Kontraste: Von Albanien nach Montenegro


Am nächsten Morgen weckt uns die heiße Sonne schon zeitig. Der fußlahme Holländer ist zu unserer Verwunderung mit Packen beschäftigt. Wie wir erfahren kommt seine Tochter heute per Flieger aus den Niederlanden nach Tirana um das Gespann nach Hause zu fahren. Wir selbst räumen jetzt auch unsere Sachen zusammen und machen uns reisefertig.

Der Grenzübergang Muriqan/Sukobin zu Montenegro, den wir benutzen wollen, ist für LKW gesperrt. Haben wir gehört. Auf dem Weg dorthin wird auch klar warum. Wir durchfahren einige Vororte von Shkodër und überqueren die Drin. Nach der Brücke führt uns eine schmale Straße entlang des Flussufers durch kleine Dörfer. Hier wäre wahrlich kein Platz für LKW.

Kurz bevor die Autoschlange vor der Grenze beginnt sehen wir noch einmal ein albanisches Wort, das hier allgegewärtig scheint.  „Lavazh“ steht in großen gepinselten Lettern auf einer Art Carport. Auf unserer Fahrt durchs Land haben wir schon gerätselt, was es bedeuten könnte. Oft fand man den Begriff an Tankstellen, auf solchen selbst gezimmerten Pavillons wie hier, manchmal steht aber auch einfach ein gepinseltes Schild mitten in der Pampa. Eine Internetrecherche bringt es zutage: Man kann hier sein Auto waschen lassen. Aus irgend einem Grund gibt es überall „schwarze“ Autowaschplätze mit Waschpersonal. Einen Erklärungsversuch gibt es beim Albanian Blogger.

Diese freundlichen Mazedonier machen sich Sorgen um unseren Motor

Die PKW-Schlange ist lang. In weiter Ferne lässt sich die Grenzstation erahnen, es geht aber kaum voran. Am späten Vormittag ist die Hitze bereits unerträglich. Wir geben unsere motor- und klimaschonende Haltung auf, lassen den Motor bei geschlossenen Fenstern und eingeschalteter Klimaanlage einfach laufen. Das führt zu hektischer Aktivität einiger Wartender, die sich aus ihrem Yugo in den Schatten geflüchtet haben. Es wird an unser Fenster geklopft und unter den Bulli gezeigt. Ich steige aus und schaue mir die Sache an. Wasser tropft aus dem Motorraum auf den glühenden Asphalt. „That’s from the air condition“ beschwichtige ich, bedanke mich und steige wieder ein. Trotzdem werden stets besorgte Blicke aus der Gruppe unter den Bulli geworfen.

Albanien fordert eine Straßenbenutzungsgebühr von Ausländern. Unseren Recherchen nach müssten wir an der Grenze jetzt drei Euro berappen. Zu unserer Überraschung gibt es aber nur einen montenegrinischen Posten. Der will kein Geld von uns. Die Abfertigung ist ein Klacks, Pässe und Fahrzeugpapiere werden kurz gesichtet, das wars.

Endlich! Grenze in Sicht!

So sind wir jetzt in Montenegro. Nach einer Serpentinenstrecke, schmal aber mit gutem Belag, steht ein Supermarkt. Kein Mini-Markt oder irgendein Laden. Ein großer Supermarkt mit großem Parkplatz. Wir sind die einzigen Kunden. Fünf oder mehr Angestellte bemühen sich um uns. Es ist klimatisiert. Es gibt Marken zu kaufen, die wir schon aus Serbien kennen, aber auch ein komplett westliches Sortiment. Montenegro hat sich bei seiner Abspaltung von Serbien 2006 für den Euro als Zahlungsmittel entschieden, ohne jedoch Teil der Europäischen Währungsunion zu sein. Das macht Preisvergleiche mit den Produkten zu Hause natürlich einfach. Alles kostet hier die Hälfte oder weniger. Wir nehmen diese Einkaufsgelegenheit gerne an. Offensichtlich handelt es sich hier um ein Statement und ein Bekenntnis zu Westeuropa.

Auf der Küstenstraße nahe Bar

Unser nächstes Ziel ist Bar, eine Hafenstadt nicht weit von der Grenze entfernt. Hier gibt es zwei Caches und auch sonst soll die Stadt sehenswert sein. Die Küstenstraße bietet schon einmal wunderschöne Ausblicke.

Ausblicke nahe Bar

Einen der Caches (GC29XPY) finden wir schnell in einem Park unter Umgehung eines schlafenden Mittagspäuslers. Der zweite (GC29XQH) ist wohl weg. Der kleine Rundgang zeigt uns die Stadt von ihrer besten Seite. Überall sitzen Leute in Cafés, es gibt viele aufgeklappte Laptops zu sehen. Die schmucken Gebäude sind großteils in gutem Zustand. Im Straßenbild ist der Anteil neuerer PKW recht hoch. Überhaupt ist alles ein bisschen wie „Serbien de Luxe“ und ein krasser Gegensatz zu dem, was hinter der Grenze zu Albanien nur wenige Kilometer entfernt ist.

Stadtansichten Bar

Ehemaliger Königspalast

Hier sollte eigentlich ein Cache drin sein

Nach dem Stadtbummel geht es wieder ein Stückchen südwärts nach Utjeha wo es einen guten Campingplatz geben soll. Er liegt in einer Bucht die, wie in der Gegend üblich, dicht bebaut ist. Wir fahren erst einmal daran vorbei und entdecken erst beim zweiten Mal die kleine Einfahrt zum Platz. Der zieht sich wie ein langer schmaler Schlauch zwischen den umliegenden Gebäuden durch. Es ist ziemlich voll. Abends wird noch ein polnisches Pärchen anreisen, das ihr Zelt fast in unserem Radkasten aufbaut. Immerhin: Es gibt Schatten von alten Olivenbäumen und die Sanitäranlagen sind prima.

Der Strand ist in unmittelbarer Nähe und wir machen das Touriprogramm. Das Wasser der Adria ist glasklar und eine großartige Erfrischung. Trotz dass es recht belebt ist haben wir genügend Platz und es wirkt gar nicht so voll wie auf den ersten Blick.

Die Touri-Bucht mit unserem Campingplatz

Eines haben wir vergessen. In Bar wollten wir Bargeld [sic!] holen. Schließlich kommen hier wieder Euro aus dem Automaten. In dieser Touristenfalle gibt es jedenfalls keinen Geldautomaten. Der Campingplatz bietet per Definition Kartenzahlung an. Als ich die Kreditkarte zücke, wird man hektisch. Es wird mit einem USB-Stick hantiert, offensichtlich gibt es kein Internet per Draht. Daher wohl auch keine Geldautomaten. So kommt es, dass wir unsere letzten Euro-Reserven zur Bezahlung des Platzes aufwenden. Der allerletzte verbliebene Euro reicht aber noch für zwei Biere in einer Strandbar.

Am nächsten Tag bestaunen wir die Bucht von Kotor und treffen alte Bekannte.

Die Bucht von der anderen Seite aus der Strandbar gesehen

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