Archive for the ‘Wandern’ Category

Planänderung

Pennplatzcollage
Eigentlich hatten wir ja vor, uns im Sommer 2016 ganz Bayern anzuschauen. Wir wollten dauernd auf Reisen sein und uns vielleicht auch ins nahe Ausland wagen.
Es ist jetzt nicht so, dass wir statisch im Womo sitzen und verharren. Wir waren schon unterwegs. Im Allgäu, in Augsburg, Regensburg, Kehlheim und dem Bayerischen Wald sind wir gewesen. Ausserdem hat die Gegend um die Hallertau als auch solche selbst einiges zu bieten.

Wandern im Allgäu

Wandern im Allgäu

Über den Wipfeln des Bayerischen Waldes

Über den Wipfeln des Bayerischen Waldes

Stadtszene Regensburg

Stadtszene Regensburg


Aber die ganz großen Fahrten blieben aus. Das hat sicherlich damit zu tun, dass unser Leben wahnsinnig an Geschwindigkeit verloren hat. Wir reisen inzwischen sehr langsam. Wenn wir am Tag zwei Stunden fahren, ist das viel und dementsprechend selten. Meistens fahren wir gar nicht. Wir haben inzwischen so unsere Plätze, wo wir auch mehrere Nächte in Folge stehen können, ohne dass das jemanden kratzt. Meist ist es uns sogar ausdrücklich erlaubt worden.
So leben wir häufig einfach in den Tag hinein, wandern viel. Abends brennt manchmal ein Lagerfeuer. Und gearbeitet werden will auch zwischendurch.
Wo bleiben eigentlich die Videos?
Wir filmen immer einmal wieder etwas. Aber irgendwie gibt es keine Geschichten dazu. Zwei Folgen haben wir schon direkt erst in die Kamera gesprochen und dann direkt in die Tonne gekloppt. Zu uninspiriert, langweilig, technische Probleme etc.
Wir arbeiten aber feste an der nächsten Folge, in der es um einen weiteren Faktor geht, der unser Leben gebremst hat. Wir machen Fortschritte und haben hoffentlich wieder bald etwas zum Schauen für euch.

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Madeira – Perle des Atlantiks

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Alles fing mit einem Missverständnis an. Wir hatten uns mit unseren Urlaubsanträgen nicht gut abgesprochen. Wollten wir ursprünglich Anfang Oktober Deutschlands Osten mit dem Bulli unsicher machen, rutschte der einzig mögliche Termin für gemeinsamen Urlaub tief in den November. Das ist uns zu ungemütlich zum Campen. Für diese Fehlplanung sollte ich mich später aber noch per Handschlag bei meiner Frau bedanken.

Anreise in Etappen

Anreise in Etappen

So machen wir uns am Morgen des 17. November 2013 auf zum Bahnhof. Wir werden über Düsseldorf und Lissabon nach Madeira fliegen. Das Klima dort soll mild sein, man soll gut wandern können und der Länderpunkt Portugal fehlt uns auch noch. Die Anreise ist bis zu dem Punkt unspektakulär, wo der Anflug auf den Aeroporto da Madeira beginnt. Die Landebahn ist recht kurz und durch die meernahe Lage und dem Gebirge im Norden herrscht eigentlich immer Seitenwind. Beim Landeanflug, zunächst vorbei am Flughafen und nach einer Schleife zur Landebahn, werden wir ganz schön durchgeschüttelt.

Der Aeroporto da Madeira steht auf Stelzen

Der Aeroporto da Madeira steht auf Stelzen. Es gibt auf der steilen Insel einfach keinen gescheiten Ort für einen Flughafen.

Am Schalter von Guerin Rent a Car möchte man uns übers Ohr hauen. Die Insel wäre sehr steil und für einen Diesel müssten wir nur €20 Aufpreis zahlen. Ich lehne ab und meine, es würde schon gehen. Darauf kommt nur „I’ll give you a diesel anyway…“. Es ist nämlich gar kein anderes Auto mehr da. Es handelt sich dabei um einen Peugeot 207. Jedes größere Auto ist auf der Insel auch fehl am Platze. Als wir den Mietwagen in Empfang nehmen, ist es bereits dunkel.

Auf der Inselautobahn fahren wir jetzt in Richtung Funchal, der Inselhauptstadt. Wir haben über Booking.com eine Woche in Phil’s Haven Hostel gebucht. Eine Entscheidung, die zwei Seiten hat, aber dazu später. Zum Glück sind auf der Buchung Koordinaten (Danke, [martin]). Das Navigieren mit Adresse ist mit der OSM-Karte, die wir auf dem Garmin haben, eine Katastrophe. Am Hostel angelangt werden wir sogleich aufs Herzlichste von Phil und Anna begrüßt. Ein erster Blick auf die anderen Gäste lässt uns zunächst vermuten, dass wir hier den Altersschnitt gewaltig heben. Aber ausser uns sind noch zwei ältere Damen aus Paris da, eine davon mit Wurzeln in Krakau. Und auch sonst werden wir in den nächsten Tagen sehr international zugehen: Österreicher, Chinesen, Belgier, Amerikaner und natürlich Portugiesen werden wir treffen. Im Hostel herrscht eine entspannte, fröhliche Atmosphäre, man fühlt sich gleich wohl. Die Sache hat für mich nur einen Nachteil: Ich bin das Geräuschlevel nicht gewohnt, das durch die Reisenden im Six Bed Dorm über unserem kleinen Doppelzimmer entsteht. Es braucht ein paar Nächte, bis ich im Hostel gut schlafen kann. Unterm Strich war es aber eine gute Entscheidung; wir haben viele interessante Kontakte gehabt.

Klischeefoto Madeira: Die Strelitz ist das Wahrzeichen der Insel

Klischeefoto Madeira: Die Strelitz ist das Wahrzeichen der Insel

Am nächsten Tag ist das Wetter prächtig. Zumindest hier in Funchal. Ein Blick in die Berge zeigt ein paar Wolken, aber nichts Dunkles, aus dem es regnen könnte. Wir verwenden den bewährten Rother Wanderführer, der mit GPS-Tracks kommt, die man sich beispielsweise aufs Garmin laden kann. Also machen wir uns zu einer Levada-Wanderung auf. Wir wollen heute zum Caldeirão Verde wandern. Schon beim Anwandern zum Levadaweg gehen wir durch wunderschöne, urwaldähnliche Gegenden. Allerdings fängt es hier auch zum ersten Mal an zu tröpfeln.

Was ist eigentlich eine Levada? Bereits kurz nach der Besiedlung Madeiras im 15.  Jahrhundert hat man erkannt, dass der riesige Wasserüberschuss im Norden der Insel dem sonnenverwöhnten Süden sehr gut tun könnte. Also fing man an, ein Bewässerungssystem aus offenen Kanälen ins Hochgebirge zu bauen. Mehrere hundert oder gar tausende Kilometer – je nach Quelle – sind so entstanden. Da die offenen Levadas gewartet werden müssen, gibt es an ihnen entlang ein Wegesystem, auf dem man sich mehr oder weniger gefahrlos durchs Hochgebirge bewegen kann. Mitunter geht man nur über eine Mauer in schwindelerregender Höhe. Die kitzligsten Stellen sind aber inzwischen mit Drahtseilen gesichert.

Typischer Levada-Wanderweg

Typischer Levada-Wanderweg

Den Levadas hat man sogar Brücken gebaut – und wir müssen da jetzt auch drüber

Den Levadas hat man sogar Brücken gebaut – und wir müssen da jetzt auch drüber

Wir wandern einige Kilometern durch großartige Landschaft. Immer wieder gibt es einen Regenschauer. Wir machen uns mit den Gegebenheiten und der Höhe vertraut. Als wir den Caldeirão Verde erreichen, ist es aufgeklart. Ein Schild zeigt den Berg hinauf, noch wirkt alles nicht so spektakulär. Aber als wir nach hundert Metern im Talkessel stehen, sind wir überwältigt. Ein riesiger Wasserfall ergießt sich in ein Becken. Durch die Enge des Talkessels wirkt alles noch monumentaler.

Hier geht es in den Talkessel

Hier geht es in den Talkessel

Caldeirão Verde

Caldeirão Verde

Das Becken, in das sich der Wasserfall ergießt

Das Becken, in das sich der Wasserfall ergießt

Auf dem Rückweg werden wir dann richtig nass. Wir müssen den selben Weg wieder zurück. Aber der kräftige Dauerregen jetzt hat den lehmig-felsigen Weg nicht eben einfacher gemacht. Aber ein Anfang ist gemacht, das war schon einmal eine beeindruckende Wanderung.

Am dritten Tag wollen wir wieder wandern. Am liebsten wäre ich wieder in die Berge des Pico Ruivo Zentralmassivs gefahren. Da ballen sich aber dicke Wolken. Wir wollen möglichst nicht schon wieder nass werden und planen um. Im äussersten Osten der Insel gibt es die Halbinsel São Lourenço mit einer schmalen Landbrücke und tollen Felsformationen. Am Parkplatz ist ganz schön was los. Wir reihen uns in den Strom der Wanderer ein und gehen los. Nach einigen hundert Metern biegen wir vom Hauptweg ab. Links von uns erhebt sich eine Bergspitze. Da liegt ein Cache (GC44RQE). Wir kraxeln hinauf und sind von der Aussicht schier überwältigt.

Felstürme an der Nordküste der Halbinsel São Lourenço

Felstürme an der Nordküste der Halbinsel São Lourenço

Gesteinsformation auf der Halbinsel São Lourenço

Gesteinsformation auf der Halbinsel São Lourenço

An der Landbrücke, die die Halbinsel mit der Hauptinsel verbindet, bekommen wir das Mikroklima wieder zu spüren. Der Wind frischt auf, Wolken ziehen heran. Die Regenbekleidung wird aus dem Rucksack geholt und angelegt. Ausgestattet mit Jacken, Hut und Regenhaube für den Rucksack wandern wir über einen Grat direkt vor uns. Auf der anderen Seite genießen einige Touristen den Ausblick. Sie wundern sich sichtlich über unseren Aufzug. Hinter dem Grat ist von den Wolken nichts mehr zu sehen. Die Sonne scheint sogar. Wir wandern weiter bis zum Pico do Furado, wo der Weg an einem Aussichtspunkt endet. Irgendwie macht mir das Schlafdefizit zu schaffen. Ich bewältige diese moderate Strecke nur mit Mühe.

Am nächsten Tag wollen wir die Füße ein bisschen schonen und uns Funchal anschauen. Vom Hostel aus sind es drei, vier Kilometer bis ins Zentrum. Funchal ist eine geschäftige, dabei aber äusserst entspannte Stadt. Es gibt viele Parks und alte Bausubstanz. Selbst verlassene Häuser fallen nicht so schnell zusammen. Das Klima. Heute sind in den Bergen wieder dicke Wolken zu sehen. Hier in der Stadt ist es sonnig bei 22 Grad. Es hat immer ein bisschen den Anschein, als würde es gleich regnen, die Wolken bleiben aber in den Bergen. Wir schlendern durch die Gassen, sammeln Eindrücke, zwei Multis (GC3D4F9 und GC37E1T) und ein paar Tradis ein.

Stadtansichen Funchal

Stadtansichen Funchal

Schicke Lost-Stadtvilla in Funchal

Schicke Lost-Stadtvilla in Funchal

Jardim Muncipal im Zentrum von Funchal

Jardim Muncipal im Zentrum von Funchal

Am Stadtpark von Funchal

Rua de Dom Carlos I

A artE de pORtas abERtas na rua de Santa Maria

A artE de pORtas abERtas na rua de Santa Maria

Am fünften Tag sieht das Wetter in den Bergen endlich freundlich aus. Wir wollen das Highlight der Reise machen: Eine Wanderung zum Caldeirão do Inferno mit vorherigem knackigen Anstieg und zweimaliger Durchquerung eines zweieinhalb Kilometer langen Levadatunnels. Los geht es an einem Elektrizitätswerk. Die Anfahrt war schon nicht ohne; der Wanderführer empfiehlt dazu Allrad. Aber der Peugeot macht das auch. Vom Parkpunkt aus muss jetzt erst einmal ein 300-Meter-Anstieg zum eigentlichen Levadaweg absolviert werden. Wir haben Trekkingstöcke immer für überflüssig gehalten. Jetzt sind wir froh, dass wir uns welche geliehen haben. Steil geht es die Serpentinen bergauf. Wir kommen an den angeblich ältesten Bäumen Madeiras vorbei. Die Wurzeln des Stinklorbeers sollen noch aus der Zeit der Besiedelung stammen.

Schon vor dem langen Tunnel müssen einige kürzere Exemplare durchquert werden. Das kennen wir schon von gestern. Da es in den Tunneln tüchtig tropft, hat man die ganze Zeit die Regenjacke an.

Wasserfälle überall

Wasserfälle überall

Typische Tunneldurchquerung mit Levada

Typische Tunneldurchquerung mit Levada

Am Eingang zum Tunnel der Levada do Pico Ruivo

Am Eingang zum Tunnel der Levada do Pico Ruivo

Vor dem Einstieg in den Tunnel

Vor dem Einstieg in den Tunnel

Geniale Aussichten

Geniale Aussichten

Mitten im Tunnel liegt ein Cache (GC1EFF5). Den wollen wir natürlich loggen. Zuerst laufen wir daran vorbei, aber im zweiten Anlauf klappt es. Die gut zweieinhalb Kilometer sind ganz schön anstrengend. Das Geröll und die maroden Schienen der alten Lorenbahn machen das Fortkommen nicht gerade einfach. Es gibt auch niedrige Stellen und ich haue mir mehrfach den Kopf an. Der @geohamelenser meinte dazu nur: „Wer sich da nicht den Kopf einmal angehauen hat, der war nicht wirklich drin.“

Die Levada, die Felsbrocken, die Gleise. Bin schon bequemer gewandert.

Die Levada, die Felsbrocken, die Gleise. Bin schon bequemer gewandert.

In der Mitte

In der Mitte

Als wir aus dem Tunnel raus sind, erst einmal leichte Verwirrung. Welchen Weg nehmen? Das GPS ist hier nutzlos. Zwischen den hohen Felswänden findet es keinen Fix. Die Lösung: Kurz vorm Ende des Tunnels muss man durch ein Felsloch abbiegen.

Auf dem letzten Stück zur Schlucht gibt es einen Tunnel mit Zwangsdusche. Danach folgt ein unwirklicher kleiner Talkessel. Von überall hört man das Wasser rauschen. Dann stehen wir drin. Der Caldeirão do Inferno! Der ist zwar nicht so eng wie der Caldeirão Verde, dafür aber doppelt so hoch. Ich hatte daraufhin getwittert: „Kann man nicht erklären, muss man sehen.“ Das fasst es ganz gut zusammen, denke ich.

Diese Wanderung gehört zu den schönsten, die wir je gemacht haben.

Hier wird man nass – ob man will oder nicht

Hier wird man nass – ob man will oder nicht

Blick aus dem Tunnel

Blick aus einem Tunnel

In den kleinen vorgelagerten Talkessel fließt von überall Wasser hinein.

In den kleinen vorgelagerten Talkessel fließt von überall Wasser hinein.

Caldeirão Do Inferno

Caldeirão Do Inferno

Es zieht sich zu, Zeit für den Abstieg

Es zieht sich zu, Zeit für den Abstieg

So gefährlich ist es nun auch wieder nicht

So gefährlich ist es nun auch wieder nicht

Am folgenden Tag ist das Wetter in Funchal prächtig. Um die Berge haben sich weisse Wolken gelegt. Mit ein bisschen Glück sollte die Paul da Serra, eine Hochebene, über eben jenen Wolken sein. Dort gibt es eine Letterbox an einem kleinen Lost Place und einer der höchsten Berge der Insel. Also fahren wir hin. Die erste Straße, die wir versuchen, ist gesperrt. Mit ein bisschen Glück finden wir einen anderen Weg hinauf. Als wir durch die Wolkendecke stoßen, breitet sich vor uns eine komplett andere Landschaft aus.

Santo da Serra

Paul da Serra

Nachdem wir die Letterbox (GC46Q4F) mit schöner Geschichte in einem verlassenen Bauernhof geloggt haben, machen wir uns auf zum Pico Ruivo Do Paúl von dort hat man einen schönen Blick auf das Zentralmassiv. Da sind wir gestern unten drunter durch gegangen.

Zentralmassiv mit Pico Ruivo

Zentralmassiv mit Pico Ruivo

Der Weg zurück führt uns durch einen verwunschenen Wald, wieder ganz andere Landschaft.

Märchenwald – mit Levada

Märchenwald – mit Levada

Den Rückweg fahren wir über die Nordküste. Auch hier bieten sich großartige Ausblicke auf schroffe, aufregende Landschaft. In São Jorge müssen wir tanken. Wir fragen den Tankwart, wo man hier gut und traditionell essen kann. Er weist uns den Weg zur Kirche. Dahinter befindet sich das Casa De Palha. Wir bestellen Carne de Vinho e Alhos (Schweinefleischstücke gewürzt mit Knoblauch, Wein und Lorbeerblättern) und bekommen Kraut und Süßkartoffeln dazu gereicht. Genial!

Großartiges Abendessen!

Großartiges Abendessen!

Abends gehen wir noch runter nach Funchal. An einer Bar legt ein DJ unter freiem Himmel auf. Es ist angenehm warm, wir sitzen draußen und freuen uns, dass der 23. November ist.

Am nächsten Morgen hat sich ein U-Boot der portugiesischen Flotte vor unser Frühstücksfenster verirrt. Später sehen wir, dass es von einem Lotsenboot abgeholt wird.

Frühstück mit U-Boot

Frühstück mit U-Boot

Heute lassen wir es wieder ruhig angehen. Einige Ecken von Funchal haben wir noch nicht gesehen und in der Markthalle waren wir auch noch nicht. Ausserdem droht von Norden wieder Regen. In der Bucht von Funchal ist es aber mehr als angenehm, sonnig und trocken.

Markthalle Funchal

Markthalle Funchal

Fischmarkt Funchal

Fischmarkt Funchal

Sissy!

Sissy!

Diese Burschen gibt es hier überall

Diese Burschen gibt es hier überall

Touri-Flotte

Touri-Flotte

Abends suchen wir uns ein Restaurant. Das, was uns das Web empfiehlt, hat leider ausgerechnet heute geschlossen. Nach einiger Suche in ein paar Nebengassen werden wir fündig. Hier ist es ein bisschen touristischer, trotzdem ist wenig los, der Preis OK und das Essen lecker. Wir wollen das berühmte Filete de Espada (Filet vom schwarzen Degenfisch) probieren. Wieder gibt es Süßkartoffeln dazu. Unverarbeitet haben wir die Fische heute auf dem Fischmarkt schon gesehen. Dieses hässliche Vieh ist aber wirklich lecker!

Degenfisch – sieht fies aus, ist aber lecker!

Degenfisch – sieht fies aus, ist aber lecker!

Den letzten Tag auf der Insel wollen wir noch nutzen. Unser Flug nach Lissabon geht erst um Mitternacht. Im Hostel haben wir Mona kennen gelernt. Wir haben uns ein bisschen angefreundet und beschließen heute zusammen eine kleine Runde zu wandern. Unser Ziel ist Fanal, ein uralter Lorbeerwald auf 1130 Metern Höhe. Als wir dort ankommen, nieselt es. Wir brechen trotzdem auf. Die Wolken hängen immer tiefer und tauchen die alten Riesen in dichten Nebel. Wenn wir heute über die Wanderung sprechen, nennen wir die Gegend „Nebelwald“. Wir gehen noch zu dem kleinen See Lagoa. Aus dem Nieselregen ist ein ausgewachsener Guss geworden. Als wir am Auto ankommen, sind alle pitschnass. Wir fahren wieder runter zur Südküste nach Ponta do Sol. Da scheint tatsächlich die Sonne und wir trocknen unsere Klamotten auf einem Parkplatz. In einer Strandbar bei Ribeira Brava lassen wir den Nachmittag ausklingen.

Im Nebelwald

Im Nebelwald

Hier hat vor kurzem ein Waldbrand gewütet

Hier hat vor kurzem ein Waldbrand gewütet

Im Nebelwald sind wir ziemlich nass geworden

Im Nebelwald sind wir ziemlich nass geworden

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Ein letzter Blick auf den Atlantik in Ribeira Brava

Es ist ein ruhiger Nachtflug nach Lissabon. Gegen zwei Uhr sind wir da. Unser Anschluss nach Düsseldorf geht um Sieben. Also hauen wir uns in einer Wartezone hin und versuchen ein wenig zu schlafen. Eine Nacht am Flughafen wollte ich immer schon einmal verbringen.

Madeira wird nicht umsonst die Perle des Atlantiks genannt. In den paar Tagen hier haben wir so viele tolle Eindrücke gesammelt und noch längst nicht alles gesehen. Fazit: Wir kommen wieder!

Zweieinhalb Etappen Eifelsteig

eifelsteig_title Pünktlich zum ersten Frost machen wir uns auf in die legendär kalte Eifel. Die Wetterprognose für die nächsten Tage ist so lala, aber es wird schon gehen. Wir haben uns vorgenommen, drei wunderbare Wandercaches (GC24AJZGC24AW0 und GC24AW5 | Update: leider archiviert) anzugehen, die teilweise auf, aber entgegengesetzt zum Eifelsteig verlaufen. Jeder wird einen Tag beanspruchen. Wir können aus sechs Urlaubstagen also die drei mit dem besten Wetter auswählen. Was uns ein wenig zu schaffen macht, ist der Einbruch der Dunkelheit bereits am späten Nachmittag. Wir werden früh aufbrechen müssen. Sehr früh. Bei diesen Temperaturen ist definitiv ein Campingplatz vonnöten. Eine heisse Dusche und Strom für längeren Betrieb der Standheizung muss schon sein. Wir wählen die Schafbachmühle, ein hübscher naturnaher Platz im Schafbachtal.  Es ist wenig los und wir haben eine große Parzelle ganz für uns allein. Da es auch immer wieder einmal regnen soll, bauen wir das Busvorzelt auf.

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Es dämmert bei Einruhr

Über den Riffelsbach bei Hammer

Über den Riffelsbach bei Hammer

Etappe 1 (GC24AJZ) Es ist noch stockduster als uns das Rauschen der Dieselstandheizung auf Stufe „Power“ weckt. Nach Kaffee und schnellem Frühstück brechen wir auf nach Einruhr. Über hart gefrorenem Matsch haben wir den ersten Aufstieg hinter uns, als die Sonne über die Eifelhügel steigt. Wir wandern in entgegengesetzter Richtung auf Eifelsteig Etappe 3. Trotzdem begegnet uns niemand. Die Wanderung ist herrlich, die Luft frisch und die Wälder still. Unterwegs bekommen wir ein paar Schneegrieselschauer ab. Der Cache ist so gehalten, dass die Aufgaben unterwegs gut im Vorbeigehen zu lösen sind und man sich ganz auf die Strecke konzentrieren kann. Nach ein paar ordentlichen Aufstiegen und einem guten Stück entlang der Rur erreichen wir Höfen. Vorher haben wir noch das Final geborgen; unterwegs gab es auch ein paar schöne Tradis. Mit knapp 20 km soll dies die kürzeste der drei Etappen gewesen sein. Am darauf folgenden Tag machen wir einen Abstecher in die belgischen Ardennen. Das Wetter ist feucht geworden. Morgen soll es aber wieder sonnig sein, besser zum Wandern. In der Gegend liegt GC40, der älteste Geocache auf dem europäischen Festland. Der will natürlich besucht sein.

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Der erste Geocache auf dem europäischen Festland

Nicht weit von dort gibt es ein unglaubliches Bauwerk. War das Château Noisy noch vor einigen Jahren ein gut besuchter Lost Place, halten uns jüngere Berichte, neue Zäune und die Schilder die jemanden zeigen, der ein Gewehr im Anschlag hält, von einem direkten Besuch ab. So bleibt uns nur der Blick auf den Uhrenturm von einem Vorort von Celles aus.

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Leider nur von Weitem – Château Noisy

Etappe 2 (GC24AW0) Heute soll die Sonne scheinen. In der Morgendämmerung, in der wir bei Höfen aufbrechen, ist es aber noch ziemlich diesig und die Feuchtigkeit von gestern hängt in der Luft. So wandern wir über Wiesen an großen Windkraftanlagen vorbei. Nach einiger Zeit erreichen wir eine Kreuzung. Hier führt ein Weg über eine Brücke, ein anderer nach links am Bach entlang. Wir biegen links ab. Hier habe ich im Vorfeld bei der Wegführung gepatzt. Zwar wandern wir jetzt an interessanten Bunkerruinen des ehemaligen Westwalls entlang, werden aber später 2 Kilometer entlang der Bundesstraße gehen müssen. Die Verbindung zweier Wege auf meiner geplanten Route gibt es schlicht nicht. Wir sind zwar nur 300 Meter vom richtigen Weg entfernt, dazwischen liegt aber ein sumpfiges Tal mit Bach und allerlei Tümpeln. Ausserdem ist dies Naturschutzgebiet, da verbietet sich das Verlassen der Wege von allein.

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Bonker

Nachdem wir wieder auf der geplanten Strecke sind, glücklicherweise lag keine Station des Caches dazwischen, finden wir ausgedehnte Wälder mit schmalen, steinigen Pfaden vor. Es geht jetzt entlang der deutsch-belgischen Grenze durch das Tal der Olef. Dies ist ein wunderschöner Weg, der zu unseren Favoriten auf der gesamten Runde zählt. Schon bald erreichen wir die Oleftalsperre. Die Sonne scheint tatsächlich, allerdings sind wir auf der falschen Seite im kühlen Schatten unterwegs. Neidisch blicken wir auf den sonnenbeschienenen Nordweg.

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Oleftalsperre – wir waren links im Schatten unterwegs

An der Staumauer ist ausser uns niemand. Dabei ist perfektes Herbstwetter, aber niemand hat sich hierher verirrt. Als nächstes folgt ein kleiner Aufstieg zum Wildfreigehege Hellenthal. Als wir schon parallel zum Zaun laufen brettert ein Lieferwagen heran. Wir trauen unseren Augen kaum: Auf der Lehne der Rücksitzbank krallt sich ein Mönchsgeier fest; wippend mit dem ganzen Körper das Geschaukele auf dem Feldweg ausgleichend. Morgen soll es regnen. Dann wollen wir uns auf jeden Fall die Tiere im Park anschauen. Heute wandern wir vorbei und erreichen nach einiger Zeit Schleiden, nicht ohne vorher das Final des zweiten Teils der Cachetrilogie geborgen zu haben. Diese Etappe verlief zum Großteil nicht auf dem Eifelsteig und ist für das „Einhalb“ im Titel verantwortlich. Knapp 30 Kilometer waren wir heute unterwegs.

Whisky ist ein Mönchsgeier

Whisky ist ein Mönchsgeier

Am darauf folgenden Tag regnet es tatsächlich, es wird sogar vor markantem Wetter gewarnt. So beschließen wir zwei Sehenswürdigkeiten in der Nähe zu besuchen. Zum einen das Wildfreigehege vom Vortag und auch die „Ordensburg“ Vogelsang, über die wir bisher noch nicht viel wissen. Zum Tierpark gehört eine Greifvogelstation und wir haben Glück, dass in einer Regenpause eine Flugshow stattfinden kann. Die fällt bei allzu schlechtem Wetter nämlich aus. Neben allerlei Greifvögeln treffen wir hier auch den Mönchsgeier namens Whisky wieder, der nach einigen Tricks einen ausgedehnten Freiflug über die Oleftalsperre genießt. Der Weg zwischen und durch die zahlreichen und ausgedehnten Gehege wird durch heftiger und durchdringender werdendem Regen begleitet.

Hirsch zum Anfassen nah

Hirsch zum Anfassen nah

Am frühen Nachmittag machen wir uns zum nicht weit entfernten Vogelsang auf. Das Besucherzentrum ist im belgischen Truppenkino aus den Fünfzigern mit dem entsprechender Architektur untergebracht. Wir machen die Führung mit und lassen uns die Bedeutung dieses Ortes im Nationalsozialismus erklären. Nebenbei ist es eine nette und legale Lost Place Tour.

Überreste der belgischen Armee auf Vogelsang

Überreste der belgischen Armee auf Vogelsang

Großküche der belgischen Armee auf Vogelsang

Großküche der belgischen Armee auf Vogelsang

Hier haben die „Junker“ gehockt und sich als Herrenmeschen gefühlt

Erhaltene historische Nazikneipe: Hier haben die „Junker“ gehockt und sich als „Herrenmenschen“ gefühlt

„Hierr mösste man mehrr mit Säulen machen!“ Die Säulen im Eingangsportal wurden von Hitler persönlich verfügt. Den Erbauern waren sie so peinlich, dass sie auf späteren Abbildungen nie abgebildet wurden.

„Hierr mössen Säulen hin!“ Die Säulen im Eingangsportal wurden von Hitler persönlich verfügt.
Selbst dem Nazi-Architekten war dieser Stilbruch so peinlich, dass sie auf späteren Abbildungen nie gezeigt wurden.

Auf dem Weg zurück zum Parkplatz beginnt ein heftiges Unwetter mit Hagel und Sturm. Wir sind froh, jetzt nicht auf dem Eifelsteig unterwegs zu sein. Etappe 3 (GC24AW5) Wieder ist es noch dunkel als wir in der Nähe von Schleiden zur finalen Etappe aufbrechen. Es geht wieder entgegengesetzt den Eifelsteig entlang, dieses Mal die offizielle Etappe 4. Heute ist es zwar windig aber wenigstens trocken. Sogar die Sonne lässt sich ab und zu einmal blicken. Wieder wandern wir einsame Wege, nur selten begegnen wir jemandem. Vogelsang erreichen wir noch vor Öffnung des Museums und umwandern die „Burg“ und haben so noch einmal ganz andere Perspektiven auf dieses spezielle Areal.

Wollseifen kommt in Sicht

Wollseifen kommt in Sicht

Einen Ab- und Wiederaufstieg später sind wir bei dem Höhepunkt dieses Tages angelangt. Wir sind in Wollseifen, dem Dorf das dem Truppenübungsplatz weichen musste. Nur die Kirche und ein altes Transformatorhäuschen sind noch übrig. Drumherum hat man ein Kampfdorf gebaut. Einfache Bauten ohne Fenster, in denen der Häuserkampf geübt wurde. Zuletzt wohl auch für Einsätze im Kosovo. Graffitis, die das serbische Kreuz und andere Symbole zeigen, kennen wir schon von unserer Balkantour. Die Atmosphäre ist beklemmend. Wir sind wieder einmal völlig allein in dieser Kulisse. In Wollseifen gibt es auch einen Cache, den wir angehen, nachdem wir uns ein wenig umgeschaut haben.

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In Wollseifen

Vogelsang, von Wollseifen aus gesehen

Vogelsang, von Wollseifen aus gesehen

Nun geht es abwärts zur Staumauer der Urfttalsperre. Hier kommen uns jetzt einige kleine Wandergruppen entgegen. An der Staumauer ist sogar ein bisschen etwas los und die Gastronomie hat geöffnet.

Blick auf die Urfttalsperrmauer

Blick auf die Urfttalsperrmauer

Wir suchen „Kleine Umwege, die sich lohnen“, einen Cache der inzwischen archiviert wurde. Der Umweg hat sich trotzdem gelohnt, denn hier gibt es die beste Aussicht. Nun wandern wir den Wildnistrail entlang des Urftsees, der weiter westlich mit dem Rursee verbunden ist. Entlang des Obersees der Rurtalsperre erreichen wir bei Sonnenschein den Ausgangspunkt unserer Wanderung und sind wieder in Einruhr. Gerade als wir die Rucksäcke unter dem schützenden Dach der Bushaltestelle absetzen, fallen die ersten Tropfen. Es wird den Rest des Abends und auch am nächsten Tag durchdringend regnen. Somit fällt uns der Abschied aus der Nordeifel am nächsten Morgen nicht so schwer. Wir nehmen nur die besten Erinnerungen und Eindrücke mit. Und ein nasses Vorzelt.

„Schön Willkommen in Bulgarien“

Heute machen wir einen Tagesausflug nach Bulgarien. Natürlich nicht ohne den obligatorischen Länderpunkt zu holen. In Grenznähe liegen zwei Tradis. Einer, der den sicheren Punkt verspricht (GC14RKG) und einer, der eine nette Kraxelei verheisst (GC10G6E).

Man heisst uns „Schön Willkommen in Bulgarien“

Eine Serpentinenstraße windet sich in östliche Richtung vom Hochplateau in Richtung Grenze herunter. Mitten in der Pampa kommen uns plötzlich Fußgänger mit Einkaufstüten auf der Landstraße entgegen. Die Gegend ist bergig und der nächste Ort kilometerweit entfernt. Zudem ist es noch recht früh am Tage und die Leute scheinen auf dem Rückweg zu sein.

Ein Stück weiter erreichen wir Klisura, ein größeres Dorf. Hier ist Markt und jede Menge los. Man kann nahezu alles kaufen, von Lebensmitteln über Bekleidung. Aber auch Jagd- und Angelbedarf sind im Angebot, einige Militaria sind zu sehen. Mit Töpfen, Pfannen und Geschirr kann man sich hier auch ausstatten. Offensichtlich fallen wir auf, die Köpfe fliegen herum als wir vorbeifahren. Einige Passanten sehen uns noch lange nach. Westeuropäer verirren sich offensichtlich höchst selten in die Gegend.

Wir erreichen die Grenze. Ein klitzekleiner Grenzposten fertigt hier den lokalen Grenzverkehr ab. Man kennt sich offenbar. Die Serben lassen uns schnell durch. Die bulgarische Grenzbeamtin will wissen, wo wir denn hinwollen. Nur ein kleiner Ausflug ins Land, antworten wir. Sie lässt uns passieren und wir verabschieden uns mit „See you in the evening!“. Dem Zollbeamten reicht auf Nachfrage, ob wir etwas zu verzollen haben, ein einfaches „No“. Es gibt aber noch eine dritte Person, die am Grenzposten arbeitet. Der Typ, der die Vignetten verkauft. In Bulgarien sind nahezu alle Straßen mautpflichtig. Wir wollen nur ein paar Landstraßen fahren, die das aber auch betrifft. Also kaufen wir eine Wochenvignette für fünf Euro. Kleiner haben sie es nicht.

Die Straße, die wir fahren, ist unglaublich schlecht. Tiefe Schlaglöcher und ständig wechselnder Belag lässt eine zügige Fahrweise nicht zu. Weiter im Land soll es weit bessere Strecken geben, aber hier ist es wirklich schlimm. So geht es rumpelnderweise zum ersten Cache, einem D/T1.5.

Vor Ort machen wir uns an die Suche. Der Hang, an dem der Cache liegt, wird von der gleißenden Sonne beschienen. Es ist schon jetzt ziemlich heiss. Der Hint passt auf so nahezu alle Objekte in der Nähe. Wir suchen, finden aber nichts. Die Koordinaten zeigen 30 Meter den Hang hinauf. Es ist steil, felsig und sieht so gar nicht nach T1.5 aus. Irgendwann reicht es mir. Ich ziehe mein T-Shirt aus, um es nicht noch weiter durchzuschwitzen und klettere rauf. Es kostet etwas Mühe, den Nullpunkt zu erreichen. Aber die Koordinaten stimmen. Nur eben die T-Wertung nicht. Hoch über der Straße, zwischen Felsen und Büschen finde ich den Cache. Jetzt bloß nicht abrutschen! Ich logge und mache mich auf den Rückweg. Der Länderpunkt ist im Sack!

Der Weg zur Schlucht

Nun die Kür. Die Schlucht am Erma Fluss ist sogar ausgeschildert und scheint eine Touristenattraktion zu sein. Als wir dort ankommen, ist ausser uns aber niemand dort. Auf der OSM-Karte führt ein Weg direkt zum Cache. Luftlinie keine 500 Meter. Laut Fußgängernavigation sind bis zu den Koordinaten weniger als 1000 Meter zu gehen. Der zunächst steile aber breite Wanderweg führt durch einen ca. 150 Meter langen Tunnel. Später sehen wir, dass hier auch Autos durchfahren. In der Mitte haben es sich zwei Kühe im Schatten bequem gemacht. Wir gewöhnen unsere Augen an die Dunkelheit und gehen ohne Lampen an ihnen vorbei. Bei genauem Hinschauen erweist sich eines der beiden Tiere als ein junger Bulle.

Wir erreichen den Einstieg zum Pfad, der zunächst sehr steil zum Fluss herunter führt. Es gibt Tritte aus Brettern und Baumstämmen, die vor jeder Belastung geprüft werden wollen. Einige sind ziemlich morsch. Unten angelangt donnert die Erma an uns vorbei. Eine wackelige Holzbrücke führt über die Schlucht. Es schwingt ganz schön beim Überqueren, es bieten sich aber tolle Ausblicke.

Die Brücke über die Erma Gonge

Ein Ausblick von der Brücke

Auf der Brücke

Der Weg hoch in die Klippen beginnt bei einer grob gezimmerten, leiterartigen Aufstiegshilfe. Dahinter windet sich ein schmaler Pfad in Serpentinen immer höher zum höchsten Punkt der Schlucht. Ein Blick auf das GPS zeigt einen geraden Weg, vor uns liegt aber eine steile Zickzack-Strecke. Der Track, aus dem der Weg auf der Karte entstanden sein muss, ist wohl bei der Bearbeitung etwas gerundet worden und verschweigt die ganzen Serpentinen. Da unsere Bulgarienkarte nicht über Höhenlinien verfügt, ist uns die Diskrepanz vorher auch nicht aufgefallen.

Die Aufstiegshilfe

An den steilen Felswänden in der Schlucht ist der GPS-Empfang hundsmiserabel. Ich starte das Oregon mehrfach neu, weil sich das Empfangsteil aufgehängt hat. Als die Entfernung zu den Koordinaten laut Gerät noch 8 Meter betragen, beginnen wir zu suchen. Hier wäre ein Spoilerfoto nett gewesen. Das gibt es zwar, wir haben es aber nicht dabei. Bis auf 3 Meter kommen wir an den Ground Zero heran, drehen Steine und schauen in Felsspalten. Wir finden nichts.

Die Landschaft ist der Hammer

Die Route auf unserer Karte führt über den Kamm und auf der anderen Seite wieder herunter. Wir sind dem höchsten Punkt schon sehr nahe, aber es wird immer steiler und der Pfad ist kaum noch als solcher zu erkennen. Ein paar mal haben wir schon den Weg verloren. Und wir wissen nicht, wie es auf der anderen Seite aussieht. Und da ist ja noch der Cache, vielleicht findet man auf dem Rückweg noch etwas. Also kraxeln wir das Ganze wieder runter. Teils auf allen Vieren oder auf dem Hosenboden rutschen wir talwärts. Am nächsten Tag werden wir Muskelkater haben, weil wir in ungewohnten Posen an Bäumen heruntergehangelt sind.

Zwischen diesen beiden Felsen verläuft der Pfad

Erfolglos erreichen wir wieder die Brücke. Aber schön war es schon. Und jetzt haben wir noch einmal die schöne Aussicht auf den Fluss.

Landstraße in Bulgarien

Zurück am Schlagbaum stehen die bulgarische Grenzerin und der Zollbeamte immer noch auf Posten. Sie schauen etwas ungläubig und winken uns durch. Beim Durchfahren grinst der Zöller: „You are crazy!“

Die serbische Grenzpolizei will es wieder ganz genau wissen.

Storchennest, irgendwo unterwegs gesichtet

„Woher? Wohin? Warum?“ „Aus Bulgarien. An den Vlasinasee. Weil da noch unsere Campingmöbel stehen.“ Die Papiere werden wieder einmal lange kontrolliert, schließlich lässt man uns durch.

In einem Dorf versuchen wir unseren Bestand an serbischen Dinar aufzustocken. Meist kann man hier zwar mit Euro zahlen, aber schon ein Zwanziger überfordert häufig die Wechselgeldkasse. Ein längliches Gebäude bildet eine Einheit aus Kneipe und Post (Pošta, Пошта). Als wir auf den Eingang der Post zusteuern, erhebt sich einer der Kneipengäste vom Bier und stellt sich hinter den Tresen. Eine unbehandelte Syphilis hat vor längerer Zeit offenbar an seiner Nase genagt. Wir zeigen ihm Kredit- und EC-Karte und reiben zwei Finger aneinander. Er versteht sofort, kann uns aber nicht helfen. Kein Bargeld also. Wir haben jetzt noch 700 Dinar in der Tasche, das sind etwas mehr als sechs Euro. Und wir müssen den Campingplatz noch bezahlen. Um einen Geldautomaten zu erreichen müssten wir wieder runter vom Hochplateau in die nächst größere Stadt.

Als wir beim Abendessen sitzen, beobachten wir den Platzwart, wie er unsere Nachbarn besucht. Es ist ein freundliches älteres Ehepaar in einem Wohnmobil mit serbischem Kennzeichen. Die drei sitzen zusammen und offensichtlich kassiert er die Miete. Nach einiger Zeit sind auch wir an der Reihe. Wir können uns gut auf Englisch verständigen, aber er bittet uns häufiger langsamer zu sprechen.

Wir haben in der Zeit hier nicht herausbekommen, was der Platz denn jetzt tatsächlich pro Nacht kostet. Jetzt erfahren wir es. 350 Dinar sollen es sein. Macht also 700 Dinar für zwei Nächte. Prächtig! Allerdings hätten wir bei einem höheren Preis auch gefeilscht, schließlich gab es einen Hauptvorteil von Campingplätzen nicht. Brauchbare Toiletten und Duschen nämlich.

Eine Frage haben wir dann doch noch an ihn. Im Dorf hingen überall Plakate mit Blasinstrumenten drauf. Das kyrillische Wort für Vlasina und das Datum konnten wir auch lesen. Da stand 5./6./7./8. VII. Und der fünfte ist heute! Wo soll denn das Blechblasfestival steigen? Wir hatten schon Bilder von Guča im Kopf. Da stand neben „Vlasina“ aber wohl noch ein anderer Name. Die ersten beiden Abende findet das kleine Festival in einem Dorf am anderen Ende des Sees statt. Und da müsse er jetzt auch hin, meint er, steigt in seinen roten Yugo und rumpelt davon.

Wir folgen unserer Policy, auf dem Balkan nicht bei Dunkelheit zu fahren. Daher findet das Ganze ohne uns statt.

Am nächsten Tag geht es deutlich weiter nach Süden. Wir überqueren die Grenze zu Mazedonien und es wird heiß, heiß, heiß.

Gipfelstürmer

Morgens, gegen unsere Gewohnheit schon vor 7 Uhr, nehmen wir ein kurzes Frühstück ein und machen uns auf den Weg zum Gipfel Šiljak. Noch ist die Sonne nicht vollständig aufgegangen und es ist angenehm kühl. Der Weg zum eigentlichen Parkplatz des Caches auf dem Gipfel ist steinig aber nicht allzu steil. Wir wandern die Strecke  von 5 km in etwas mehr als einer Stunde.

Wegweiser

Am Wegpunkt angelangt finden wir tatsächlich noch eine kleine Siedlung. Bei einem der Häuser wird am Zaun gearbeitet. Nach kurzer Suche finden wir den richtigen Einstieg zum Aufstieg. Ab hier kann definitiv nicht mehr mit dem Auto gefahren werden. Der Weg ist gut mit roten Wegzeichen markiert, hier und da findet sich sogar ein Wegweiser. Frische Fußspuren im Sand zeigen uns, dass wir beim Aufstieg nicht ganz alleine sind. So hatte es bisher den Anschein. Ausser den beiden Arbeitern beim Haus hatten wir keine Menschenseele gesehen. Nach einer steinigen Passage mit etwas Buschwerk folgen nun Serpentinen, die sich hinauf zum Gipfel winden.

Auf dem Weg zum Gipfel

Prächtige Schmetterlinge gibt es hier

Die Landschaft ist herrlich. Es weht ein angenehmer Wind und die Bergwiesen duften. Wir sehen viele, sehr viele, Schmetterlinge. Sie kommen hier in zahlreichen Arten vor, darunter auch überaus prächtige. Auf dem Rtanj-Massiv wächst eine Art des Winterbohnenkrautes, die als Heilpflanze, vor allem aber als Aphrodisiakum bekannt ist. Der Rtanj-Tee wird auch fertig verkauft, obwohl die Pflanze hier inzwischen bedroht und daher geschützt ist. In den Hängen sehen wir einen älteren Mann kraxeln, der mit Plastikbeuteln bewaffnet offensichtlich etwas sammelt. Wir tippen auf genau diesen Tee.

Gräser am Wegesrand

Der Bewuchs schwindet und damit auch der Schatten. Die Sonne steht schon etwas höher aber der Wind kühlt angenehm. Weiter oben nehmen wir eine dreiköpfige Wandergruppe wahr. In Deutschland hätte man jetzt um den FTF bangen müssen. Aber der Cache, den wir finden wollen, liegt schon fast ein Jahr ungefunden herum. Im März hat es einmal jemand versucht, ist aber am Schnee gescheitert. Jetzt fällt mir siedendheiss ein: Wir haben keine Ersatzdose mitgenommen! Was wenn die Dose schlicht weg ist? Wir sind aber schon auf halbem Weg und es wird heute mit Sicherheit nicht kühler.

Diese Blüten sehen aus als wären sie aus Silberpapier

Der Abstand zu der Dreiergruppe wird zunehmend kleiner. Sie besteht aus zwei Männern und einer Frau. Einer der Männer ist merklich fitter als die anderen beiden, läuft oft vor und wartet dann. Die sind deutlich gemächlicher unterwegs und müssen öfter mal pausieren. Als der Gipfel schon in greifbarer Nähe scheint, überholen wir. Ein kurzes „Dobar Dan!“ und wir sind vorbei. Zum Glück sind wir soviel schneller, dass der Abstand schnell anwächst. Schließlich wollen wir oben in Ruhe suchen und den Cache nicht gefährden.

Näher am Gipfel

Das letzte Stück verläuft parallel zu einem mächtigen Felskamm. Kurz vor dem Gipfel kommt eine Ruine in Sicht. Von unten haben wir schon oft gemutmaßt: Da oben ist doch irgend etwas! Es handelt sich um eine kleine Kapelle, die 1932 von der Minenbetreiberfamilie aus der Gegend erbaut wurde. Hier oben gibt es oft Blitzeinschläge, die das Gebäude beschädigt haben. Den Rest haben ihm aber Schatzsucher gegeben, die mit Dynamit nach einem sagenhaften Goldschatz suchten. In grauer Vorzeit soll hier einmal die Burg eines Zauberers gestanden haben, die einen unglaublichen Goldschatz barg. Überhaupt ranken sich jede Menge Sagen und Mythen um den Berg. Es ist von paranormalen Phänomenen zu hören. UFO-Aktivität soll hier an regnerischen Tagen stattfinden. Die Pyramidenform lässt ebenfalls Spekulationen von Esoterikern ins Kraut schießen. Es gibt sogar eine eigene „Forschergesellschaft“, die sich damit beschäftigt.

Die Ruine auf dem Šiljak

Wir erreichen den Gipfel und machen uns gleich an die Suche. Der Hint ist eindeutig, so dass wir den Cache (GC32FMP) der Marke „Cremedose“ rasch in Händen halten. Der erste Blick ins Logbuch, ein Schock! Da steht ja schon einer drin! Ein kurzer Blick auf die Beschreibung lässt uns entspannen. Der Owner hat sich in das Feld für den FTF verewigt. Puh! Wir sind also die ersten! Wir loggen und packen die Dose wieder zurück.

Cachebox

Logbuch

Am Fuß der Ruine gibt es auch ein offizielles Gipfelbuch. Zweimal loggen also. Just als wir uns auch hier eingetragen haben, erreicht die andere Wandergruppe den Gipfel. Es stellt sich heraus, dass es Serben aus der 40 km entfernten Stadt Zaječar sind. Wir unterhalten uns auf Englisch. Wie fast alle Serben, die wir getroffen haben, sind sie überaus freundlich und zuvorkommend. Ich bestätige ihnen, dass ihr Land wunderschön ist. Sie beklagen, dass niemand kommt und es sehen will. „So let’s change it!“ lautet meine Antwort und habe schon den Reisebericht im Hinterkopf.

Eine irre Aussicht!

Haben wir auf dem Weg herauf schon tolle Aussichten gehabt, ist die Rundumsicht auf dem Gipfel einfach überwältigend. Die Ruine, wie sie da steht, hätte sich ein Landschaftsarchitekt nicht besser ausdenken können. Es ist einfach ein perfekter Moment an einem grandiosen Ort. Wir machen ausgiebig Pause und genießen einfach. Auch im Winter muss es hier wunderschön sein. Einen Eindruck davon kann man sich hier und hier machen.

Der Felskamm nahe des Gipfels. Im Vordergrund die drei serbischen Wanderer.

What goes up must come down. Wir müssen ja auch wieder runter. Die Temperatur ist unaufhörlich gestiegen. Selbst hier oben dürfte es jetzt locker 30 Grad haben. Der Wind macht es aber angenehm. Wir blicken auf den Pfad nach unten und sehen eine lange Strecke ohne Schatten. Wir haben den Aufstieg am Südhang gewählt, der jetzt von der gleißenden Mittagssonne beschienen wird. Wir brechen auf.  Das Glücksgefühl, den Gipfel mit dem schönen FTF erklommen zu haben, hält noch eine ganze Weile an. Als wir den Buschbewuchs erreichen, ist vom Schatten dort nicht viel übrig. Die Sonne steht nahezu im Zenit und bescheint den Weg gnadenlos. Unter einigen Büschen finden wir eine Stelle zum Rasten, machen erneut Pause. Haben wir sonst tendenziell zu viel Wasser dabei, wird es dieses Mal knapp werden. Zum Glück haben wir taugliche Kopfbedeckungen. Das wäre sonst sicher nicht ohne einen Sonnenstich ausgegangen.  Auch an Sonnenschutz haben wir gedacht. Allerdings  habe ich zwischendurch immer einmal wieder das T-Shirt gelupft um ein bisschen mehr Kühlung zu erreichen. Das sollte sich später mit einem Sonnenbrand der skurrilen Sorte rächen. Zwar war die Verbrennung nicht sonderlich stark, durch den Hüftgurt entstand aber ein scharf begrenzter weisser Streifen. So laufe ich den Rest der Reise als österreichische Flagge herum.

Auf dem Rückweg

Die letzten Kilometer zum Bulli sind eine echte Tortur. Wir verfluchen unsere Entscheidung, den Weg nicht weiter gefahren zu sein. Als wir endlich ankommen, steht der Wasserkanister noch auf der Toolbox. Den haben wir heute Morgen vergessen, wieder in den Bulli zu räumen. Einen 40-Liter-Kanister mit Hahn kann hier wirklich jeder gebrauchen. Aber niemand hat ihn genommen. Ein Blick aufs GPS: Wir sind 25 km mit knapp 900 Meter Aufstieg gewandert.

Eine alte Frau kommt des Weges und hat ihre Schafherde und einige Ziegen dabei. Sie erzählt munter drauf los. Dass wir ihr bedeuten, dass wir sie nicht verstehen, stört nicht und sie plappert lustig weiter. Wir nicken freundlich und lassen sie. Die Ziegen zeigen auch sogleich großes Interesse am Bulli, wohl eher an den Dingen darin, und stöbern eifrig. Wir haben Mühe, sie vom Einsteigen abzuhalten.

„Dürfen wir reinkommen?“

Nach einer gründlichen Waschaktion am Kanister machen wir uns auf den Weg um einige Dinge einzukaufen. In Ermangelung an kaufbaren Ansichtskarten hat Astrid selbst welche gebastelt, die sie verschicken will. Also fahren wir nach Soko Banja, wo wir eine Post, einen Supermarkt und eine Bank finden. Unsere serbischen Dinar sind nämlich auch knapp.

Danach wollen wir gemütlich etwas essen, möglichst mit Wlan. Wir fahren zu dem kleinen Restaurant, wo uns gestern die Leute so freundlich weiter geholfen haben. Da ist aber niemand und Wlan gibt’s auch nicht. Also weiter zum Motel von gestern. Wir essen hervorragendes Rind vom Grill und setzen ein paar Lebenszeichen ab.

Es wird Zeit, sich um einen Schlafplatz Gedanken zu machen. Beim Motel gibt es eine Tankstelle und einige Möglichkeiten, einigermaßen lauschig zu stehen. Die M5 führt hier direkt vorbei.  Wir haben aber noch die Worte des Campingplatzbetreibers aus Sr. Mitrovica im Ohr: „At he petrol stations is the most dangerous place to sleep“. Und so schön ist es hier auch nicht.

Also stellen wir unser Glück erneut auf die Probe und fahren ein paar Nebenstraßen ab. Alle befahrbaren Wege führen in Dörfer, auf Gehöfte oder zu kleineren Wohnhäusern im Wald. Ein Weg führt zu einem offensichtlich verlassenem Haus. Etwas unterhalb gibt es einen Eichenhain, eben und mit Gras bewachsen. Perfekt! Hier sind wir zwar recht nah an der M5, können von dort aber nicht gesehen werden. In der Dunkelheit passiert uns noch ein Holz-LKW, das war es.

Wir schlafen nach dem anstrengenden Tag tief und fest.

Am nächsten Tag werden wir erst umzingelt und fahren dann weiter nach Süden.