Archive for Juli 2012

Kampfspuren

Wir sind in drei Wochen 6700 Kilometer gefahren. Teils war die Strecke wirklich holperig, einige Male waren wir auch über längere Distanzen auf sehr schlechten Geröllstraßen unterwegs. Siehe dazu hier, hier und hier. Ganz spurlos geht das am T4 natürlich nicht vorbei. Zwei neue Reifen waren fällig und die Heckklappe will auch noch gerichtet sein. Beulen betrachte ich zwar eigentlich als passiven Diebstahlschutz, an dieser Stelle in der Heckklappe gefährdet sie aber die Stabilität des Fahrradträgers. Die Querlenker ächzen zwar, sind aber noch OK. Und dann dieser Pistenstaub überall.

Aber der T4 hat tapfer durchgehalten. Nicht eine Panne hatten wir. Ausser Diesel verlangte unser Bulli nichts von uns. Natürlich haben wir unterwegs ständig kontrolliert, ob irgend eine Flüssigkeit fehlt. Nicht selten habe ich abends mit der Taschenlampe unter dem Bus gelegen und den Unterboden und die Aufhängung kontrolliert, wenn es tagsüber allzu sehr geknallt hat.

die Felge hatte Bordsteinkontakt bei einer Vollbremsung in Serbien

die Felge hatte Bordsteinkontakt bei einer Vollbremsung in Serbien

Damit kommt man nicht mehr durch den deutschen TÜV. Der Vulkanizer in Serbien: „No Problem!“

Damit kommt man nicht mehr durch den deutschen TÜV. Der Vulkanizer in Serbien: „No Problem!“

Beulen sind auf Fotos immer schwierig. Diese beeinträchtigt die Funktion unseres Fahrradträgers, auf dem wir die Toolbox befestigen. Den Träger hatte ich auf Tour mit der Dachlatte so verzurrt, dass er auch auf üblen Strecken noch hält.

Beulen sind auf Fotos immer schwierig. Diese beeinträchtigt die Funktion unseres Fahrradträgers, auf dem wir die Toolbox befestigen. Den Träger hatte ich auf Tour mit der Dachlatte so verzurrt, dass er auch auf üblen Strecken noch hält.

Der Pistenstaub, der nach dem Regen in Österreich noch übrig ist.

Der Pistenstaub, der nach dem Regen in Österreich noch übrig ist.

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Zwischenziel: Rhön Summer Event 2012

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Stellplatz auf der Hohen Geba

Heute wollen wir wirklich weit fahren. Also brechen wir zeitig auf und sind sehr bald auf der Autobahn in Richtung Zagreb. Dort wird es merklich voller, je näher wir in den Großraum der kroatischen Hauptstadt kommen. Zwischendurch staut es sich sogar ein wenig. Das sind wir überhaupt nicht mehr gewohnt, ertragen es aber stoisch. Bei den großen Mautstationen kommen wir am Kreditkartenschalter am schnellsten voran; die Barzahler stauen sich in einer langen Schlange.

Hinter Zagreb wird es in Richtung Slowenien merklich ruhiger. Auf der gegenüberliegenden Spur ist aber die Hölle los. Die Ferienzeit hat jetzt richtig begonnen. Man kann den Eindruck gewinnen, halb Nordeuropa strömt an die kroatische Küste. Am Grenzübergang Gruškovje, über den wir auch eingereist sind, wollen von Kroatien nach Slowenien nur einige PKW einreisen. Die LKW-Schlange hat allerdings schon Kilometer vor der Grenze begonnen. Als wir die Grenze problemlos passieren, sehen wir den Rückstau auf der anderen Seite. Bestimmt zehn Kilometer fahren wir an stehenden Wohnmobilen, Gespannen oder sehr voll gepackten PKW vorbei. Drei Wochen zuvor sind wir da einfach nur durchgefahren.

Wir nehmen die mautfreie Landstraße nach Maribor, wo wir einkaufen und uns auf den Weg zur österreichischen Grenze machen. Als wir auf die mehrspurige Schnellstraße fahren, die wir bereits von der Anreise kennen, fällt mir in der Auffahrt ein Zusatz unterhalb des Fernstraßenschildes auf. Das ist ein Mautvignettensymbol! Die Straße ist also mautpflichtig. An der nächsten Ausfahrt fahre ich schleunigst wieder runter. Das hätte richtig teuer werden können. Zum Glück gibt es hier keine kameragespickten Kontrollpunkte wie auf der slowenischen Autobahn, so dass unser Versehen unbemerkt bleibt. Auf dem Hinweg herrschte Starkregen, es war wenig Verkehr und Feiertag in Slowenien, so dass wir das Schild übersehen haben. Und erwischt hat man uns auch nicht. Jetzt studieren wir die Karten und suchen einen Weg nach Österreich auf der Nebenstrecke. Den gibt es sicher, allerdings ist es uns deutlich zu umständlich und dauert zu lange. Also kaufen wir an einer Tankstelle zähneknirschend eine Vignette für €15. Das entspricht einem Euro pro Kilometer von hier aus. Hilft aber nichts.

Dafür sind wir in Nullkommanix an der österreichischen Grenze, denn jetzt haben wir natürlich die Autobahn genommen. Hier geht kein Weg am „Pickerl“, der österreichischen Autobahnvignette vorbei. Als wir Österreich durchfahren, regnet es stark und wir werden einiges an dem Pistenstaub los, der sich auf dem Balkan überall am Bulli angesammelt hat.

Am Nachmittag erreichen wir die deutsche Grenze. Das Wetter bessert sich merklich, es ist aber empfindlich kalt. deutlich unter 20° misst das Bordtermometer. Unser nächstes Zwischenziel ist die Hohe Geba in der Rhön. Hier findet heute das Rhön Summer Event statt. Vor zwei Jahren war ich schon einmal auf dem Event und es hatte mir sehr gut gefallen. Da herrschten auf der Hohen Geba weit über 30°, jetzt sind es eher 12°. Dem entsprechend schnattern wir nach der Gluthitze im Süden und der angenehmen Wärme in Nordkroatien. Die Eventteilnehmer sitzen daher auch im Inneren der Gastronomie und wir gesellen uns dazu. Bei leckerem Essen und netter Gesellschaft werden wir die eine oder andere Reisegeschichte los.

Nach diesem anstrengendem Tag fallen wir erschöpft ins Bullibett. Morgen geht es nach Hause!

Über ein Weltkulturerbe in kühlere Gefilde

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Trogir, Festung Kamerlengo

Nachdem wir nun einen Tag fast nur auf der faulen Haut gelegen haben, muss nun etwas Strecke gemacht werden. Natürlich wollen wir unterwegs aber noch etwas anschauen.

Die heutige Etappe ist fast 600 km lang und wir wollen knapp die Hälfte auf der Küstenstraße zurücklegen, um die schöne Landschaft zu genießen. Kurz nachdem wir die Halbinsel Pelješac verlassen haben, kommen wir an die Grenze zu Bosnien und Herzegowina. Hier wird das kroatische Festland von einem sechs Kilometer breiten Streifen BIH durchschnitten. Er besteht im Wesentlichen aus dem Städtchen Neum, Bosniens Zugang zum Mittelmeer, das wiederum aus Bettenburgen und Tankstellen zu bestehen scheint. Da der gesamte Tourismus von und nach Dubrovnik hier durchkommt, sind die Kontrollen recht lax. Ein kurzer Blick in die Pässe und wir sind drüber. Wieder nach Kroatien rein geht es genauso rasch.

Nun fahren wir gemütlich an der schönen Küste Dalmatiens entlang. Man merkt, dass der Tourismus hier sehr ausgeprägt ist und dass die Saison langsam richtig in Schwung kommt. Wir genießen die schöne Landschaft und stören uns nicht weiter am zunehmend dichterem Verkehr. Auf der Höhe von Ploče beginnt die Autobahn. Danach wird es auf der Landstraße wieder etwas leerer.

Nach etwa 200 km kämpfen wir uns durch erste Vororte von Split. Unser Zwischenziel heisst Trogir, eine Stadt mit einem mittelalterlichen Stadtkern. Astrid war als Kind schon hier und hat die Altstadt als überaus malerisch in Erinnerung.

Seit 1997 ist Trogir Weltkulturerbe und das zu Recht. Der große Besucherparkplatz weist auf hohe Besucherzahlen hin, der Andrang hält sich aber in Grenzen. Wir flanieren ein wenig durch die Gassen, schauen uns die Burg und den Hafen an und genießen das Flair.

Stadtansichten Trogir

Stadtansichten Trogir

Die Altstadt vom Festungsturm aus gesehen

Die Altstadt vom Festungsturm aus gesehen

St.-Laurentius-Kathedrale, Trogir

St.-Laurentius-Kathedrale, Trogir

Rathaus, Uhrenturm und Loggia Trogir

Rathaus, Uhrenturm und Loggia Trogir

Stadttor Trogir

Stadttor, Trogir

Zurück am Bulli sehen wir zu, dass wir ordentlich Strecke machen. Über einen kleinen Pass geht es hoch zur Autobahn, die die Kroaten in die Berge gezimmert haben. Jetzt kommen wir gut voran. Die kroatische Autobahn ist gewohnt gut, aber teuer. Wir möchten bis zum Abend einen Campingplatz bei Karlovac, etwas südlich von Zargeb erreichen. Unterbrochen von einem spektakulärem Autobahnpass bei Rovanjska ist die Fahrt recht eintönig. Hin und wieder gibt es einige schöne Felsformationen zu sehen. Ansonsten glatte, gerade Autobahn mit mäßig Verkehr.

Als wir das Dorf Belavici erreichen, ist die Brücke zum Camp weg. Stattdessen gibt es eine behelfsmäßige, einspurige Pontonbrücke etwas weiter westlich. Das macht natürlich Spaß, den Fluss auf diese Weise zu kreuzen! Wir hätten gerne ein Foto vom Bulli auf der Schwimmbrücke gemacht aber es ist zuviel Verkehr. Vor und hinter uns wollen andere Camper queren. Wir lassen sie nicht warten und fahren einfach drüber.

Im Camp gibt es zwei Überraschungen. Zum einen ist der Platz voll von Holländern. Muss wohl in einem niederländischen Campingführer gerade gut bewertet worden sein. Zum anderen kann man jetzt in der Sonne stehen. Ohne dass man schwitzt. Einfach so. Das hatten wir seit Wochen nicht! Abends setzen wir uns an den Fluss Mrežnica, der hier fast schon mangrovenartig wirkt.

Am Fluss Mrežnica

Am Fluss Mrežnica

Mrežnica im Abendlicht

Mrežnica im Abendlicht

Am nächsten Tag werden wir noch weiter fahren, geraten wieder fast in Konflikt mit dem slowenischen Mautsystem und besuchen ein Geocaching-Event – in Deutschland.

Strandurlauber

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Kleiner Lostplace bei der Kirche St. Michael

Heute lassen wir es uns einfach nur gut gehen. Unter den hohen Bäumen unseres Camps ist es schattig und der nahe Strand lädt zu einem erfrischenden Bad ein. Das Autokamp Prapratno liegt wirklich schön in einer Bucht. Für Kroatien ungewöhnlich hat man hier direkt am Wasser Sand unter den Füßen.

So gibt es nicht allzu viel zu erzählen, ausser dass wir die Füße wechselnd hoch, in den Sand oder uns gleich ganz ins Wasser legen. Fotos haben wir auch keine gemacht.

Gegen Nachmittag zieht es sich zu. Es sind die ersten dichteren Wolken, die wir seit langem sehen. Nach Regen sieht es trotzdem nicht aus. Wir beschließen, einen Cache in der Nähe zu besuchen und uns Ston anzusehen.

Der Cache (GC19FZ8) liegt an einer Kirche auf einem Hügel etwas ausserhalb von Ston. Mit den Wolken geht eine gewisse Schwüle einher. Der Aufstieg ist also schweisstreibend. Die Kirche ist gerade eingerüstet. Schade für uns, weil die Sicht auf das schöne Gebäude eingeschränkt ist. Aber gut zu sehen, dass man sie nicht verfallen lässt. Leider zickt unsere einzige Kamera in Form eines iPhone 4. Später erst bemerken wir, dass die Bilder von der Kirche nicht gespeichert wurden.

Der Cache ist fix entdeckt und nach dem Abstieg machen wir uns auf nach Ston. Das Städtchen verfügt über die längste Festungsmauer in Europa. Im 14. Jahrhundert hat man hier 5 km Mauer mit zahlreichen Türmen in den Berg gezimmert. Das sieht vor allem aus einiger Entfernung ziemlich eindrucksvoll aus.

Die Festung vom Hügel Michael aus gesehen

Die Festung vom Hügel Michael aus gesehen…

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…und von unten bei Ston

Wir schlendern ein bisschen durch die Altstadt. Den Cache hoch auf dem Berg lassen wir liegen. Es ist uns eindeutig zu schwül für einen erneuten Aufstieg.

In den Gassen von Ston

In den Gassen von Ston

Abends legen wir die Füße hoch. Schließlich werden wir am nächsten Tag Kilometer fressen.

Das Monaco des Balkans

Heute haben wir eine lange Fahretappe vor uns. Trotzdem wollen wir unterwegs noch ein Kloster in Montenegro besuchen. Ausserdem soll die komplette Umrundung der Bucht von Kotor lohnenswert sein. Das ist zwar ein Umweg, den wir aber gerne in Kauf nehmen. Bevor wir dann unseren angepeilten Schlafplatz erreichen steht noch ein Stadtbummel in Dubrovnik auf dem Programm.

Wandmalerei im Kloster Rezevici

Deswegen machen wir, das wir loskommen. Die Küstenstraße ist belebt, es geht nicht so recht vorwärts. Überall überqueren Badegäste zahlreiche Zebrastreifen und Fußgängerampeln. Montenegro ist den Autokennzeichen zufolge ein beliebtes Urlaubsziel für ganz Osteuropa. Leider geht das auch mit zahlreichen Bausünden einher. Wo vor kurzem noch lauschige Buchten mit Strand gewesen sein mögen prangen jetzt grässliche Hotelbauten, nagelneu oder noch im Bau.

Bausünden sind leider häufig

Als wir Bar erreichen, denken wir zum Glück an einen Besuch am Geldautomaten, schließlich sind wir total blank. OSM weiss, wo einer ist. Und es kommen tatsächlich Euros raus. Wir sind auf dem Rückweg und hier kann man dies das erste Mal mit Händen greifen.

Kloster gibt es an der Küste zuhauf. Überall zeigen Wegweiser in die Berge oder herunter zum Meer. Unseren Zwischenstopp beim Kloster Rezevici haben wir ausgesucht, weil es hier einen Cache gibt ( GC29XQ8 ). Nachdem wir das Döschen in der Nähe eines historischen Brunnens finden, schauen wir uns die Sakralbauten an. Hinter den dicken Mauern ist es schön kühl und es gibt tolle Wandgemälde zu sehen.

Der Altarraum vom Kloster Rezevici

Die Heiligen hier sind bis an die Zähne bewaffnet

Wir fahren weiter auf der Küstenstraße und kommen an der berühmten Hotelinsel Sveti Stefan vorbei. Auf Bildern sieht Budva, das wir kurze Zeit später durchfahren, äusserst malerisch aus. Verändert man aber nur ein wenig die Perspektive, sieht man vor allem Hotelbunker. Es ist voll und hektisch. Wir sind froh als wir durch sind. Hinter Budva weicht die Straße von der Küste ab und verläuft etwas weiter im Landesinneren.

Die Hotelinsel Sveti Stefan

So hätte man auch fahren können. Wir sind aber einmal aussen rum.

Am Abzweig nach Kotor wählen wir die Route weiter geradeaus um die Landzunge herum. Die schmale Straße führt jetzt direkt am Meer entlang, oft nur wenige Zentimeter über der Wasserlinie und ohne weitere Befestigung. Wir durchfahren malerische Dörfer und die Sicht über die Bucht mit den hohen Bergen im Hintergrund ist einfach grandios. Leider muss ich als Fahrer sehr aufpassen. Es ist eng. Oft kreuzen Fußgänger unseren Weg. Dem Gegenverkehr muss in Millimeterarbeit ausgewichen werden. Aber die Strecke lohnt sich. Die Landschaft ist einfach großartig!

Bucht von Kotor

Bucht von Kotor

Eine Kirche an der Bucht von Kotor

Eigentlich war Budva von Tito als „Monaco des Balkans“ vorgesehen. Als wir aber Kotor erreichen, wissen wir warum dieser Titel hier besser passt. Überall fette Karren und Yachten. Vor der Stadt ankert ein riesiges Kreuzfahrtschiff. Schicke Flaneure säumen unseren Weg, es ist wieder sehr voll auf den Straßen.

Dicke Karren, lange Yachten. Willkommen in Kotor!

Stadtmauer der Altstadt von Kotor

Hinter Kotor wird es beschaulicher. Die Küstenstraße überwindet etliche Höhenmeter, mal herunter zur Adria, mal schaut man von weit oben über die Bucht. Leider ist der offene Panoramabus vor uns, der mit 40 km/h Touristen durch die Gegend karrt. Auf der anderen Seite der Bucht gibt es auch ein paar kleine Campingplätze. Hätten wir unsere gestrige Tagesetappe etwas verlängert, wäre einer von denen die für uns bessere Wahl gewesen.

Kurz vor der Grenze zu Kroatien durchfahren wir das Städtchen Igalo. Auf einem Parkplatz vor einem Restaurant registriere ich etwas, das mir ziemlich bekannt vorkommt. Wir wenden und tatsächlich! Es ist das Gespann von Andrea und Jochen, die wir in Kremna getroffen haben. Die sitzen mit ihren Kindern beim Essen. Was für ein Zufall! Wir tauschen ein paar Reiseerfahrungen aus und machen uns auf zur Grenze.

Und wieder eine Grenze – diesmal zu Kroatien

Die Einreise nach Kroatien ist erwartet unproblematisch. Allerdings empfängt uns das Land mit schlechter Wegstrecke. Der Straßenbelag ist über Kilometer abgetragen worden und  eine einzige Baustelle. Danach ist die Küstenstraße aber astrein. Wer die kroatische Adriaküste kennt, weiss um ihre Schönheit.

Die Straße in Richtung Dubrovnik

Wir erreichen Dubrovnik am Nachmittag. Wir suchen uns ein Parkhaus ausserhalb der Innenstadt und machen uns zu Fuß auf. Ein paar Caches gibt es hier. In einem netten Park finden wir GC1BDJK komplett muggelfrei, obwohl die Parkplätze und -häuser voll sind. Man strebt wohl eher Richtung Altstadt. Der zweite Cache (GC2XA1K) liegt bei „Dubrovniks Gibraltar“. Eine majestetische Festung mit Blick auf die Mauern der Altstadt. Auch hier ist nichts los, obwohl die Ausblicke toll sind und das Gemäuer sehenswert ist.

Fort Lovrijenac

Blick zur Altstadt von Dubrovnik

Auf dem Weg zur Altstadt wird es merklich voller und multinationaler. Unweit der Brücke, die in die Altstadt führt, ist ein großer Busbahnhof. Hier ist die Hölle los. Wir drängen uns mit den Massen über die Brücke und versuchen uns die Altstadt anzuschauen. Ja, das ist schön hier. Aber auch eine ziemliche Tourifalle. Die Gassen werden von Werbetafeln von Restaurants und Auslagen der zahlreichen Andenken- und Plunderläden beherrscht. Wir schauen uns ein wenig um und schieben wieder mit dem Strom nach draussen. Der Cache bei der Stari Grad ist wohl weg.

Das kroatische Festland wird 50 km westlich von Dubrovnik für 8 km von Bosnien und Herzegowina durchschnitten. Kurz vorher biegen wir in Richtung Ston ab, das auf einer Halbinsel liegt. Wir finden den Campingplatz, den wir angepeilt haben. Er liegt herrlich schattig unter hohen Bäumen und verfügt über einen Sandstrand in einer Bucht. Wir hopsen erst einmal wieder in die Adria.

Am nächsten Tag schauen wir uns Ston an und aalen einfach ein bisschen am Strand.

Kontraste: Von Albanien nach Montenegro


Am nächsten Morgen weckt uns die heiße Sonne schon zeitig. Der fußlahme Holländer ist zu unserer Verwunderung mit Packen beschäftigt. Wie wir erfahren kommt seine Tochter heute per Flieger aus den Niederlanden nach Tirana um das Gespann nach Hause zu fahren. Wir selbst räumen jetzt auch unsere Sachen zusammen und machen uns reisefertig.

Der Grenzübergang Muriqan/Sukobin zu Montenegro, den wir benutzen wollen, ist für LKW gesperrt. Haben wir gehört. Auf dem Weg dorthin wird auch klar warum. Wir durchfahren einige Vororte von Shkodër und überqueren die Drin. Nach der Brücke führt uns eine schmale Straße entlang des Flussufers durch kleine Dörfer. Hier wäre wahrlich kein Platz für LKW.

Kurz bevor die Autoschlange vor der Grenze beginnt sehen wir noch einmal ein albanisches Wort, das hier allgegewärtig scheint.  „Lavazh“ steht in großen gepinselten Lettern auf einer Art Carport. Auf unserer Fahrt durchs Land haben wir schon gerätselt, was es bedeuten könnte. Oft fand man den Begriff an Tankstellen, auf solchen selbst gezimmerten Pavillons wie hier, manchmal steht aber auch einfach ein gepinseltes Schild mitten in der Pampa. Eine Internetrecherche bringt es zutage: Man kann hier sein Auto waschen lassen. Aus irgend einem Grund gibt es überall „schwarze“ Autowaschplätze mit Waschpersonal. Einen Erklärungsversuch gibt es beim Albanian Blogger.

Diese freundlichen Mazedonier machen sich Sorgen um unseren Motor

Die PKW-Schlange ist lang. In weiter Ferne lässt sich die Grenzstation erahnen, es geht aber kaum voran. Am späten Vormittag ist die Hitze bereits unerträglich. Wir geben unsere motor- und klimaschonende Haltung auf, lassen den Motor bei geschlossenen Fenstern und eingeschalteter Klimaanlage einfach laufen. Das führt zu hektischer Aktivität einiger Wartender, die sich aus ihrem Yugo in den Schatten geflüchtet haben. Es wird an unser Fenster geklopft und unter den Bulli gezeigt. Ich steige aus und schaue mir die Sache an. Wasser tropft aus dem Motorraum auf den glühenden Asphalt. „That’s from the air condition“ beschwichtige ich, bedanke mich und steige wieder ein. Trotzdem werden stets besorgte Blicke aus der Gruppe unter den Bulli geworfen.

Albanien fordert eine Straßenbenutzungsgebühr von Ausländern. Unseren Recherchen nach müssten wir an der Grenze jetzt drei Euro berappen. Zu unserer Überraschung gibt es aber nur einen montenegrinischen Posten. Der will kein Geld von uns. Die Abfertigung ist ein Klacks, Pässe und Fahrzeugpapiere werden kurz gesichtet, das wars.

Endlich! Grenze in Sicht!

So sind wir jetzt in Montenegro. Nach einer Serpentinenstrecke, schmal aber mit gutem Belag, steht ein Supermarkt. Kein Mini-Markt oder irgendein Laden. Ein großer Supermarkt mit großem Parkplatz. Wir sind die einzigen Kunden. Fünf oder mehr Angestellte bemühen sich um uns. Es ist klimatisiert. Es gibt Marken zu kaufen, die wir schon aus Serbien kennen, aber auch ein komplett westliches Sortiment. Montenegro hat sich bei seiner Abspaltung von Serbien 2006 für den Euro als Zahlungsmittel entschieden, ohne jedoch Teil der Europäischen Währungsunion zu sein. Das macht Preisvergleiche mit den Produkten zu Hause natürlich einfach. Alles kostet hier die Hälfte oder weniger. Wir nehmen diese Einkaufsgelegenheit gerne an. Offensichtlich handelt es sich hier um ein Statement und ein Bekenntnis zu Westeuropa.

Auf der Küstenstraße nahe Bar

Unser nächstes Ziel ist Bar, eine Hafenstadt nicht weit von der Grenze entfernt. Hier gibt es zwei Caches und auch sonst soll die Stadt sehenswert sein. Die Küstenstraße bietet schon einmal wunderschöne Ausblicke.

Ausblicke nahe Bar

Einen der Caches (GC29XPY) finden wir schnell in einem Park unter Umgehung eines schlafenden Mittagspäuslers. Der zweite (GC29XQH) ist wohl weg. Der kleine Rundgang zeigt uns die Stadt von ihrer besten Seite. Überall sitzen Leute in Cafés, es gibt viele aufgeklappte Laptops zu sehen. Die schmucken Gebäude sind großteils in gutem Zustand. Im Straßenbild ist der Anteil neuerer PKW recht hoch. Überhaupt ist alles ein bisschen wie „Serbien de Luxe“ und ein krasser Gegensatz zu dem, was hinter der Grenze zu Albanien nur wenige Kilometer entfernt ist.

Stadtansichten Bar

Ehemaliger Königspalast

Hier sollte eigentlich ein Cache drin sein

Nach dem Stadtbummel geht es wieder ein Stückchen südwärts nach Utjeha wo es einen guten Campingplatz geben soll. Er liegt in einer Bucht die, wie in der Gegend üblich, dicht bebaut ist. Wir fahren erst einmal daran vorbei und entdecken erst beim zweiten Mal die kleine Einfahrt zum Platz. Der zieht sich wie ein langer schmaler Schlauch zwischen den umliegenden Gebäuden durch. Es ist ziemlich voll. Abends wird noch ein polnisches Pärchen anreisen, das ihr Zelt fast in unserem Radkasten aufbaut. Immerhin: Es gibt Schatten von alten Olivenbäumen und die Sanitäranlagen sind prima.

Der Strand ist in unmittelbarer Nähe und wir machen das Touriprogramm. Das Wasser der Adria ist glasklar und eine großartige Erfrischung. Trotz dass es recht belebt ist haben wir genügend Platz und es wirkt gar nicht so voll wie auf den ersten Blick.

Die Touri-Bucht mit unserem Campingplatz

Eines haben wir vergessen. In Bar wollten wir Bargeld [sic!] holen. Schließlich kommen hier wieder Euro aus dem Automaten. In dieser Touristenfalle gibt es jedenfalls keinen Geldautomaten. Der Campingplatz bietet per Definition Kartenzahlung an. Als ich die Kreditkarte zücke, wird man hektisch. Es wird mit einem USB-Stick hantiert, offensichtlich gibt es kein Internet per Draht. Daher wohl auch keine Geldautomaten. So kommt es, dass wir unsere letzten Euro-Reserven zur Bezahlung des Platzes aufwenden. Der allerletzte verbliebene Euro reicht aber noch für zwei Biere in einer Strandbar.

Am nächsten Tag bestaunen wir die Bucht von Kotor und treffen alte Bekannte.

Die Bucht von der anderen Seite aus der Strandbar gesehen

Stille Tage in Barbullush

Albanien hat ein Müllproblem. Überall gibt es wilde Müllkippen. Bei Sonnenuntergang werden an den Ortsrändern Feuer entzündet, in denen Plastikverpackungen, Gartenabfälle und anderer Unrat verbrannt wird. Selbst hier in recht ländlicher Umgebung liegt ein beißender Geruch in der Luft. In den Orten gibt es Müllcontainer, neben denen schon einmal jemand seinen Ölwechsel entsorgt. Aber woher kommt dieser sorglose Umgang mit Kunststoffen und giftigen Flüssigkeiten?

Leider typisches Bild: Bunker mit wilder Müllkippe

In der Ära Hoxha, insbesondere in den Siebziger und Achtziger Jahren war Albanien total isoliert. Die Paranoia des Präsidenten kannte keine Grenzen. Hunderttausende Bunker zur Verteidigung gegen die vermeintlich lauernden Feinde wurden überall im Land errichtet. Kooperationen oder gar Handel mit dem Ausland fand so gut wie gar nicht mehr statt. Dadurch war die heimische Wirtschaft auf sich allein gestellt. Alle Rohstoffe mussten möglichst wiederverwendet werden; klassische Konsumgüter waren so gut wie unbekannt. Lange waren Kraftfahrzeuge in Privatbesitz verboten.

Nach dem Sturz des Kommunismus strömten Waren aller Art in das Land. Den Umgang mit Verpackungen aus Plastik oder die Betriebsstoffe der jetzt in großer Zahl aufkommenden Autos hatten die Leute einfach nicht drauf. Das Ergebnis kann man im ganzen Land sehen. Überall, wirklich überall liegt Müll.

Das ist einfach nur schade, denn die Landschaften sind wunderschön. An den Stränden waren wir nicht, aber auch dort soll sich das typische Bild fortsetzen.

Mit unserem Campingplatz jedenfalls haben wir es gut getroffen. Zu unserer Verwunderung wird er von einer holländischen Familie betrieben. Demzufolge gibt es mitteleuropäische Kost, allerdings sind auch die Preise überaus westlich. Wir beschließen heute einfach einmal nichts zu machen. Laut Wetterprognose soll das Thermometer wieder über 40° klettern, so dass eine kalte Dusche in unmittelbarer Gehweite nach einer guten Idee klingt. Ein kleiner Pavillion neben dem Bulli spendet Schatten, so dass unser jetzt schon weitgereistes Vorzelt abermals in der Toolbox bleibt. Dazu gibt es WLAN, so dass man einen faulen Ruhetag im Schatten gut rumkriegen sollte.

Ausser uns campt noch ein Gespann mit holländischem Kennzeichen. Ein älterer Herr sitzt vor seinem winzigen Wohnwagen. Er spricht ganz gut Deutsch und wir erfahren, dass er sich den Knöchel gebrochen hat. Zwangspause also. Er ist offensichtlich alleine unterwegs und wir bieten ihm bei Bedarf unsere Hilfe an.

Trotz Hitze: Kaffee muss sein!

Etwas entfernt steht ein Igluzelt. Nach einiger Zeit knattert eine Kawasaki heran. Kaum vom Bock gesprungen pellt sich der Fahrer in Windeseile aus seiner Lederkombi und wirft alle Klamotten von sich. Es ist Don aus der Nähe von Aachen, der den kompletten Weg hier runter allein und auf zwei Rädern zurückgelegt hat. Nach einem anstrengenden Ritt durch die Berge braucht er jetzt erst einmal eine Abkühlung. Später werden wir gemeinsam in der Bar sitzen und in Reisegeschichten schwelgen.

Der Campingplatz hat einen Bewacher. Ein offenbar aus dem Ort stammender geistig behinderter Junge darf tagsüber das Tor hüten. Dafür hat er einen langen Stock, mit dem er die Einlasskontrolle macht. Das bereitet ihm offenbar großen Spaß und die Campingplatzwirte gehen lieb mit ihm um. In der Dämmerung wird er mit einem Bulli nach Hause gefahren. Stattdessen knattert ein Mann mit einem Mofa heran. Zu unserem Erstaunen hat er ein Gewehr geschultert. Er stellt sein Gefährt ab und setzt sich neben die Pforte. Wir rätseln bis heute, ob diese Maßnahme eher symbolischen Charakter besitzt oder eine tatsächliche Notwendigkeit besteht.

Am nächsten Tag werden wir uns nach Montenegro aufmachen, wundern uns über die Grenze und werden endlich in die Adria hopsen. Dann gibt es auch wieder mehr Fotos!

Schlechte Neuigkeiten vom Rtanj

Eben bekam ich eine Mail von Geocaching.com, wonach der STF am bei „Catch me if you can“ (GC32FMP) auf dem Šiljak des Rtanj gefallen ist. Den Reisebericht über unseren FTF vor Ort gibt es hier zu lesen.

Anscheinend hat sich jetzt an der atemberaubenden Kulisse aber etwas Entscheidendes verändert. Der letzte Bogen der alten Kapelle ist eingestürzt.

So prächtig stand die Ruine im Juli da…

…und so sieht sie jetzt aus.

Da fehlte nicht mehr viel…

Ich habe mir daraufhin noch einmal alle Fotos von der Tour angeschaut und eines gefunden, dass den damaligen Zustand des Bogens sehr gut zeigt. Vielleicht war es ein Blitz, der in die Metallarmierung eingeschlagen ist? Auch ein souvenirjagender Mauerspecht könnte das entscheidende Steinchen herausgezogen haben. Oder aber der vor Ort dauernd herrschende Wind hat die Struktur so nachhaltig geschwächt, dass es zum Einsturz gekommen ist.

Das ist sehr schade und es bricht mir fast das Herz, diesen Ort so zu sehen. Aber Dinge ändern sich und nichts ist für ewig. Umso mehr freut es uns, diesen magischen Ort noch mit der „Original-Ruine“ besucht haben zu dürfen.

Hier noch ein paar Links zu der klassischen Ruine:

360°-Panorama
Winterwanderung zum Siljak auf dem Rtanj
noch ein Winterbild von der Kapelle

Auf den Straßen von Shqipëria

Mazedonische Camping-Verkablung

Glaubten wir den Erzählungen der Leute, die wir in den exjugoslavischen Staaten getroffen haben, ist Albanien ein unbekanntes, anrüchiges und wildes Land, in das man unmöglich reisen kann.

Straßen seien quasi nicht existent, überall lauerten Gefahren und man würde da unmöglich lebendig rauskommen, überspitzt gesagt. Die Reiseberichte, die ich im Vorfeld gelesen hatte, waren zwiegespalten, aber überwiegend positiv. Bei den Reisevorbereitungen hatte ich das Land Albanien allerdings nicht sehr gut recherchiert. Es war Teil der Route mit ein, zwei Caches und einer Übernachtung. Mehr nicht.

Unterwegs besuchen wir noch die Quellen der Schwarzen Drina

So brechen wir also nicht allzu früh morgens mit gemischten Gefühlen auf zur nahen albanischen Grenze. Die verläuft auf einer Hügelkette. Eine Serpentinenstraße führt hinauf. Schon bald sehen wir erste Schilder, die das Fotografieren verbieten. Dies gilt aber nicht der Grenze, sondern der mazdonischen Militärbasis, die kurz vorm Grenzposten liegt. Wir haben noch einmal eine tolle Aussicht auf den Ohridsee von hier aus.

Unsere heutige Etappe

Wir erreichen den kleinen mazedonischen Posten. Es ist nichts los und wir kommen sofort dran. Ausser uns ist nur noch ein gelber Vito mit italienischem Kennzeichen hier und will von Albanien nach Mazedonien einreisen. Ich reiche dem Grenzer das ganze Bündel an Papieren: Pässe, internationale Führerscheine, grüne Versicherungskarte, Fahrzeugschein. Der Beamte legt die Fahrzeugpapiere zur Seite, interessiert sich nur für die Pässe. Man hat nichts zu beanstanden, reicht uns die Papiere wieder herein. Der Zoll winkt uns durch. Jetzt folgt eine längere Passage durchs Niemandsland. Wir nutzen die Zeit, um noch einmal die Vokabeln zu checken.

Ich begrüße die Grenzer gerne in Landessprache und schaffe mir das vorher eigentlich immer drauf. Bisher musste man immer nur Varianten beherrschen: „Dober Dan!“ oder „Dobar Den!“. Aber Albanisch konnte ich mir einfach nicht merken. Ich bitte Astrid, mir „Guten Tag“ auf Albanisch noch einmal vorzulesen. „Mirëdita!“ sagt sie zu mir. Wir erreichen den Grenzposten. „Good Morning!“ sage ich.

Im Rückspiegel taucht der gelbe Vito noch etwas entfernt auf. „Huch, haben sie den nicht reingelassen?“

Wieder wird das Bündel Papiere rübergereicht. Mir ist so, als fehle irgend etwas. Richtig, die License, der Fahrzeugschein, ist nicht dabei! Ich schaue im Fußraum, im Trittbrett, dem Fach, aus dem ich die Papiere gezogen habe. Nichts. Eine Weiterreise ohne Fahrzeugschein stelle ich mir äusserst unkomfortabel vor. Wir haben zwar eine Kopie dabei, zum Vertrauen sollte das bei misstrauischen Polizisten aber eher nicht beitragen. Der Grenzer, ein Schnauzbart, der wie der Prototyp eines Grenzbeamten aussieht, interessiert sich neben den Pässen aber nur für die grüne Versicherungskarte. Ich weise ihn auf die fehlende License hin. Er soll noch einmal gucken, ob sie nicht irgendwo zwischen die anderen Papiere gerutscht ist. Ist sie nicht. Er lacht und will uns schon so einreisen lassen. Da hält der gelbe Vito neben uns. Offenbar haben ihm die mazedonischen Grenzer aufgetragen, uns den Fahrzeugschein zu bringen. Der ist da wohl liegengeblieben. Der Fahrer beugt sich auf der Beifahrerseite in unseren Bulli, reicht mir erst den Fahrzeugschein und dann die Hand. Auch Astrid wird mit einem herzlichen Händedruck bedacht. Zum Abschied murmelt er etwas von „Sorry for the Football“ und meint wohl das verlorene Halbfinalspiel Italien–Deutschland. Genauso schnell wie er aufgetaucht ist, verschwindet er auch schon wieder, steigt in seinen Vito und braust in Richtung Mazedonien davon.

Badebetrieb in Tushemisht

Jetzt können wir dem albanischen Grenzposten auch unsere License präsentieren. Dieser lacht jetzt noch lauter und bedeutet uns, dass wir passieren sollen. So sind wir jetzt also in Shqipëria (Albanien). Hinter der Grenze führt die Strecke wieder direkt an der Küste entlang. Unser erster Eindruck vom Land wird bestimmt durch den kleinen schmucken Badeort Tushemisht.

Danach erreichen wir über eine Umleitung – auf der Küstenstraße wird gebaut – die Stadt Pogradec. Hier machen wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit der quirligen Fahrweise der Albaner unter beengten Bedingungen. Die Regeln sind einfach und ähneln denen in Süditalien: Gefahren wird, wo Platz ist. Wo kein Platz ist: Hupen! Hier sehen wir auch die erste der zahlreichen Polizeikontrollen, die scheinbar wahllos Fahrzeuge herauswinkt. Da diese Aktion auf einer der Hauptverkehrskreuzungen stattfindet, steigert sie das bunte Chaos noch einmal.

Gleich hinter der Grenze fällt eine hohe Dichte von T4-Bussen auf. Herrschen in Ex-Jugoslawien eher französische Modelle oder alte Tatas vor, sieht man hier jede Menge Trapos und Caravellen mit kurzem Vorderwagen, also schon älteren Datums. Sie sind in Form von Sammeltaxis offenbar ein wichtiger Bestandteil der öffentlichen Infrastruktur.

Die Küstenstraße hinter Pogradec ist unfassbar schlecht. Selbst die Einheimischen bleiben vor besonders heftigen Schlaglöchern stehen, um sie anschließend ehrfürchtig im Schritttempo zu durchfahren. Die heutige Etappe ist knapp 300 km lang. Wenn das so weitergeht, können wir uns auf was gefasst machen. Der Blick auf den Ohridsee entschädigt aber. Entlang der Straße stehen viele fliegende Händler, die vor allem ihre Fischfänge anbieten. Die Bilder ähneln sich: Einer der Händler steht halb auf der Fahrbahn und wedelt so ausladend mit einem toten Aal, dass man fürchten muss, ihn auf der Haube zu haben. Wir entscheiden uns gegen den vermeintlichen Frischfisch und Presseberichte, die von einem großen Aalsterben am Ohridsee berichten, geben uns im Nachhinein Recht. Nicht wenige dieser Aale sollen gesammelt worden sein und nicht selten den Weg auf Restaurantteller gefunden haben.

Aalverkäufer am Ohridsee

Am Nordufer des Sees gilt es, den ersten Pass in Richtung Westen zu überqueren. War die Straße bis hier hin eine Katastrophe, reiben wir uns ungläubig die Augen. Eine nagelneue, schwarze, breite und gut markierte Teerstraße windet sich hinauf. Oben gibt es eine kleine Parkbucht und eine letzte Aussicht auf den Ohridsee. Ausserdem liegt hier Bennies Balkan Box AL, beziehungsweise die Ersatzdose derer. Das Original ist wohl den Straßenbauarbeiten zum Opfer gefallen. Wir finden den Cache und sind somit jetzt mit dem Länderpunkt Albanien ausgestattet.

Letzter Blick über den Ohridsee

Albanien ist im Wandel. Das ist entlang der Hauptstraßen, die wir vorwiegend fahren, überall zu merken. Es wird viel gebaut. Der Straßenbelag ist gegen unsere Erwartung wirklich gut, oft neu. Es sind noch mehr Pferde- und Eselkarren unterwegs als in den Gegenden zuvor. Es scheint einige Leute zu geben, denen es wirtschaftlich ganz gut geht, daneben aber auch blanke Armut. Wir überqueren zwei Bergkämme und durchfahren Elbasan. Nach einer weiteren Passstraße erreichen wir das quirlige Tirana.

Gegensätze bei Qukës

Die „Vulkanizer“ heissen hier „Gomisteri“

Tiranë, wie es in der Landessprache heisst, wartet mit einer weiteren Überraschung auf. Kurz bevor es in das Verkehrschaos der Innenstadt geht, wird die Landstraße zur Autobahn. Nagelneu, noch nicht markiert, aber schon für den Verkehr freigegeben. Die kennt unsere Karte noch nicht. Der Verkehr in der Stadt ist ja berüchtigt, aber so schlimm finden wir es gar nicht. An die direkte Fahrweise der Albaner haben wir uns schon gewöhnt. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass Sonntag ist.

In Tirana versuchen wir noch ein TB-Hotel zu finden, lesen aber in der Beschreibung, dass der Owner vorher angeschrieben werden will und dann die Dose rauslegt. Am zweiten Cache, der in der Stadt liegt, fahren wir stumpf vorbei.

Unser eigentliches Ziel heute heisst aber „Camping Albania“, ein Campingplatz nicht allzu weit von der Grenze zu Montengro entfernt. Hier gibt es auch einen Geocache und er verspricht einmal wieder gescheite Sanitäranlagen. Es ist schon wieder ziemlich heiss und wir können eine Dusche gut gebrauchen. Wir wurschteln uns also durch die Innenstadt und erreichen den Ortsausgang. Schon wieder nagelneue Autobahn! Entlang der Strecke gibt es moderne Tankstellen, Shoppingcenter und unglaublich viele Baustellen.

Der Diesel geht zur Neige. An einer der Tankstellen halten wir, die Gebäude sind nagelneu. Auf einem Schild sind diverse gängige Kreditkarten ausgewiesen. Gut so, schließlich haben wir keinen einzigen albanischen Lek in der Tasche. Die Anlage wird von einem älteren Ehepaar betrieben. Neben den Zapfsäulen und einem kleinen Büro gibt es auch eine Bar. Ausser uns sind keine Kunden hier. Wir sorgen für Aufregung, als wir wegen der Kreditkarte fragen. Offensichtlich weihen wir das Terminal heute ein. Über die Bedienung ist man sich nicht einig, einige Belege werden gedruckt, der Vorgang aber immer abgebrochen. Schließlich wird der Tankwart von gegenüber, wo es eine baugleiche Tankstelle gibt, zu Hilfe gerufen. Ein junger Mann kommt über die Autobahn gelaufen. Er spricht gutes Englisch und kann auch das Terminal bedienen. Allerdings werden wir hier das erste und einzige Mal auf unserer Reise beschissen. Man besteht auf der Abrechnung in Euro. Ich habe den Umrechnungskurs aber nicht drauf und so werden uns 20 € zuviel berechnet. Das ist aber zum einen immer noch billig, zum anderen ist das echt wenig Geld, im Vergleich zu dem was man uns vor der Reise für Schauermärchen erzählt hat. Es wurde uns prophezeit, dass wir auf dem Balkan ausgeraubt würden, ohne Auto oder gar ohne Leben dastünden.

Am sehr späten Nachmittag erreichen wir den Campingplatz, um den es im nächsten Artikel gehen soll.

Groundspeak sagt: Albanien liegt im Nordpazifik

Ein Cache, mitten im Ozean. Man muss Tauchen und Klettern, kann ihn per Zwei- und Allrad erreichen. Es wird eine Taschenlampe benötigt und er kostet Eintritt. Campen, Lagerfeuer und Hunde sind erlaubt. Ausserdem braucht er ne Wartung. Ein typischer 1/1er halt. Gibt’s nicht? Doch gibt es. In Albanien.

Aber von vorn: Im Vorfeld der Balkantour habe ich mich mit einigen Apps zur Offline-Cache- und Kartenverwaltung sowohl für iOS als auch für Android beschäftigt. Um diese soll es hier aber gar nicht gehen, darüber ist schon viel geschrieben worden.

Dass Bosnien, Serbien, Montenegro, Mazedonien und Albanien in eine 500er Pocket Query passen, macht diese zum idealen Testobjekt. Nicht zu viele Wegpunkte, aber jede Menge Fläche und mehrere beteiligte Länderkarten.

Die ersten Importe der PQ in verschiedene Tools fielen ganz schön ernüchternd aus. Mir wurde eine komplett in die Welt ausgezoomte Karte präsentiert. Reinzoomen wurde mit hakeliger Performance quittiert und führte nicht selten zu Abstürzen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich herausbekommen habe, woran das liegt.

Bei näherer Betrachtung zeigt sich nämlich ein Wegpunkt 2000 km westlich vor der amerikanischen Küste, etwa in Höhe der Grenze Kalifornien zu Mexiko. Laut Listing liegt er aber in Albanien und kommt deshalb mit der albanischen Pocket Query. Es handelt sich um den (?) Testcache (GC2BE9D) von Groundspeak. Gibt es noch mehr davon? Wenn ihr noch von anderen Kuriositäten dieser Art wisst, postet es einfach in die Kommentare.

Screenshot vom Testcache GC2BE9D

Update: Der Cache liegt nun laut Listing in Nordkorea.