12. Mai 2026

Die Nacht war eisig und klar. Es verspricht ein schöner Tag zu werden, der letzte bis auf Weiteres. 

Wir haben Geschmack am Maas-Radweg gefunden und wollen mehr. Also steuern wir morgens das Dorf Deville an. Von dort aus radeln wir flussaufwärts an der Maas entlang. Das Ziel für heute ist Sedan, knappe 60 Kilometer werden das. 

Die Ardennen zeigen sich zuerst wieder von ihrer schroffen Seite. Hohe Klippen und felsige Hänge säumen die Strecke. Aufregende Landschaft wechselt auf pittoreske Dörfer mit hübschen Steinhäuschen und – jede Menge Leerstand. Aber hier, direkt an der Maas, geht es noch. 

In der Stadt Charleville-Meziers setzen wir uns auf den zentralen Platz und trinken Kaffee. Anschließend Imbiß um die Ecke, ein frequentiertes Bistro bietet allerlei schnelle Leckereien an, schließlich ist man in Frankreich. 

Zwischendurch hat es ein paar Tropfen gegeben, aber auch immer wieder Sonne. Die Landschaft hat sich etwas abgeschliffen und ist jetzt eher hügelig. Unterwegs kommen einige Bunker in Sicht und die Ausrichtung der Schießscharten deutet auf französischen Unrsprung hin. An einer Schleuse eine Gedenktafel, die an eine der letzten Operationen des WK I erinnert und den letzten französischen Soldaten ehrt, der darin starb. Das war just hier. 

Kurz vor Sedan setzen wir uns auf eine Bank an einer Brücke, um uns zu orientieren. Wieder eine Gedenktafel. Die erwähnten Bunker waren wohl noch nicht fertig und so entstand eine Lücke, die die Wehrmacht just über diese Brücke ins französische Hinterland vorrücken ließ. Gleichzeitig führt sie in eben den Stadtteil, in dem 1870 die Reste der Grand Armée eingekesselt waren, was zur Kapitulation Napoleons führte. Alles ganz schön dicht hier.

Wir erreichen Sedan und finden die Stadt teils hübsch, mit großer Burg, aber auch nicht allzu aufregend vor. Es ist aber auch nicht so schlimm, denn alsbald wird unser Zug zurück nach Deville fahren, für den wir gestern schon Tickets besorgt hatten. 

Die Strecke führt wenig überraschend an der Maas entlang. Wir müssen einmal umsteigen, sechs Minuten. Was einem zu Hause schon den Angstschweiss auf die Stirne treibt, ist hier überhaupt kein Problem. Alle Züge fahren auf die Sekunde genau. Die Wagen modern und sauber, es gibt ausreichend Platz und funktionale Fahrradplätze. In den Weichen wird man nicht aus dem Sitz geworfen.

Abends haben wir Lust auf Pampa, so stellen wir uns in ein Waldstück, weitab von allem. Reizarme Umgebung.

11. Mai 2026

Es hat in der Nacht anhaltend geregnet und auch morgens prasselt es noch ordentlich aufs Bullidach. Also schlafen wir heute länger, frühstücken ausgiebig. 

Die Prognose stimmt genau und gegen 11 Uhr hört der Regen auf. So werden wir ein Stück Maasradweg fahren. Als wir uns vorbereiten kommt sogar die Sonne raus. 

Die Etappen durch die Ardennen gelten als Highlight der Strecke. Und wir werden nicht enttäuscht. Vorbei an hohen Klippen und felsigen Abhängen geht es nach Fumay. Im Dorf besorgen wir uns ein Baguette und fahren zurück über Revin, wieder am Camp vorbei bis Anchamps. Da wir uns einen Imbiss erwarten, geht es noch in den Ort Laifour. Alles, was nach Bar, Brasserie, Restaurant aussieht, ist aber geschlossen. Also wieder zurück nach Revin. Auch dort werden wir aufgrund der Tageszeit und der Tatsache, dass Montag ist, nicht fündig. 

Also wird das erworbene Baguette zusammen mit einer Fischkonserve am Camp verzehrt. Danach ruhen wir bis in den späten Nachmittag. Abends sollte es zumindest eine Friterie im Ort geben, die auch montags öffnet. Also machen wir uns zu Fuß auf, quer durch den Ort auf die andere Maas-Seite. Abseits des Flusses wird der Niedergang der Region sichtbar. Industrieruinen und Leerstand überall, es ist wenig los. Wir fühlen uns an MeckPomm erinnert. Dieser Landstrich ist deutlich sichtbar abgehängt. 

Wir essen in rustikaler Atmophäre; die Friterie wirkt etwas räudig, ist aber frequentiert und das Essen ist gut. 

Heute Nacht geht es gegen den Gefrierpunkt und wir sind froh über die Standheizung.

10. Mai 2026

Am Morgen noch fabelhaftes Wetter. Vor dem Frühstück drehen wir eine Runde mit den Rädern durch den Naturpark. 

Heute werden wir wieder zum eigentlichen Ziel der Reise zurückkehren, dem nördlichen Teil des Diagonale du vide, speziell dem Tal der Maas. Bisher sind wir nur dem Wetter ausgewichen, nun soll es dorthin gehen. Aber wieder das Wetter. Die Ardennen und umzu sind nunmal reich an Niederschlägen. Wir wählen den Camping Muncipale in Revin, um das Schlimmste abzuwettern und danach auf Erkundungstour zu gehen. Es ist wenig los und wir warten auf den Regen, der auch bald einsetzt und bis morgen Mittag auf das Bullidach prasseln wird.

9. Mai 2026

Nach einer ruhigen Nacht auf dem Parkplatz starten wir früh in Richtung Gent. Der Decathlon-Parkplatz soll unser Basecamp für den Stadtbesuch werden. Der ist groß und nicht beschränkt. Unsere Akkupumpe aus dem Anglerbedarf, auf die sich die Wasserversorgung im Alltag stützt, hat die Grätsche gemacht. Wir streben nach Ersatz. Eine einfache Handpumpe würde es tun, gibt es aber nicht. 

Also auf in die Altstadt. Es heisst, sie stünde Brügge in nichts nach, sei jedoch nicht so frequentiert. Wir passieren einige Gässchen mit hübschen Giebeln und als wir um eine bestimmte Ecke biegen, kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Prächtige Bauten erheben sich vor uns, hohe Türme kommen in Sicht. Ein Panoptikum von Baudenkmälern aus verschiedenen Epochen so weit das Auge reicht, durchzogen von einigen Grachten. Ersten Besuchergruppen werden durch die Gassen und Plätze geführt und die Kapazität der ansässigen Gastronomie lässt erahnen, was hier später los sein wird. Wir schlendern, genießen, trinken einen Kaffee am Rathaus, essen Waffeln unterwegs. Tatschlich bleibt das Treiben auch bis in den frühen Nachmittag hinein in einem erträglichen Rahmen. 

Später konsultieren wir noch einen Camping-Store, der zwar allerlei Nützliches führt, Tauchpumpen etwa, jedoch verspüre ich keine Lust, mich mit Verkabelung der provisorischen Art zu beschäftigen; es gibt zwar alles nötige Zubehör und wir führen die nötigen Werkzeuge mit, allein das zu erwartende Ergebnis dürfte sich unterproportional zum Aufwand verhalten. 

Also wird es ein Mini-Kanister mit Hahn, der sich bereits bewährt hat. 

Verlagerung in einen Naturpark kurz hinter der französischen Grenze. Der erste Spot ist nichts, ein Friedhofsparkplatz in der Nähe tut es aber.

8. Mai 2026

Ein klarer Tag. Das Camp füllt sich zusehends mit den Mitgliedern, für den er ja vorgesehen ist. Wir machen Platz und reisen ab. 

Einkaufen im französischen Lidl und über die Grenze nach Belgien. Besuch der Stadt Ypern. Beeindruckende Kulisse, auch wieder in dem Wissen, dass die Stadt im WK I dem Erdboden gleich war. 

Verlagerung Richtung Gent. Der recherchierte Spot, ohne die einschlägigen Apps schien ein Volltreffer zu sein. Sackgasse, mit großen Fahrzeugen nicht zu erreichen, 4×4 vorteilhaft. Leider offenbar Privatland. Wir essen zu Abend und wollen den gemütlichen Teil des Abends einläuten. 

Eine Beschwerde rief offenbar die Politie auf den Plan, die das Dienstfahrzeug schonte und sich den halben Kilometer zu Fuß annäherten. Kurze Überprüfung der Identität, selbstredend ergebnislos. Empfehlungen, sich einen anderen Ort zu suchen, da unser Anliegen wohl zustimmungsfähig sei, allein die Sache mit dem Privatland…

So enden wir auf einem Parkplatz am Rande eines Wohngebiets, es ist aber bereits so spät, dass es auch schon wieder egal ist.

7. Mai 2026

Morgens anhaltender Regen. Wir gehen unseren Routinen nach, frühstücken und warten ab. Am späteren Vormittag Aufhellung. Also auf mit den Fahrrädern nach Gravelines, einer Festungsstadt die über Jahrhunderte öfter den Besitzer gewechselt hat und immer wieder um- und ausgebaut wurde. Wir schlendern durch die Gassen, besuchen einen Skulpturenpark. In den ehemaligen Kasematten sind einige sehr schöne Parks entstanden. In einer Patisserie besorgen wir uns ein paar Leckereien; statt Mittagessen. Auf der Rückfahrt Einkauf bei Super-U. 

Der Rest des Tages verläuft unspektakulär, Strandspaziergang und ausgiebige Absammlung von maritimen Exoskeletten durch die Gattin. 

Vorm Wochende füllt sich der Campingplatz zusehends; so werden wir Platz für die Mitglieder machen und versuchen es morgen noch einmal mit Flandern.

6. Mai 2026

Der Tag beginnt bedeckt, leichter Regen. Wir frühstücken gemütlich, dann verschiedene Routinen. Als der Regen nachlässt Einkauf per Fahrrad im Carrefour Contact  im Hauptort. 

Kurzer Snack mit Kaffee am Camp. 

Danach Strandspaziergang bei auflaufendem Wasser. Am Fuße der Dünen liegend unter interessanten Wolken wechselnd mit Sonnenschein eingeschlafen. 

Anschließend Radtour über den alten Deich Digue TAAF in ein Polder- und Dünengebiet, durchzogen von einigen der größeren Bunkern deutscher Bauart. 

Rückkehr zum Camp mit Interaktion der drei weiteren Campenden Parteien auf dem Platze. Offenbar benötigt man eine Art Mitgliedschaft, um die Örtlichkeit zu nutzen. Die Kommunikation leidet etwas unter Sprachbarrrieren; die Schnittmenge der beherrschten Sprachen unzureichend. Man verspricht, sich für uns einzusetzen. Offenbar gibt es prinzipbedingt keine Möglichkeit, einen Obulus zu entrichten, obwohl die mühsam übersetzte Preisliste das mutmaßlich ausweist. Mit dem Wohlwollen der Anwesenden ausgestattet, beschließen wir zu bleiben.

5. Mai 2026

Der Tag startet bedeckt. Beim Frühstück mit Baguette Parisienne vom Zwischstopp in Luxemburg (denn da ist nicht nur Wasserbillig) klart es auf. Die Fahrräder laden währenddessen aus der Bordbatterie. 

Radtour via Lampernisse (Wehrkirche mit besteigbaren Turm und Panoramablick über die Polderlandschaft und Ruhestätten in Form vom Columbarien, die Fachfrau ist entzückt) nach Diksmuide zum Yserturm, der weithin sichtbar das Museum zum örtlichen Geschehen im WK I beherbergt. Sehr eindrucksvoll, unter anderem gibt es komplette Bereiche in denen die Wegführung durch Nachbildungen der Gräben und unterirdischen Unterständen im dunklen führt, inklusive Geräuschkulisse und Geruchsproben vom Kampfgasen. 

Mittagessen in einer Friterie am Marktplatz, in dem Wissen, dass hier 1918 nichts mehr war. 

Verlagerung an die französische Küste zwischen Dünkirchen und Calais. Oye-Plage wird in keinem unserer historischen Reiseführern erwähnt, überzeugt aber mit mehreren Campingplätzen direkt in den Dünen. Wir wählen GCU Oye-Plage. Sehr einfach und bisher konnten wir nicht einchecken, weil niemand da ist. Jedoch sind alle Gebäude offen und es kommt Strom aus den Steckdosen. Wir bleiben bestimmt zwei Nächte, das Wetter ist hier gerade am besten.

04. Mai 2026

„La Panne-Mer, 3km n.w. von Adinkerke hart an der franz. Grenze, zeichnet sich durch schöne Lage aus.

In den hohen Dünen zerstreut viele Villen. Der Strand ist von hübschen Strandhütten besetzt, aber sehr flach, das Sandtreiben daher bei Ebbe und Westwind lästig. Von La Panne geht der unterseeische Telegraph nach Dover aus.“

schreibt der Baeddeker 1914. Der Polyglott Reiseführer von 1962 meint dazu bereits „in der Saison geht es mitunter launig zu.“ 

Vor dem Wetter im Osten geflohen finden wir den Ort als einzigen Freizeitpark mit mehreren Resorts vor. Camping komplett überteuert, unschön. Man versucht an zwei Plätzen uns auf verschiedene Weisen abzuzocken. Angewidert stellen wir uns weiter im Inland auf einen Acker. Morgen Radtour zum WK I Museum Diksmuide und wieder rüber nach FR. Für einen erneuten Versuch am Strand.

3. Mai 2026


Nach einer kleinen Radtour beiderseits der Moselle und einem Besuch einer random Festung der Maginotlinie, in der zufällig zeitnah eine Führung durch das gesamte Ding startete, sind wir wieder zum selben Spot von gestern zurückgekehrt und warten auf den Gesang der Nachtigall.