ihm aber Schatzsucher gegeben, die mit Dynamit nach einem sagenhaften Goldschatz suchten. In grauer Vorzeit soll hier einmal die Burg eines Zauberers gestanden haben, die einen unglaublichen Goldschatz barg. Überhaupt ranken sich jede Menge Sagen und Mythen um den Berg. Es ist von paranormalen Phänomenen zu hören. UFO-Aktivität soll hier an regnerischen Tagen stattfinden. Die Pyramidenform lässt ebenfalls Spekulationen von Esoterikern ins Kraut schießen. Es gibt sogar eine eigene „Forschergesellschaft“, die sich damit beschäftigt.

Die Ruine auf dem Šiljak

Wir erreichen den Gipfel und machen uns gleich an die Suche. Der Hint ist eindeutig, so dass wir den Cache (GC32FMP) der Marke „Cremedose“ rasch in Händen halten. Der erste Blick ins Logbuch, ein Schock! Da steht ja schon einer drin! Ein kurzer Blick auf die Beschreibung lässt uns entspannen. Der Owner hat sich in das Feld für den FTF verewigt. Puh! Wir sind also die ersten! Wir loggen und packen die Dose wieder zurück.

Cachebox

Logbuch

Am Fuß der Ruine gibt es auch ein offizielles Gipfelbuch. Zweimal loggen also. Just als wir uns auch hier eingetragen haben, erreicht die andere Wandergruppe den Gipfel. Es stellt sich heraus, dass es Serben aus der 40 km entfernten Stadt Zaječar sind. Wir unterhalten uns auf Englisch. Wie fast alle Serben, die wir getroffen haben, sind sie überaus freundlich und zuvorkommend. Ich bestätige ihnen, dass ihr Land wunderschön ist. Sie beklagen, dass niemand kommt und es sehen will. „So let’s change it!“ lautet meine Antwort und habe schon den Reisebericht im Hinterkopf.

Eine irre Aussicht!

Haben wir auf dem Weg herauf schon tolle Aussichten gehabt, ist die Rundumsicht auf dem Gipfel einfach überwältigend. Die Ruine, wie sie da steht, hätte sich ein Landschaftsarchitekt nicht besser ausdenken können. Es ist einfach ein perfekter Moment an einem grandiosen Ort. Wir machen ausgiebig Pause und genießen einfach. Auch im Winter muss es hier wunderschön sein. Einen Eindruck davon kann man sich hier und hier machen.

Der Felskamm nahe des Gipfels. Im Vordergrund die drei serbischen Wanderer.

What goes up must come down. Wir müssen ja auch wieder runter. Die Temperatur ist unaufhörlich gestiegen. Selbst hier oben dürfte es jetzt locker 30 Grad haben. Der Wind macht es aber angenehm. Wir blicken auf den Pfad nach unten und sehen eine lange Strecke ohne Schatten. Wir haben den Aufstieg am Südhang gewählt, der jetzt von der gleißenden Mittagssonne beschienen wird. Wir brechen auf.  Das Glücksgefühl, den Gipfel mit dem schönen FTF erklommen zu haben, hält noch eine ganze Weile an. Als wir den Buschbewuchs erreichen, ist vom Schatten dort nicht viel übrig. Die Sonne steht nahezu im Zenit und bescheint den Weg gnadenlos. Unter einigen Büschen finden wir eine Stelle zum Rasten, machen erneut Pause. Haben wir sonst tendenziell zu viel Wasser dabei, wird es dieses Mal knapp werden. Zum Glück haben wir taugliche Kopfbedeckungen. Das wäre sonst sicher nicht ohne einen Sonnenstich ausgegangen.  Auch an Sonnenschutz haben wir gedacht. Allerdings  habe ich zwischendurch immer einmal wieder das T-Shirt gelupft um ein bisschen mehr Kühlung zu erreichen. Das sollte sich später mit einem Sonnenbrand der skurrilen Sorte rächen. Zwar war die Verbrennung nicht sonderlich stark, durch den Hüftgurt entstand aber ein scharf begrenzter weisser Streifen. So laufe ich den Rest der Reise als österreichische Flagge herum.

Auf dem Rückweg

Die letzten Kilometer zum Bulli sind eine echte Tortur. Wir verfluchen unsere Entscheidung, den Weg nicht weiter gefahren zu sein. Als wir endlich ankommen, steht der Wasserkanister noch auf der Toolbox. Den haben wir heute Morgen vergessen, wieder in den Bulli zu räumen. Einen 40-Liter-Kanister mit Hahn kann hier wirklich jeder gebrauchen. Aber niemand hat ihn genommen. Ein Blick aufs GPS: Wir sind 25 km mit knapp 900 Meter Aufstieg gewandert.

Eine alte Frau kommt des Weges und hat ihre Schafherde und einige Ziegen dabei. Sie erzählt munter drauf los. Dass wir ihr bedeuten, dass wir sie nicht verstehen, stört nicht und sie plappert lustig weiter. Wir nicken freundlich und lassen sie. Die Ziegen zeigen auch sogleich großes Interesse am Bulli, wohl eher an den Dingen darin, und stöbern eifrig. Wir haben Mühe, sie vom Einsteigen abzuhalten.

„Dürfen wir reinkommen?“

Nach einer gründlichen Waschaktion am Kanister machen wir uns auf den Weg um einige Dinge einzukaufen. In Ermangelung an kaufbaren Ansichtskarten hat Astrid selbst welche gebastelt, die sie verschicken will. Also fahren wir nach Soko Banja, wo wir eine Post, einen Supermarkt und eine Bank finden. Unsere serbischen Dinar sind nämlich auch knapp.

Danach wollen wir gemütlich etwas essen, möglichst mit Wlan. Wir fahren zu dem kleinen Restaurant, wo uns gestern die Leute so freundlich weiter geholfen haben. Da ist aber niemand und Wlan gibt’s auch nicht. Also weiter zum Motel von gestern. Wir essen hervorragendes Rind vom Grill und setzen ein paar Lebenszeichen ab.

Es wird Zeit, sich um einen Schlafplatz Gedanken zu machen. Beim Motel gibt es eine Tankstelle und einige Möglichkeiten, einigermaßen lauschig zu stehen. Die M5 führt hier direkt vorbei.  Wir haben aber noch die Worte des Campingplatzbetreibers aus Sr. Mitrovica im Ohr: „At he petrol stations is the most dangerous place to sleep“. Und so schön ist es hier auch nicht.

Also stellen wir unser Glück erneut auf die Probe und fahren ein paar Nebenstraßen ab. Alle befahrbaren Wege führen in Dörfer, auf Gehöfte oder zu kleineren Wohnhäusern im Wald. Ein Weg führt zu einem offensichtlich verlassenem Haus. Etwas unterhalb gibt es einen Eichenhain, eben und mit Gras bewachsen. Perfekt! Hier sind wir zwar recht nah an der M5, können von dort aber nicht gesehen werden. In der Dunkelheit passiert uns noch ein Holz-LKW, das war es.

Wir schlafen nach dem anstrengenden Tag tief und fest.

Am nächsten Tag werden wir erst umzingelt und fahren dann weiter nach Süden.