Stille Tage in Barbullush

Albanien hat ein Müllproblem. Überall gibt es wilde Müllkippen. Bei Sonnenuntergang werden an den Ortsrändern Feuer entzündet, in denen Plastikverpackungen, Gartenabfälle und anderer Unrat verbrannt wird. Selbst hier in recht ländlicher Umgebung liegt ein beißender Geruch in der Luft. In den Orten gibt es Müllcontainer, neben denen schon einmal jemand seinen Ölwechsel entsorgt. Aber woher kommt dieser sorglose Umgang mit Kunststoffen und giftigen Flüssigkeiten?

Leider typisches Bild: Bunker mit wilder Müllkippe

In der Ära Hoxha, insbesondere in den Siebziger und Achtziger Jahren war Albanien total isoliert. Die Paranoia des Präsidenten kannte keine Grenzen. Hunderttausende Bunker zur Verteidigung gegen die vermeintlich lauernden Feinde wurden überall im Land errichtet. Kooperationen oder gar Handel mit dem Ausland fand so gut wie gar nicht mehr statt. Dadurch war die heimische Wirtschaft auf sich allein gestellt. Alle Rohstoffe mussten möglichst wiederverwendet werden; klassische Konsumgüter waren so gut wie unbekannt. Lange waren Kraftfahrzeuge in Privatbesitz verboten.

Nach dem Sturz des Kommunismus strömten Waren aller Art in das Land. Den Umgang mit Verpackungen aus Plastik oder die Betriebsstoffe der jetzt in großer Zahl aufkommenden Autos hatten die Leute einfach nicht drauf. Das Ergebnis kann man im ganzen Land sehen. Überall, wirklich überall liegt Müll.

Das ist einfach nur schade, denn die Landschaften sind wunderschön. An den Stränden waren wir nicht, aber auch dort soll sich das typische Bild fortsetzen.

Mit unserem Campingplatz jedenfalls haben wir es gut getroffen. Zu unserer Verwunderung wird er von einer holländischen Familie betrieben. Demzufolge gibt es mitteleuropäische Kost, allerdings sind auch die Preise überaus westlich. Wir beschließen heute einfach einmal nichts zu machen. Laut Wetterprognose soll das Thermometer wieder über 40° klettern, so dass eine kalte Dusche in unmittelbarer Gehweite nach einer guten Idee klingt. Ein kleiner Pavillion neben dem Bulli spendet Schatten, so dass unser jetzt schon weitgereistes Vorzelt abermals in der Toolbox bleibt. Dazu gibt es WLAN, so dass man einen faulen Ruhetag im Schatten gut rumkriegen sollte.

Ausser uns campt noch ein Gespann mit holländischem Kennzeichen. Ein älterer Herr sitzt vor seinem winzigen Wohnwagen. Er spricht ganz gut Deutsch und wir erfahren, dass er sich den Knöchel gebrochen hat. Zwangspause also. Er ist offensichtlich alleine unterwegs und wir bieten ihm bei Bedarf unsere Hilfe an.

Trotz Hitze: Kaffee muss sein!

Etwas entfernt steht ein Igluzelt. Nach einiger Zeit knattert eine Kawasaki heran. Kaum vom Bock gesprungen pellt sich der Fahrer in Windeseile aus seiner Lederkombi und wirft alle Klamotten von sich. Es ist Don aus der Nähe von Aachen, der den kompletten Weg hier runter allein und auf zwei Rädern zurückgelegt hat. Nach einem anstrengenden Ritt durch die Berge braucht er jetzt erst einmal eine Abkühlung. Später werden wir gemeinsam in der Bar sitzen und in Reisegeschichten schwelgen.

Der Campingplatz hat einen Bewacher. Ein offenbar aus dem Ort stammender geistig behinderter Junge darf tagsüber das Tor hüten. Dafür hat er einen langen Stock, mit dem er die Einlasskontrolle macht. Das bereitet ihm offenbar großen Spaß und die Campingplatzwirte gehen lieb mit ihm um. In der Dämmerung wird er mit einem Bulli nach Hause gefahren. Stattdessen knattert ein Mann mit einem Mofa heran. Zu unserem Erstaunen hat er ein Gewehr geschultert. Er stellt sein Gefährt ab und setzt sich neben die Pforte. Wir rätseln bis heute, ob diese Maßnahme eher symbolischen Charakter besitzt oder eine tatsächliche Notwendigkeit besteht.

Am nächsten Tag werden wir uns nach Montenegro aufmachen, wundern uns über die Grenze und werden endlich in die Adria hopsen. Dann gibt es auch wieder mehr Fotos!

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