Archive for Juli 2013

Auf dem Inlandsvägen durch Schweden

Morgens nahe Göteborg.

Morgens nahe Göteborg.

Die zweite Etappe führt von Frillesås bis kurz vor Ytterhogdal (700 km).

Die zweite Etappe führt von Frillesås bis kurz vor Ytterhogdal (700 km).

Wie geplant sind wir nicht allzu früh wach und frühstücken gemütlich, aber im Stehen. Gleich werden wir Göteborg durchfahren. Vorher will aber noch der Länderpunkt Schweden ganz in der Nähe gemacht werden (GC22VRZ). Natürlich ist es nass und matschig. Und natürlich saue ich mich so richtig ein. Aber ein wirklich schönes Plätzchen an unerwarteter Stelle war das!

Hinter Göteborg beginnt die E45, der Inlandsvägen. Dieser Straße werden wir folgen, bis sie an der finnischen Grenze endet. Das wird zwei Tage dauern. Die ultimative Skandinavienkarte – auch super für die Stellplatzsuche – findet man hier: Freytag Berndt, Skandinavien Superatlas.

Von Trelleborg nach Göteborg sind wir Autobahn gefahren, jetzt wird aus der vierspurigen Straße zunehmend eine Landstraße. Zwischen Göteborg und Trollhättan sind einige Baustellen, die vermuten lassen, dass diese Strecke in Zukunft auch vierspurig sein wird.  Der Verkehr nimmt spürbar ab, erst bei Trollhättan wird es wieder etwas urbaner. Wir suchen uns ein Einkaufszentrum nahe der Saab-Werke (traurige Geschichte, übrigens), um ein vergessenes Kabel einzukaufen, schwedische Kronen zu besorgen und einen Kaffee zu kochen. Die Schweden, die wir treffen, sind nicht freundlich. Nein, die sind richtig nett. Also so richtig, richtig nett.

Freundlicherweise werden feste Blitzer in Skandinavien mit Schildern angekündigt. Etwas dichterer Verkehr bei Karlstad.

Freundlicherweise werden feste Blitzer in Skandinavien mit Schildern angekündigt. Etwas dichterer Verkehr bei Karlstad.

Hinter Trollhättan bis vor Karlstad ist viel Verkehr. Wir durchfahren viele Ortschaften, jede mit Blitzer. An der Kreuzung, an der die E18 von der E45 Richtung Stockholm abknickt, machen wir einen ersten Tankstopp. Die Zapfsäulen sind vollautomatisch. Maestro, also EC-Karte, nehmen sie nicht. Kreditkarte nur mit PIN. Aber da ist ein gelber Knopf, den man drücken kann, um den Diesel im Laden zu bezahlen. Das funktioniert dann wie in Deutschland gewohnt mit Unterschrift. Dieses Konzept haben wir in Schweden und Norwegen durchgängig vorgefunden und kamen mit Mastercard und Visa prima durch.

Einer der zahllosen Seen entlang der E45.

Einer der zahllosen Seen entlang der E45.

Achtung! Schneemobil kreuzt.

Achtung! Schneemobil kreuzt.

Zwischendurch immer wieder aufregende Landschaft.

Zwischendurch immer wieder aufregende Landschaft.

Ab Karlstad ist es dann wie abgeschnitten. Nichts mehr los auf der 45, wir durchfahren ausgedehnte Wälder. Ab und zu gibt es Seen entlang der Straße. Zahlreiche Brücken, unter denen wilde Flüsse tosen, überqueren wir. Ortschaften liegen jetzt merklich weiter auseinander. Das macht die Suche nach einem Schlafplatz einfach. Wir durchfahren eine Ortschaft, in diesem Fall Ytterhogdal, folgen der Straße noch ein paar Kilometer und biegen dann in eine Schotterpiste ab. Auf einer Kuppe ist ein leerer Polterplatz. Hier weht ein konstanter Wind, der die Mücken fernhält und genug Platz ist auch. Wir stellen die Autos als Windschutz auf und übernachten.

Am nächsten Morgen ist das Wetter prächtig. Wir wollen es heute bis zum Nordpolarkreis schaffen. Unser Tagesziel heisst Jokkmokk, bereits tief in Lappland.

Frühstück in Mittelschweden

Frühstück in Mittelschweden

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Zurück vom Übernachtungscamp zur E45.

Die dritte Etappe führt uns von Ytterhogdal bis Jokkmokk (750 km).

Die dritte Etappe führt uns von Ytterhogdal bis Jokkmokk (750 km).

In Östersund tanken wir voll. Das ist die größte Stadt für eine ganze Weile, also kein Risiko eingehen. Die Tankstellendichte hat hier oben bereits erheblich abgenommen. Dann fahren wir durch ausgedehnte Wälder, immer wieder unterbrochen von großen Seen.

Es ist wenig los, teilweise kommt eine halbe Stunde kein Fahrzeug entgegen. Zwischendurch liegen links und rechts der Fahrbahn Autowracks, deren Abtransport sich wohl schlicht nicht lohnt. Und wir bekommen es mit den ersten unreparierten Frostbeulen auf der Straße zu tun. Es gibt zwischendurch zwar immer wieder Baustellen, diese lange Straße jeden Sommer zu flicken ist aber eine Sisyphusarbeit. Zusätzlich halten Waldarbeiter-Teams den Bewuchs abseits der Straße kurz. Schließlich will man kreuzende Elche frühzeitig entdecken. Beide dieser Instandhaltungsmaßnahmen kann man in der Nähe von Ortschaften beobachten.

Bei Dorotea überqueren wir die Grenze zu Lappland. Jetzt sind wir im Siedlungsgebiet der Samen, die mit ihrer Kultur den Nordteil ganz Skandinaviens prägen. Da dauert es auch nicht lange, bis wir den ersten Rentieren begegnen. Die Tiere leben frei und sind halb domestiziert, gehören also jemandem. Die, denen wir begegnen, wollen sich nicht fotografieren lassen. Fährt man vorbei, bleiben sie am Straßenrand stehen, laufen manchmal sogar auf die Fahrbahn. Wir bremsen um ein Foto zu machen und schon nehmen sie Reißaus.

Da bekommen wir nur noch die Hintern zu sehen.

Da bekommen wir nur noch die Hintern zu sehen.

Ewig lang zieht sich die E45 durch Schweden.

Ewig lang zieht sich die E45 durch Schweden.

Nach Norwegen dürfen keine Kartoffeln eingeführt werden. Zumindest nicht roh. Also kochen wir sie vorher. Und warum wertvolle Fahrzeit beim Schälen verschwenden?

Nach Norwegen dürfen keine Kartoffeln eingeführt werden. Zumindest nicht roh. Also kochen wir sie vorher. Und warum wertvolle Fahrzeit beim Schälen verschwenden?

Etliche Kilometer und Landschaft weiter erreichen wir den Nordpolarkreis. Es gibt ein Besucherzentrum, ein großes Schild und ein kleines Denkmal. Mit einem Cache drin. Aber erst wollen wir ein Gruppenfoto machen. Ich stelle also das Stativ in einer Parkbucht auf und wir posieren. Jetzt rollt ein Wohnmobil heran, das genau in diese Parkbucht will. Wir stören uns nicht daran und machen ein paar Fotos mit dem Selbstauslöser. Ich hole das Stativ und das Wohnmobil rollt in genau diese Box. Warum wollen die ausgerechnet hierhin, es ist doch genug Platz? Nachdem wir den Cache gehoben haben und ihn wieder platzieren bekommen wir zu hören „Sehr gut, brauchen wir nicht mehr zu suchen!“ Es sind auch Cacher. Die haben sich gedacht, dass das ja dauern kann, mit den blöden Fotomuggles! Wir halten einen kurzen Geoschnack, tauschen ein paar Trackingnummern aus und dann geht es für uns auch schon weiter.

Am Nordpolarkreis

Am Nordpolarkreis

Cachertreffen am Nordpolarkreis

Cachertreffen am Nordpolarkreis

Jetzt ist Schlafplatzsuche angesagt. Nicht weit vom Nordpolarkreis entfernt, kurz vor Jokkmokk finden wir eine gute Stelle. Gesäumt von Bächen, aber auch ein paar stehende Gewässer sind in der Nähe. Hier gibt es jetzt richtig viele Mücken. Zu unserer Überraschung lassen diese sich aber vom mitgebrachten deutschen Autan beeindrucken. Also kochen wir umschwärmt, aber selten gestochen und verbringen hier die Nacht.

Übernachtungscamp in Mittelschweden

Übernachtungscamp nahe Jokkmokk

Weiter geht es in der nächsten Etappe nach Jokkmokk, durch finnische Tundra und schließlich an die schneebedeckten Berge und Fjorde Norwegens.

Finnland Reiseführer
Norwegen Reiseführer

Der Road Trip beginnt!

Der Blick aus dem Gästezimmer im Waldhaus.

Der Blick aus dem Gästezimmer im Waldhaus.

Nach einer geruhsamen Nacht wachen wir am Morgen des 9. Juni  im Waldhaus auf. Hier sind wir etwas mehr als eine Stunde von Rostock entfernt. Tags zuvor sind wir 500 km angereist. Astrid hatte sich noch im Geschäft in ein reisetaugliches Outfit geworfen und ich hatte sie direkt nach Ladenschluss abgeholt. Das spart zwar einen Urlaubstag, macht die Sache insofern spannend, dass ich die letzten Dinge alleine in den Bulli gepackt habe. Und einer allein vergisst einfach leichter etwas.

Wir reisen dieses Mal zu Viert. Tina und Haiko, langjährige Freunde, sind mit von der Partie. Sie fahren einen Nissan Pickup, dem sie für die Reise ein Hardtop spendiert haben. Daher werden sie die Nächte im Zelt verbringen. Ausserdem gehört ihnen das Waldhaus in Mecklenburg-Vorpommern, in dem wir gerade residieren. Bedingt durch die Entfernung sehen wir uns nicht so oft. Eine kleine Wiedersehensfeier musste daher sein. Beim Spekulieren was uns wohl erwarten wird und Schnacken über dies und das ist es spät geworden.

Das macht aber nichts, wir haben uns für die Fähre um 15 Uhr entschieden. Der Morgen verläuft daher entspannt. Wir frühstücken in aller Ruhe, sperren das Haus ab und machen uns auf nach Rostock.

Das Wetter an der Küste ist nicht so prall. Vor der Einfahrt zum Fährterminal werden alle Tanks noch einmal randvoll mit Diesel voll gemacht und auch unser Reservekanister ist anschließend mit dem in Deutschland vergleichsweise billigen Kraftstoff gefüllt. In Skandinavien wird es deutlich teuerer.

Wir reisen mit der TT-Line, die momentan das beste Angebot für die Passage Rostock–Trelleborg macht. Inzwischen wissen wir, dass Stena für ein wenig mehr Geld den gleichen Weg neuerdings mit etwas komfortableren Schiffen fährt.

Mit diesem Pott setzen wir über nach Schweden.

Mit diesem Pott setzen wir über nach Schweden.

Während wir auf die offene Ostsee hinausschippern, klart es auf. Wir sonnen uns auf Deck. Während der sechseinhalbstündigen Überfahrt gibt es sonst nichts zu tun.

Chillen auf Deck. Ich vermisse meine Sonnenbrille.

Chillen auf Deck. Ich vermisse meine Sonnenbrille.

Good Bye, Rostock

Good Bye, Rostock

Während der Überfahrt brennt die Sonne. So kann’s bleiben!

Während der Überfahrt brennt die Sonne. So kann’s bleiben!

Bei der Hafeneinfahrt Trelleborg bekommen wir einen kleinen Vorgeschmack auf skandinavische Lichtstimmungen.

Bei der Hafeneinfahrt Trelleborg bekommen wir einen kleinen Vorgeschmack auf skandinavische Lichtstimmungen.

Bei der Hafeneinfahrt steht die Sonne bereits ziemlich tief, was alles in ein magisches Licht taucht. Es wird aber noch dauern, ehe es dunkel ist. Daher werden wir den Abend noch nutzen, um ein Camp vor Göteborg zu suchen. Das sind von hier noch 250 km; insgesamt wollen bis Tromsø aber 2.300 km gefahren werden. Also los.

Die ersten Kilometer schwedische Autobahn. Ein bisschen dunkler wird es noch, es bleibt aber immer ein wenig Restlicht.

Die ersten Kilometer schwedische Autobahn. Ein bisschen dunkler wird es noch, es bleibt aber immer ein wenig Restlicht.

Der recherchierte Platz bei Frillesås erweist sich als nicht so groß wie erwartet, liegt aber abseits von Häusern und im Wald. Wir nutzen also das erste Mal das Jedermannsrecht. Es ist jetzt halb zwei und es reicht für heute mit der Fahrerei. Schon hier ist es nachts nicht wirklich dunkel, es wirkt wie späte Dämmerung.

Am nächsten Morgen wird ausgeschlafen, schließlich wollen wir nicht im montäglichen Berufsverkehr durch Göteborg fahren. Die nächste Etappe führt uns lang und weit durch Schweden. Langsam wird sich die Landschaft verändern. Dies wird durch unseren Panorama-Fernseher namens Windschutzscheibe betrachtet. Wir werden Kilometer fressen.

Bulli in der Mitternachtssonne

Einfach nur ein geniales Bullibild aus Norwegen (bei Flakstad, Lofoten)

Einfach nur ein geniales Bullibild aus Norwegen (bei Flakstad, Lofoten)