La Guagua

Playa Pilar auf Cayo Coco

Playa Pilar auf Cayo Coco

Es ist dunkel im Bus. Gerade beschweren sie sich im „Bits und so“-Podcast über die mangelnde Kreditkartenkultur in Deutschland. Ich bin in Kuba, irgendwo auf dem platten Land. In meinem Rucksack neben mir sind bündelweise Bargeld, weil man hier mit Kreditkarten genau gar nichts anfangen kann. Die haben Sorgen, denke ich. In diesem Moment reisst mich ein dumpfer Knall gefolgt von einem schlagenden Geräusch aus meinen Gedanken. Muss irgendwo an der Hinterachse gewesen sein. Der Fahrer lässt den Bus ausrollen und einige Kubaner steigen aus und sehen sich die Sache an. Bevor ich meine Lampe hervorgekramt habe und mich dazu gesellen will, sind sie schon wieder eingestiegen. Man hat sich geeinigt, dass es weitergehen kann. Aber alle sollen sich jetzt von der linken auf die rechte Seite setzen. Beim Aufstehen bleibe ich mit dem Kabel an der Armlehne hängen –  und der Kopfhörer ist zum Teufel.



Der Damm nach Cayo Coco

Der Damm nach Cayo Coco

Wir hatten schon länger überlegt, wie wir von Cayo Coco wieder weg kommen. Ein paar schöne Strandtage hatten wir hier verbracht, Flamingogucken inklusive. Auch ein Lost Place in Form eines nie fertig gebauten Resorts findet sich hier.
Cayo Coco ist eine nördlich vorgelagerte Insel Kubas. Über einen 20 Kilometer langen Damm ist sie mit dem Festland verbunden. Am Anfang des Damms muss man quasi einreisen. Die Passnummern werden in eine der vielen Listen Kubas eingetragen.
Flamingos

Flamingos

Lost Beach Resort auf Cayo Coco

Lost Beach Resort auf Cayo Coco

Es gibt genau zwei bezahlbare Unterkünfte hier. Das Hotel Villa Azul, wo man uns zuerst hinfährt. Es handelt sich um eine Absteige in unattraktiver Umgebung. Mögen wir nicht und es ist sowieso alles belegt. Die „Sitio La Güira“ mit vier einfachen Hütten gibt es aber auch noch. Mit Glück können wir eine davon mieten. Ein älterer Reiseführer erwähnt noch das „Campismo“, dort möchte man im Moment aber keine ausländischen Touristen haben. Einige dieser unsäglichen All-inclusive-Resorts gibt es auch, aber das will man ja nicht.
Unsere Hütte auf der Sitio La Güiria

Unsere Hütte auf der Sitio La Güira

Ein Dorf oder eine Stadt gibt es nicht. Bis zu ihrer Erschließung durch den Damm war die Insel unbewohnt. So kommt man da ziemlich schlecht wieder runter. Angereist waren wir mit dem Taxi, so eines müsste aber erst wieder vom Festland anreisen und wäre dem entsprechend kostspielig.
Immer gegen Abend bemerkten wir, dass sich einige der Angestellten ihre Siebensachen schnappen. Nachdem der Ruf „La Guagua!“ über das kleine Hüttendorf erschallt war, verschwanden sie damit in Richtung Straße. „Guagua“ (/ˈwa.wa/) ist ein umgangssprachlicher Ausdruck für einen Bus im karibischen oder kanarischen Raum. Untergekommen ist er uns aber erst nur als Bezeichnung für einen Angestelltenbus. Zahlreiche Busse verkehren morgens und abends zwischen der Insel und dem Festland, um Leute zu transportieren, die auf Cayo Coco arbeiten.
Von zwei Spanierinnen, die in der Hütte neben uns gastieren, bekommen wir einen Tipp. Sie haben einen Fahrer gefunden, der sie für eine kleine „Spende“ im Guagua mitnimmt. Die beiden entschwinden in die Nacht und tauchen bis zum nächsten Morgen nicht wieder auf. So beschließen wir, das müsse eine gute Sache sein und machen uns auf die Suche nach dem Fahrer. Als wir ihn finden, vereinbaren wir eine Uhrzeit am nächsten Tag und sollen dann abgeholt werden.
Pünktlich, wie wir sind, finden wir uns am Treffpunkt ein. Auf eine längere Wartezeit haben wir uns eingestellt. Jetzt wird es aber bereits dunkel und immer später. Wir befürchten schon, den Guagua verpasst zu haben. Von fern sehen wir jetzt aber Leute mit Taschenlampen nahen. „The bus broke down. Another one is coming. 30 Minutes.“ teilt man uns im Vorbeigehen mit. Die Passagiere machen das beste draus und setzen sich in die nahe gelegene Bar. Wir sind froh, dass man uns nicht vergessen hat und warten geduldig weiter.
Das öffentliche Transportwesen in Kuba ist vielfältig. Die Fahrzeuge werden im Laufe ihrer Lebensdauer und je nach Zustand verschiedenen Zwecken zugeführt. Die neuesten Busse fahren der Tourismusdienstleister Transtour und die staatliche Busgesellschaft Viazul. Es handelt sich dabei um chinesische Fabrikate der Marke Yutong. Da ein Viazul-Bus einmal übers Display mitteilte, er führe nach Guangzhou, sind die vermutlich auch bereits gebraucht. Ältere Yutongs findet man bei den Omnibusses Nationales, die Schriftzüge der Ex-Nutzer überpinselt. Viele Angestellten-Busse rekrutieren sich wiederum aus den Veteranen dieser Dienste. Daneben gibt es aber noch Ex-Schulbusse, Kamelbusse und umgebaute russische oder uralte amerikanische LKW.
Alternative Busse in Kuba

Kamelbus, Chevy und noch ein anderer LKW

Einer dieser angegrauten Yutongs kommt nun zum Treffpunkt, die Bargesellschaft löst sich auf und steigt ein. Wir auch. Unsere dicken Rucksäcke sollen wir einfach mit reinnehmen. Auf der Fahrt zur Hauptstraße kommen wir am kaputten Bus vorbei. Was nicht stimmt, können wir in der Dunkelheit nicht ausmachen.
Durch die Nacht im Guagua

Durch die Nacht im Guagua

Auf dem Weg zum Damm kommen wir an einem weiteren liegen gebliebenen Bus vorbei. Kein guter Tag für den Fuhrpark, heute. Da die Landstraße hier in völliger Dunkelheit liegt, hat der Fahrer vor und hinter dem Fahrzeug kleine Feuer entfacht.
Und dann war da noch die Passkontrolle. Würden wir kontrolliert werden? Eigentlich dürfen wir dieses Verkehrsmittel nicht nutzen. Nach dem Damm erreichen wir den Kontrollpunkt. Der Busfahrer macht Anstalten, einfach durchzufahren, wird aber angehalten. Als ich eine Polizeimütze vorne im Bus ausmache, rutsche ich tief in meinen Sitz hinein, stelle mich schlafend. Astrid ist etwas kleiner, sieht weder den Polizisten, noch kann sie von ihm gesehen werden. Für mich sind das jetzt sehr lange 30 Sekunden. Dann schließen die Türen, der Bus fährt an und die Kubaner haben eine kleine Unschärfe in ihren Aufzeichnungen.
Einige Kilometer hinter dem Damm, in der Dunkelheit zwischen zwei Ortschaften passiert es dann. Irgendwas an der Aufhängung verabschiedet sich geräuschvoll. Nach dem eingangs erwähnten kurzen Check geht es weiter. Der Fahrer probiert, wie schnell er mit dem Defekt noch fahren kann. Das Heck schlingert bedenklich. Irgendwas hinten eiert ganz fürchterlich. Wir müssen es heute Nacht noch nach Ciego de Àvila schaffen. „Halt durch, alter Chinesenbus, halt durch.“ denke ich.

Zwanzig nützliche Fakten für Kuba-Individualreisen

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Auch ein Blick nach oben kann mitunter nicht schaden.

Ein paar Sachen fallen einem im Reiseland sofort ins Auge. Hier habe ich in aller Flapsigkeit ein paar Besonderheiten aufgelistet, die in den nachfolgenden Geschichten eine Rolle spielen werden.

  1. Mind your step (Lost Place Sicherheitsregeln im gesamten Land).
  2. Alte Reiseberichte gelten nicht, das Essen ist gut und es ist viel.
  3. Wenn es große Wasserflaschen zu kaufen gibt: Zugreifen.
  4. US-Dollar als Reisekasse sind eine schlechte Idee.
  5. Niemand braucht Fensterglas.
  6. Die Restaurant-Toilette verfügt über eine Dusche (und es ist belegt, wenn jemand aus der Familie duschen möchte).
  7. Lattenroste taugen nur etwas, wenn im Haus ein guter Handwerker wohnt.
  8. Nur anfassen, wenn kein Wasser läuft!

    Nur anfassen, wenn kein Wasser läuft!

    Grundkenntnis in Elektrotechnik vermeidet Stromschläge.

  9. Penetranz auf der Straße ist normal, Freundlichkeit macht es aber angenehmer für beide Seiten.
  10. Morgens nicht unter Stadtbalkonen herlaufen (es sei denn, man ist noch nicht geduscht).
  11. Was nicht laut ist, ist nicht gut.
  12. Spanisch verstehen ist gut, Kubanisch verstehen ist besser.
  13. Alleinreisende haben oft einen „Dolmetscher“ jeweils anderen Geschlechts.
  14. Hinter jedem Schlafzimmer wohnt ein Hahn.
  15. Egal wie alt oder kaputt der Bus ist, die Klimaanlage funktioniert immer.
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    Heroes of the Night

    Wer einen leichten Schlaf hat, nimmt Ohrstöpsel mit.

  17. Es gibt nie alles, was auf der Karte steht, aber Huhn gibt es immer.
  18. Cafeteria heisst nicht unbedingt, dass man Kaffee bekommt.
  19. Sicherheitsgurte sind optional.
  20. In jeder Stadt ist alles anders.

Patria o Muerte

Diese ewige Dunkelheit und frostigen Temperaturen im Moment können doch gewaltig nerven. Also haben wir uns entschlossen, den Winter etwas zu verkürzen. Der Bulli scheidet also als Reisevehikel aus.

Patria o Muerte – „Vaterland oder Tod“, so lautet etwas pathetisch das Motto unseres Reiselandes. Wir reisen nach Kuba!

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Geplant war, das ganze Land mit dem Mietwagen zu bereisen. Also haben wir Flüge gebucht und auch gleich einen (sauteuren) Mietwagen über einen Vermittler dazu. Die Flüge wurden prompt bestätigt, der Mietwagen nicht. Es gäbe keine mehr. Anfragen bei anderen Anbietern: Auch Fehlanzeige. Die Reiseagentur, über die wir die Visa bezogen haben, hätte noch welche vermitteln können. Die wären aber noch teurer gewesen, ausserdem hatten wir schon längst umgeplant.

So werden wir also frei Schnauze durchs Land bewegen. Alles, was wir haben sind zwei Rucksäcke, die Visa, die Auslandskrankenversicherungen und zwei Übernachtungen in Matanzas. Das passt auch besser zum „abseits reisen“!

Einen Tag vor Heiligabend geht es los. Da Weihnachten abseits von den Touristengebieten in Kuba niemanden interessiert, fällt es dieses Jahr einfach einmal aus. Silvester werden wir in Havanna oder Trinidad oder ??? feiern.

Demnächst mehr hier!

Das Lost Place Camp im Wampenschleifer-Land

Stellplatz am Badestrand

Stellplatz am Badestrand

Es ist ein heisser Julitag im Jahr 2011. Gerade haben wir die „Stadt im Wald“ angeschaut. @Freddie_Pepper und sein Kumpel Jorn waren auch dazu gestoßen. Die erschöpfende Cache- und Besichtigungstour wollen wir möglichst stressfrei mit ein wenig Grillerei ausklingen lassen.
„Da vorne an der Straße war ein Campingschild!“ Also los. Kilometerweit geht es jetzt durchs brandenburgische Outback. Einige verschlafene Dörfchen später erblicken wir noch ein Schild. Sieht irgendwie alt aus. Egal. Das schmale Sträßchen, in das wir jetzt einbiegen, wird zwischendurch zum Panzerweg aus Betonplatten. Aber jetzt. Ein verwittertes Schild mit einem Wohnmobil drauf zeigt 0 Meter an.
Alles wie gewohnt: Ein Gebäude, eine Schranke. Aber das Gras steht eindeutig zu hoch für einen deutschen Campingplatz. Auch das Haus macht irgendwie den Eindruck, ein Lost Place zu sein. Aber noch nicht lange.
Wir halten und schauen uns die Sache an. „Da hinten sind Leute!“ bemerkt Astrid. Tatsächlich sitzen einige Camper gemütlich vor einer Dauercamping-Parzelle und grillen.
„Naja“ berlinert es uns entgegen „Eigentlich sind wa ja keen Campingplatz mehr. Aber stellt euch mal hin.“ Der Elektronik-Kästen der Schranke ist leer geräumt. Nur ein Lichtschalter drin. „Wenn ihr den drückt, gehtse auf. Aber fahrt schnell durch!“
Bei näherer Betrachtung haben wir es mit einem wundervollen Platz zu tun. Wald und Wiesen wechseln sich ab. Belebte Parzellen wechseln sich mit verlassenen Campingbehausungen ab. In der Mitte gibt es einen Badestrand an einem See. Der Große Wentowsee, wie wir heute wissen. Wir haben eine tolle Nacht, ein morgendliches Bad im See und einen herzlichen Abschied von den Lost Place Campern. Oft noch sprechen wir in den folgenden Jahren vom „Lost Place Campingplatz“.

Blick auf den See im hinteren Teil des Platzes

Blick auf den See im hinteren Teil des Platzes

 


 

2014. Ein warmer Juni. Wir sind wieder in der Gegend um Berlin unterwegs. Als wir nach Fürstenberg kommen, fragen wir uns, ob wir den Platz wohl wieder finden werden. Aus unerfindlichen Gründen hatte sich 2011 niemand einen Wegpunkt gesetzt. So waren auch virtuelle Besuche, auf Google Maps etwa, bisher ausgeblieben. Wir folgen unserer Intuition und stehen zunächst vor einem Dauercamper-Platz an der Havel. Nein, so war das nicht. Weiter.

Stellplatz im Wald

Stellplatz im Wald

Und dann – tatsächlich – finden wir unser Lost Place Camp wieder. Die alte Einfahrt ist zu, 200 Meter weiter gibt es aber eine neue. Auf den ersten Blick hat sich nicht viel verändert, nur ein paar Dauercamper weniger sind es inzwischen. Der Platz liegt noch genau so lauschig da, wie wir ihn in Erinnerung hatten. „Pah, was meint ihr, wie es hier aussah!“ meint Christiane, die neue Besitzerin. Sie musste doch einiges am Platz machen. Zum Glück packten die verbliebenen Dauercamper mit an. Ein nagelneues Sanitärgebäude gibt es jetzt auch. Trotzdem hat sich der alte Charme erhalten. Hier und da blickt ein verlassener Eisenbahner-Wagen durch die Büsche, die alt-ehrwürdigen DDR-Laternen erheben sich über das Gelände. Letztere bleiben nachts aber aus. Bei klarem Himmel ist es hier dunkel genug. Das bietet einen tollen Blick auf die Milchstraße. Und dann natürlich der See. Herrlich!
Der Platz richtet sich übrigens nicht an Familien mit Kindern sondern an kinderlos Reisende.
Wir sind so begeistert, dass wir fast den ganzen Rest unserer Reise hier verbringen.
Wer naturnahes Camping und die Ruhe liebt, findet hier den perfekten Platz, nur eine gute Autostunde von Berlin entfernt.
Taschenlampe nicht vergessen!

Madeira – Perle des Atlantiks

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Alles fing mit einem Missverständnis an. Wir hatten uns mit unseren Urlaubsanträgen nicht gut abgesprochen. Wollten wir ursprünglich Anfang Oktober Deutschlands Osten mit dem Bulli unsicher machen, rutschte der einzig mögliche Termin für gemeinsamen Urlaub tief in den November. Das ist uns zu ungemütlich zum Campen. Für diese Fehlplanung sollte ich mich später aber noch per Handschlag bei meiner Frau bedanken.

Anreise in Etappen

Anreise in Etappen

So machen wir uns am Morgen des 17. November 2013 auf zum Bahnhof. Wir werden über Düsseldorf und Lissabon nach Madeira fliegen. Das Klima dort soll mild sein, man soll gut wandern können und der Länderpunkt Portugal fehlt uns auch noch. Die Anreise ist bis zu dem Punkt unspektakulär, wo der Anflug auf den Aeroporto da Madeira beginnt. Die Landebahn ist recht kurz und durch die meernahe Lage und dem Gebirge im Norden herrscht eigentlich immer Seitenwind. Beim Landeanflug, zunächst vorbei am Flughafen und nach einer Schleife zur Landebahn, werden wir ganz schön durchgeschüttelt.

Der Aeroporto da Madeira steht auf Stelzen

Der Aeroporto da Madeira steht auf Stelzen. Es gibt auf der steilen Insel einfach keinen gescheiten Ort für einen Flughafen.

Am Schalter von Guerin Rent a Car möchte man uns übers Ohr hauen. Die Insel wäre sehr steil und für einen Diesel müssten wir nur €20 Aufpreis zahlen. Ich lehne ab und meine, es würde schon gehen. Darauf kommt nur „I’ll give you a diesel anyway…“. Es ist nämlich gar kein anderes Auto mehr da. Es handelt sich dabei um einen Peugeot 207. Jedes größere Auto ist auf der Insel auch fehl am Platze. Als wir den Mietwagen in Empfang nehmen, ist es bereits dunkel.

Auf der Inselautobahn fahren wir jetzt in Richtung Funchal, der Inselhauptstadt. Wir haben über Booking.com eine Woche in Phil’s Haven Hostel gebucht. Eine Entscheidung, die zwei Seiten hat, aber dazu später. Zum Glück sind auf der Buchung Koordinaten (Danke, [martin]). Das Navigieren mit Adresse ist mit der OSM-Karte, die wir auf dem Garmin haben, eine Katastrophe. Am Hostel angelangt werden wir sogleich aufs Herzlichste von Phil und Anna begrüßt. Ein erster Blick auf die anderen Gäste lässt uns zunächst vermuten, dass wir hier den Altersschnitt gewaltig heben. Aber ausser uns sind noch zwei ältere Damen aus Paris da, eine davon mit Wurzeln in Krakau. Und auch sonst werden wir in den nächsten Tagen sehr international zugehen: Österreicher, Chinesen, Belgier, Amerikaner und natürlich Portugiesen werden wir treffen. Im Hostel herrscht eine entspannte, fröhliche Atmosphäre, man fühlt sich gleich wohl. Die Sache hat für mich nur einen Nachteil: Ich bin das Geräuschlevel nicht gewohnt, das durch die Reisenden im Six Bed Dorm über unserem kleinen Doppelzimmer entsteht. Es braucht ein paar Nächte, bis ich im Hostel gut schlafen kann. Unterm Strich war es aber eine gute Entscheidung; wir haben viele interessante Kontakte gehabt.

Klischeefoto Madeira: Die Strelitz ist das Wahrzeichen der Insel

Klischeefoto Madeira: Die Strelitz ist das Wahrzeichen der Insel

Am nächsten Tag ist das Wetter prächtig. Zumindest hier in Funchal. Ein Blick in die Berge zeigt ein paar Wolken, aber nichts Dunkles, aus dem es regnen könnte. Wir verwenden den bewährten Rother Wanderführer, der mit GPS-Tracks kommt, die man sich beispielsweise aufs Garmin laden kann. Also machen wir uns zu einer Levada-Wanderung auf. Wir wollen heute zum Caldeirão Verde wandern. Schon beim Anwandern zum Levadaweg gehen wir durch wunderschöne, urwaldähnliche Gegenden. Allerdings fängt es hier auch zum ersten Mal an zu tröpfeln.

Was ist eigentlich eine Levada? Bereits kurz nach der Besiedlung Madeiras im 15.  Jahrhundert hat man erkannt, dass der riesige Wasserüberschuss im Norden der Insel dem sonnenverwöhnten Süden sehr gut tun könnte. Also fing man an, ein Bewässerungssystem aus offenen Kanälen ins Hochgebirge zu bauen. Mehrere hundert oder gar tausende Kilometer – je nach Quelle – sind so entstanden. Da die offenen Levadas gewartet werden müssen, gibt es an ihnen entlang ein Wegesystem, auf dem man sich mehr oder weniger gefahrlos durchs Hochgebirge bewegen kann. Mitunter geht man nur über eine Mauer in schwindelerregender Höhe. Die kitzligsten Stellen sind aber inzwischen mit Drahtseilen gesichert.

Typischer Levada-Wanderweg

Typischer Levada-Wanderweg

Den Levadas hat man sogar Brücken gebaut – und wir müssen da jetzt auch drüber

Den Levadas hat man sogar Brücken gebaut – und wir müssen da jetzt auch drüber

Wir wandern einige Kilometern durch großartige Landschaft. Immer wieder gibt es einen Regenschauer. Wir machen uns mit den Gegebenheiten und der Höhe vertraut. Als wir den Caldeirão Verde erreichen, ist es aufgeklart. Ein Schild zeigt den Berg hinauf, noch wirkt alles nicht so spektakulär. Aber als wir nach hundert Metern im Talkessel stehen, sind wir überwältigt. Ein riesiger Wasserfall ergießt sich in ein Becken. Durch die Enge des Talkessels wirkt alles noch monumentaler.

Hier geht es in den Talkessel

Hier geht es in den Talkessel

Caldeirão Verde

Caldeirão Verde

Das Becken, in das sich der Wasserfall ergießt

Das Becken, in das sich der Wasserfall ergießt

Auf dem Rückweg werden wir dann richtig nass. Wir müssen den selben Weg wieder zurück. Aber der kräftige Dauerregen jetzt hat den lehmig-felsigen Weg nicht eben einfacher gemacht. Aber ein Anfang ist gemacht, das war schon einmal eine beeindruckende Wanderung.

Am dritten Tag wollen wir wieder wandern. Am liebsten wäre ich wieder in die Berge des Pico Ruivo Zentralmassivs gefahren. Da ballen sich aber dicke Wolken. Wir wollen möglichst nicht schon wieder nass werden und planen um. Im äussersten Osten der Insel gibt es die Halbinsel São Lourenço mit einer schmalen Landbrücke und tollen Felsformationen. Am Parkplatz ist ganz schön was los. Wir reihen uns in den Strom der Wanderer ein und gehen los. Nach einigen hundert Metern biegen wir vom Hauptweg ab. Links von uns erhebt sich eine Bergspitze. Da liegt ein Cache (GC44RQE). Wir kraxeln hinauf und sind von der Aussicht schier überwältigt.

Felstürme an der Nordküste der Halbinsel São Lourenço

Felstürme an der Nordküste der Halbinsel São Lourenço

Gesteinsformation auf der Halbinsel São Lourenço

Gesteinsformation auf der Halbinsel São Lourenço

An der Landbrücke, die die Halbinsel mit der Hauptinsel verbindet, bekommen wir das Mikroklima wieder zu spüren. Der Wind frischt auf, Wolken ziehen heran. Die Regenbekleidung wird aus dem Rucksack geholt und angelegt. Ausgestattet mit Jacken, Hut und Regenhaube für den Rucksack wandern wir über einen Grat direkt vor uns. Auf der anderen Seite genießen einige Touristen den Ausblick. Sie wundern sich sichtlich über unseren Aufzug. Hinter dem Grat ist von den Wolken nichts mehr zu sehen. Die Sonne scheint sogar. Wir wandern weiter bis zum Pico do Furado, wo der Weg an einem Aussichtspunkt endet. Irgendwie macht mir das Schlafdefizit zu schaffen. Ich bewältige diese moderate Strecke nur mit Mühe.

Am nächsten Tag wollen wir die Füße ein bisschen schonen und uns Funchal anschauen. Vom Hostel aus sind es drei, vier Kilometer bis ins Zentrum. Funchal ist eine geschäftige, dabei aber äusserst entspannte Stadt. Es gibt viele Parks und alte Bausubstanz. Selbst verlassene Häuser fallen nicht so schnell zusammen. Das Klima. Heute sind in den Bergen wieder dicke Wolken zu sehen. Hier in der Stadt ist es sonnig bei 22 Grad. Es hat immer ein bisschen den Anschein, als würde es gleich regnen, die Wolken bleiben aber in den Bergen. Wir schlendern durch die Gassen, sammeln Eindrücke, zwei Multis (GC3D4F9 und GC37E1T) und ein paar Tradis ein.

Stadtansichen Funchal

Stadtansichen Funchal

Schicke Lost-Stadtvilla in Funchal

Schicke Lost-Stadtvilla in Funchal

Jardim Muncipal im Zentrum von Funchal

Jardim Muncipal im Zentrum von Funchal

Am Stadtpark von Funchal

Rua de Dom Carlos I

A artE de pORtas abERtas na rua de Santa Maria

A artE de pORtas abERtas na rua de Santa Maria

Am fünften Tag sieht das Wetter in den Bergen endlich freundlich aus. Wir wollen das Highlight der Reise machen: Eine Wanderung zum Caldeirão do Inferno mit vorherigem knackigen Anstieg und zweimaliger Durchquerung eines zweieinhalb Kilometer langen Levadatunnels. Los geht es an einem Elektrizitätswerk. Die Anfahrt war schon nicht ohne; der Wanderführer empfiehlt dazu Allrad. Aber der Peugeot macht das auch. Vom Parkpunkt aus muss jetzt erst einmal ein 300-Meter-Anstieg zum eigentlichen Levadaweg absolviert werden. Wir haben Trekkingstöcke immer für überflüssig gehalten. Jetzt sind wir froh, dass wir uns welche geliehen haben. Steil geht es die Serpentinen bergauf. Wir kommen an den angeblich ältesten Bäumen Madeiras vorbei. Die Wurzeln des Stinklorbeers sollen noch aus der Zeit der Besiedelung stammen.

Schon vor dem langen Tunnel müssen einige kürzere Exemplare durchquert werden. Das kennen wir schon von gestern. Da es in den Tunneln tüchtig tropft, hat man die ganze Zeit die Regenjacke an.

Wasserfälle überall

Wasserfälle überall

Typische Tunneldurchquerung mit Levada

Typische Tunneldurchquerung mit Levada

Am Eingang zum Tunnel der Levada do Pico Ruivo

Am Eingang zum Tunnel der Levada do Pico Ruivo

Vor dem Einstieg in den Tunnel

Vor dem Einstieg in den Tunnel

Geniale Aussichten

Geniale Aussichten

Mitten im Tunnel liegt ein Cache (GC1EFF5). Den wollen wir natürlich loggen. Zuerst laufen wir daran vorbei, aber im zweiten Anlauf klappt es. Die gut zweieinhalb Kilometer sind ganz schön anstrengend. Das Geröll und die maroden Schienen der alten Lorenbahn machen das Fortkommen nicht gerade einfach. Es gibt auch niedrige Stellen und ich haue mir mehrfach den Kopf an. Der @geohamelenser meinte dazu nur: „Wer sich da nicht den Kopf einmal angehauen hat, der war nicht wirklich drin.“

Die Levada, die Felsbrocken, die Gleise. Bin schon bequemer gewandert.

Die Levada, die Felsbrocken, die Gleise. Bin schon bequemer gewandert.

In der Mitte

In der Mitte

Als wir aus dem Tunnel raus sind, erst einmal leichte Verwirrung. Welchen Weg nehmen? Das GPS ist hier nutzlos. Zwischen den hohen Felswänden findet es keinen Fix. Die Lösung: Kurz vorm Ende des Tunnels muss man durch ein Felsloch abbiegen.

Auf dem letzten Stück zur Schlucht gibt es einen Tunnel mit Zwangsdusche. Danach folgt ein unwirklicher kleiner Talkessel. Von überall hört man das Wasser rauschen. Dann stehen wir drin. Der Caldeirão do Inferno! Der ist zwar nicht so eng wie der Caldeirão Verde, dafür aber doppelt so hoch. Ich hatte daraufhin getwittert: „Kann man nicht erklären, muss man sehen.“ Das fasst es ganz gut zusammen, denke ich.

Diese Wanderung gehört zu den schönsten, die wir je gemacht haben.

Hier wird man nass – ob man will oder nicht

Hier wird man nass – ob man will oder nicht

Blick aus dem Tunnel

Blick aus einem Tunnel

In den kleinen vorgelagerten Talkessel fließt von überall Wasser hinein.

In den kleinen vorgelagerten Talkessel fließt von überall Wasser hinein.

Caldeirão Do Inferno

Caldeirão Do Inferno

Es zieht sich zu, Zeit für den Abstieg

Es zieht sich zu, Zeit für den Abstieg

So gefährlich ist es nun auch wieder nicht

So gefährlich ist es nun auch wieder nicht

Am folgenden Tag ist das Wetter in Funchal prächtig. Um die Berge haben sich weisse Wolken gelegt. Mit ein bisschen Glück sollte die Paul da Serra, eine Hochebene, über eben jenen Wolken sein. Dort gibt es eine Letterbox an einem kleinen Lost Place und einer der höchsten Berge der Insel. Also fahren wir hin. Die erste Straße, die wir versuchen, ist gesperrt. Mit ein bisschen Glück finden wir einen anderen Weg hinauf. Als wir durch die Wolkendecke stoßen, breitet sich vor uns eine komplett andere Landschaft aus.

Santo da Serra

Paul da Serra

Nachdem wir die Letterbox (GC46Q4F) mit schöner Geschichte in einem verlassenen Bauernhof geloggt haben, machen wir uns auf zum Pico Ruivo Do Paúl von dort hat man einen schönen Blick auf das Zentralmassiv. Da sind wir gestern unten drunter durch gegangen.

Zentralmassiv mit Pico Ruivo

Zentralmassiv mit Pico Ruivo

Der Weg zurück führt uns durch einen verwunschenen Wald, wieder ganz andere Landschaft.

Märchenwald – mit Levada

Märchenwald – mit Levada

Den Rückweg fahren wir über die Nordküste. Auch hier bieten sich großartige Ausblicke auf schroffe, aufregende Landschaft. In São Jorge müssen wir tanken. Wir fragen den Tankwart, wo man hier gut und traditionell essen kann. Er weist uns den Weg zur Kirche. Dahinter befindet sich das Casa De Palha. Wir bestellen Carne de Vinho e Alhos (Schweinefleischstücke gewürzt mit Knoblauch, Wein und Lorbeerblättern) und bekommen Kraut und Süßkartoffeln dazu gereicht. Genial!

Großartiges Abendessen!

Großartiges Abendessen!

Abends gehen wir noch runter nach Funchal. An einer Bar legt ein DJ unter freiem Himmel auf. Es ist angenehm warm, wir sitzen draußen und freuen uns, dass der 23. November ist.

Am nächsten Morgen hat sich ein U-Boot der portugiesischen Flotte vor unser Frühstücksfenster verirrt. Später sehen wir, dass es von einem Lotsenboot abgeholt wird.

Frühstück mit U-Boot

Frühstück mit U-Boot

Heute lassen wir es wieder ruhig angehen. Einige Ecken von Funchal haben wir noch nicht gesehen und in der Markthalle waren wir auch noch nicht. Ausserdem droht von Norden wieder Regen. In der Bucht von Funchal ist es aber mehr als angenehm, sonnig und trocken.

Markthalle Funchal

Markthalle Funchal

Fischmarkt Funchal

Fischmarkt Funchal

Sissy!

Sissy!

Diese Burschen gibt es hier überall

Diese Burschen gibt es hier überall

Touri-Flotte

Touri-Flotte

Abends suchen wir uns ein Restaurant. Das, was uns das Web empfiehlt, hat leider ausgerechnet heute geschlossen. Nach einiger Suche in ein paar Nebengassen werden wir fündig. Hier ist es ein bisschen touristischer, trotzdem ist wenig los, der Preis OK und das Essen lecker. Wir wollen das berühmte Filete de Espada (Filet vom schwarzen Degenfisch) probieren. Wieder gibt es Süßkartoffeln dazu. Unverarbeitet haben wir die Fische heute auf dem Fischmarkt schon gesehen. Dieses hässliche Vieh ist aber wirklich lecker!

Degenfisch – sieht fies aus, ist aber lecker!

Degenfisch – sieht fies aus, ist aber lecker!

Den letzten Tag auf der Insel wollen wir noch nutzen. Unser Flug nach Lissabon geht erst um Mitternacht. Im Hostel haben wir Mona kennen gelernt. Wir haben uns ein bisschen angefreundet und beschließen heute zusammen eine kleine Runde zu wandern. Unser Ziel ist Fanal, ein uralter Lorbeerwald auf 1130 Metern Höhe. Als wir dort ankommen, nieselt es. Wir brechen trotzdem auf. Die Wolken hängen immer tiefer und tauchen die alten Riesen in dichten Nebel. Wenn wir heute über die Wanderung sprechen, nennen wir die Gegend „Nebelwald“. Wir gehen noch zu dem kleinen See Lagoa. Aus dem Nieselregen ist ein ausgewachsener Guss geworden. Als wir am Auto ankommen, sind alle pitschnass. Wir fahren wieder runter zur Südküste nach Ponta do Sol. Da scheint tatsächlich die Sonne und wir trocknen unsere Klamotten auf einem Parkplatz. In einer Strandbar bei Ribeira Brava lassen wir den Nachmittag ausklingen.

Im Nebelwald

Im Nebelwald

Hier hat vor kurzem ein Waldbrand gewütet

Hier hat vor kurzem ein Waldbrand gewütet

Im Nebelwald sind wir ziemlich nass geworden

Im Nebelwald sind wir ziemlich nass geworden

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Ein letzter Blick auf den Atlantik in Ribeira Brava

Es ist ein ruhiger Nachtflug nach Lissabon. Gegen zwei Uhr sind wir da. Unser Anschluss nach Düsseldorf geht um Sieben. Also hauen wir uns in einer Wartezone hin und versuchen ein wenig zu schlafen. Eine Nacht am Flughafen wollte ich immer schon einmal verbringen.

Madeira wird nicht umsonst die Perle des Atlantiks genannt. In den paar Tagen hier haben wir so viele tolle Eindrücke gesammelt und noch längst nicht alles gesehen. Fazit: Wir kommen wieder!

Alles hat ein Ende . . .

Stellplatz am Stena Kai

Stellplatz am Stena Kai

Heute verlassen wir Norwegen. Zurück nach Hause wollen wir durch Dänemark fahren. Da bietet sich die Fähre Göteborg—Frederickhavn an, die wir schon vor einigen Tagen gebucht haben.

Also brechen wir von unserem Tierpark-Camp auf. Bald schon stecken wir im dichten Verkehr des Großraumes Oslo. Von dort ist es nicht mehr weit bis zur schwedischen Grenze. An der allerletzten Autobahntankstelle erstehe ich noch ein großes „N“ für die Toolbox, auf der ja alle durchreisten Länder als Aufkleber dokumentiert werden. Bei einigen dieser Souvenirs hatte ich schon gemogelt, weil wir entweder keinen Aufkleber bekommen oder es vergessen hatten. Aber im Web kann man ja alles kaufen.

Unsere Fähre geht erst am nächsten Morgen und es ist erst früher Nachmittag als wir uns Göteborg nähern. Da die Cachedichte hier ganz ordentlich ist, wollen wir ein paar Dosen suchen. Wir finden eine Letterbox (GC48DWZ) in nicht ganz so schöner Umgebung. Wir sind in der Hinsicht nach diesen fast drei Wochen aber auch ganz schön verwöhnt. Auf einer Landzunge bei Källsby suchen wir noch ein paar Tradis. Hier ist es jetzt richtig hübsch.

Found it!

Found it!

Hübsch hamses hier!

Hübsch hamses hier!

Cachen in Schweden bei Göteborg

Cachen in Schweden bei Göteborg

Zwischendurch hat die Tankanzeige sich gemeldet, es solle mal getankt werden. Bei einem Blick auf die schwedischen Dieselpreise hat uns aber der Ehrgeiz gepackt, erst in Dänemark an die Zapfsäule zu rollen. Also entleere ich den bis hierhin unbenutzten Reservekanister in den Tank und hoffe, dass das bis dahin reicht.

Am Checkin bei der Stena Line geht alles glatt. Wir können auf dem Wartestreifen für LKW übernachten. Die Waschräume im Fährhaus haben bis Mitternacht geöffnet, dann erst wieder früh um sechs. Dazwischen muss man sich bei Bedarf behelfen. Egal, wir stehen mitten in der Stadt direkt da wo wir morgen hinmüssen. Die E45 führt hier direkt vorbei. Eine Glaswand schützt vor dem Lärm. Hier sind wir vor drei Wochen durchgefahren, als wir aus Trelleborg kamen.

Blick aus der Schiebetür

Blick aus der Schiebetür

Langsam sinkt die Sonne. Wir beschließen, einen kleinen Stadtbummel zu machen. Direkt am Kai schließt sich ein schnuckeliges Viertel an, zwei Caches gibt es auch noch. Als wir vom Flanieren zurück zum Bulli gehen dann ein Schreckmoment. Was machen die Typen denn da an der Beifahrertür? Sind das nicht die selben, die mir eben schon aufgefallen sind? Die da so auffällig unauffällig auf dem Seitenstreifen geparkt haben? Und was ist das für ein längliches Ding, das der eine da in der Hand hat? Wir beschleunigen unsere Schritte. Als man uns bemerkt, verschwindet das Einbruchswerkzeug flugs im Kofferraum eines der inzwischen beiden Autos. Eines ist vorm Bulli geparkt, eines dahinter. Die wollten doch tatsächlich den Bulli klauen! Nachdem wir am Bulli angekommen sind, ist der Spuk schnell vorbei. Die Typen tun zwar so, als hätten sie es nicht eilig. Hätten die noch ein bisschen länger dort herumgegammelt, wäre mir auch eingefallen, die Kennzeichen zu fotografieren. Das ganze Sicherheitsgeraffel für die Balkantour war übrigens zu Hause geblieben. Schließlich sind wir im „sicheren“ Skandinavien. Noch mal gut gegangen! Die Nacht ist ruhig, trotzdem habe ich ein Messer in Griffweite. Man weiss ja nie.

Göteborg, Oscar Fredriks kyrka

Göteborg, Oscar Fredriks kyrka

Puh. Der Bulli ist noch da...

Puh. Der Bulli ist noch da…

Am nächsten Morgen rollen wir zur Fähre. Das Wetter hat sich eingetrübt, es ist kühl und regnerisch. Die Tankanzeige weist jetzt darauf hin, dass langsam wirklich mal getankt werde sollte. Aber ist jetzt erst einmal der Schiffsdiesel dran. Auf der zweistündigen Passage wird das Wetter zunehmend ungemütlich. Frederikshavn empfängt uns mit strömendem Regen. Eine Tankstelle finden wir nicht gleich, irren ein wenig durch die Stadt. Als wir eine gefunden haben, tanken wir 79,5 Liter. Der Tank fasst 80.

Good bye Göteborg

Good bye Göteborg

In Frederikshavn gießt es

In Frederikshavn gießt es

Auf der dänischen Autobahn ist nicht viel los. Je weiter wir Richtung Süden vorstoßen, klart es zunehmend auf. Eine Zwischenstation haben wir noch. Wir wollen Jorn und Freddie Pepper besuchen, die bei Eckernförde residieren. Es winkt eine Pizza, Reisegeschichten und nachher eine Liveübertragung des Dosenfischer-Konzertes vom Mega Event in Koblenz.

Bei Freddie Pepper zu Besuch

Bei Freddie Pepper zu Besuch

Nach einem schönen Abend und einem tollen Frühstück (Danke noch einmal!) geht es nach Strande. Es ist Kieler Woche und Freddie weiss, wo es morgens noch nicht so überlaufen ist. Wir essen Fischbrötchen und Eis, schauen uns das Treiben auf und am Wasser an.

Speedboat!

Speedboat!

Jetzt muss es aber leider der Heimat und dem Ende eines tollen Trips entgegen gehen.

Bus abfackeln leicht gemacht

solar

Am vergangenen Montag bin ich ausnahmsweise mit dem Bulli zum Büro gefahren. Normalerweise nehme ich das Fahrrad. Aber heute hatte ich anschließend noch etwas zu erledigen. Eine neue Sattelstütze für eben dieses Fahrrad kaufen, nämlich. Aber ich schweife ab.

Was macht man bei diesem prächtigen Wetter, wenn man in das aufgeheizte Fahrzeug steigt? Fenster runter, Musik an. Nach wenigen hundert Metern Fahrt bemerkte ich leichten Brandgeruch. Eindeutig ein elektrischer Verbraucher, der da schmort. Schon Sekunden später steigt Rauch unter dem Ablagefach an der Beifahrerseite auf. Ich bin sofort rechts rangefahren und habe die Zündung ausgemacht. Nichts mehr. Nachdem ich im Motorraum nichts Verdächtiges bemerken konnte und auch im Innenraum kein Brandherd auszumachen war, beschloss ich die Fahrt erst einmal fortzusetzen. Beim Schließen der Fahrertür ging dann der Fensterheber auf der Beifahrerseite hoch. Häh? Kurz darauf wieder Rauch. Zündung aus, weg war er. Also ließ ich fortan die Finger vom Fensterheber und konnte so zumindest mein Ziel erreichen.

Hatte ich zunächst das Steuergerät in Verdacht, förderte eine Webrecherche eine viel wahrscheinlichere Möglichkeit zutage: Der Kabelbaum in der Tür! Also habe ich das Teil (7D0 971 120 EN) kurzerhand beim Freundlichen (nur da ist es neu zu bekommen) bestellt und mir einen Tag freigenommen.

Vorsichtshalber habe ich mir zunächst die Steuergeräte, die Verkabelung sowie meine An- und Umbauten an der Beifahrerseite vorgenommen. Alles unverdächtig.

fehlersuche

Nach Ausbau der Kabelage inklusive Faltenbalg konnte ich auch gleich den Grund für die Rauchentwicklung feststellen. Der Faltenbalg war an einer nicht einsehbaren Stelle, dort wo er innerhalb der A-Säule verläuft, angeschmort.

schmorschlauch

Innen konnte ich die Ursache für die Schmorstelle auch schnell finden. Die schwarze Farbe auf der Kabelisolierung ist Ruß.

beifahrerseite

Das Verbauen des neuen Kabelbaumes ist eine Fummelei, dafür aber selbsterklärend.

Aber damit nicht genug. So wie die Beifahrerseite aussah, sollte die Fahrerseite zumindest einmal gecheckt werden. Als ich den zentralen Schalter für die Fensterheber und die Spiegelverstellung aus der Verkleidung gehebelt hatte, war ich einigermaßen schockiert. Eines der Kabel war bis zum Stecker abisoliert. Die Isolationsschicht einfach mal weggebrannt. Das folgende Bild zeigt die Mitte des Kabelbaumes zusammen mit dem Stecker für den zentralen Schalter.

fahrerseite

Da fehlte nicht mehr viel. Nicht auszudenken, wenn das auf die Zentralelektrik übergegriffen hätte. Schließlich endet der Faltenbalg auf der Fahrerseite genau dort.

Hatte ich mit Blick auf die Beifahrerseite noch über eine Reparatur des zweiten Kabelbaumes nachgedacht, war hier definitiv nichts mehr zu machen. Glücklicherweise hatte ein Händler in einer Nachbarstadt genau dieses Teil (7D0 971 120 EC) auf Lager. Also bin ich mit dem halb ausgeweideten Bulli dort hin und konnte so auch diese Gefahrenstelle beseitigen. Jetzt funktioniert alles wieder prächtig und auch die Musik klingt wieder viel besser. Schließlich laufen die Lautsprecherkabel auch dort durch.

Fazit: Sobald die Zentralverriegelung spinnt (hatte ich immer auf korrodierte Türkontakte geschoben) oder sich irgendwelche Verbraucher in den Türen merkwürdig verhalten, sollte man einen Blick auf die Verkabelung werfen. Das gilt wohl nicht nur für Busse.

Rauf in den Herbst und wieder runter zum Zoo

Wir müssen voran kommen. Ab jetzt bestehen unsere Tage im Wesentlichen aus Fahretappen. Wir wollen es heute bis hinter Trondheim in den Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark schaffen. Das sind von unserem Lagerplatz auf der Landzunge ungefähr 500 Fahrkilometer.

Niedlicher Zaungast.

Zaungast bei Kongsmoen

Nach einem kurzen Halt in Kongsmoen, den Cache auf dem Friedhof finden wir nicht, geht es über die Fv 17 weiter in Richtung Steinkjer. Je weiter wir in Richtung Inland kommen, um so weniger rau und felsig ist die Landschaft.

Die Hammarsbrua ist eine der längsten erhaltenen überdachten Holzbrücken ohne Mittelpfeiler. So steht es zumindest auf den Schildern, die am Eingang zu sehen sind.

Die Hammarsbrua ist eine der längsten erhaltenen überdachten Holzbrücken ohne Mittelpfeiler. So steht es zumindest auf den Schildern, die am Eingang zu sehen sind.

Zwischendurch besuchen wir einen Brückencache, der ausnahmsweise mal nicht unter der Brücke liegt (GC141QR).

Ab hier wird es wieder deutlich besiedelter. Die Stadt Steinkjer und der Großraum Trondheim liegt vor uns. Wir folgen der Fv 17 nicht ganz bis zu Ende und kürzen zur E6 ab.

Typischer Vorratsraum im Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark

Typischer Vorratsraum im Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark

Nachdem wir Trondheim durchfahren haben und es wieder mehr Gegend zu sehen gibt, biegen wir bei Oppdal von der E6 ab und fahren in das Hochgebirge, in dem der Nationalpark Dovrefjell-Sunndalsfjella liegt. Das Wetter ist kühl und feucht, die Straßen eng. Es gibt kaum Platz zum Übernachten. Auf einem Parkplatz zwischen Lønset und Storli, hoch über dem Bergsee Dalsvatnet, finden wir ein ruhiges Plätzchen für die Nacht.

Gebirgiges Camp im Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark.

Gebirgiges Camp im Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalpark.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf, die Gegend ein wenig zu erkunden. Wir besuchen einen Cache bei einem Wasserfall (GC27X7V). Es ist nach wie vor kühl und feucht. Es reicht uns mit dem Herbst mitten im Sommer so dass wir vom Gebirge Abschied nehmen und unseren Weg in Richtung Oslo fortsetzen.

Knorrige Scheune bei Oppdal

Knorrige Scheune bei Oppdal

Svinfallet bei Oppdal

Svinfallet bei Oppdal

Auf der Strecke wollen wir die Pausen mit ein paar Caches verbinden. Da bietet sich der Magalaupet (GC2TAY3) an, eine Felsklamm, durch die der Fluss Svåne zwängen muss. Schon auf dem Weg zur Enge, der durch üppige Vegetation führt, kann man das Tosen der Wassermassen hören.

Die Klamm ist nicht gesichert und die Felsen nass und glitschig. Vorsichtig arbeiten wir uns an den Rand heran um einen Ausblick auf das Inferno zu erhaschen. Aber wie so oft gibt es die beste Aussicht vom Cache aus, der auf einer kleinen Anhöhe etwas abseits liegt.

Wenn man im Magalaupet liegt, dürfte der auch nicht mehr viel helfen . . .

Wenn man im Magalaupet liegt, dürfte der auch nicht mehr viel helfen . . .

 

Die Wassermassen müssen hier durch 150 cm durch.

Die Wassermassen müssen hier durch 150 cm durch.

Weiter geht es die E6 entlang. Neben der Straße tost die Svåne. Es ist nicht viel Verkehr, aber plötzlich stehen wir im Stau. Einige hundert Meter vor uns hat es einen Unfall gegeben. Nur Minuten später braust ein Rettungshubschrauber heran, es scheint also ernst zu sein. Was wirklich passiert ist, finden wir nicht heraus, auch nicht als wir später die Unfallstelle passieren. Trotz der Abgelegenheit der Stelle haben die Rettungskräfte in Windeseile ganze Arbeit geleistet.

Die Bahnhöfe in der Gegend sind urig und passen gut in die Landschaft.

Die Bahnhöfe in der Gegend sind urig und passen gut in die Landschaft.

 

Der Heil war binnen Minuten am Ort des Geschehens.

Der Heil war binnen Minuten am Ort des Geschehens.

Wir sind unterwegs zu einem Lost Place. Eine Bunkeranlage deutscher Bauart aus dem Zweiten Weltkrieg wollen wir uns anschauen. Ein Cache dort wäre auch drin (GC12NPR). Als wir die Zufahrt erreichen, ist sie abgesperrt. Mehr noch, Militärposten sichern. Auf dem Areal wird wohl geübt. In der Ferne sind mobile Raketenwerfer und noch so einiges anderes Kriegsgerät auszumachen. Mift.

Uns bleibt nichts anderes übrig, als unseren Weg Richtung Süden fortzusetzen.

In der Gegend spielen heute andere. Kein Rankommen an den Lost Place.

In der Gegend spielen heute andere. Kein Rankommen an den Lost Place.

Wir möchten heute vor Oslo nächtigen, dort scheint die es noch einigermaßen ländlich zuzugehen. Hinter Hamar machen wir uns auf die Suche.

Die Hamar Olympiahall, besser bekannt als Vikingskipet ist eine der größten Eislaufhallen der Welt.

Die Hamar Olympiahall, besser bekannt als Vikingskipet, ist eine der größten Eislaufhallen der Welt.

 

Auf Schlafplatzsuche

Auf Schlafplatzsuche

Trotz der ausgedehnten Wälder in der Gegend finden wir nichts Geeignetes. Bei Tangen gibt es einen Tierpark, der wohl momentan geschlossen hat. Aber er verfügt über einen großen Parkplatz mit Buschreihen dazwischen. Hier lassen wir uns nieder. In der Nacht regnet es ein wenig und wir schlafen ganz hervorragend bei dem Getröpfel auf dem Bullidach.

Als nächstes verlassen wir Norwegen, suchen uns eine Fähre und um ein Haar hätte man uns den Bulli geklaut.

 

Magisches Licht und Abschied von den Fjorden

Die Sonne lugt durch die dicken schwarzen Wolken

Skandinavische Lichtstimmungen

Morgens brechen wir in Richtung Nesna auf. Wir überqueren nochmals den Pass. Ein paar Kühe liegen auf der Straße.

Kühe liegen entlang der Straße auf dem Pass Richtung Nesna

Kühe liegen entlang der Straße auf dem Pass Richtung Nesna

Unten in Nesna regnet es heftig. Wir lösen die Tickets für die Fähre durch das einen Schlitz geöffnete Fenster der Fahrertür. Sonst wäre alles nass geworden. Die junge Frau, die in Regenjacke und mit Ticketdrucker bewaffnet zwischen den Autos den Fahrpreis einsammelt, ist bei dem Wetter nicht zu beneiden. Während der Fährüberfahrt klart es jedoch merklich auf. Levang begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein. Am Anleger liegt ein Cache (GC3A9EM) mit einem besonders schönen Versteck.

Kurz hinter Levang. Mit Sonne geht alles besser.

Kurz hinter Levang. Mit Sonne geht alles besser.

Von hier aus geht es jetzt weiter in Richtung Sandnessjøen. Kurz vor dem Städtchen überqueren wir die spektakuläre Helgelandsbrua, eine Brücke mit einer Kurve. Wir fahren drüber; unterwegs gibt es grandiose Aussichten. Am anderen Ende wenden wir: Nochmal, nochmal!

Auf der Helgelandsbrua

Auf der Helgelandsbrua

Die Kurve auf der Helgelandsbrua

Die Kurve auf der Helgelandsbrua

Die Brücke führt uns auf die Insel Alsten. Zunächst durchqueren wir das Städtchen Sandnessjøen und folgen der hier schnurgerade verlaufenden Fv17. Direkt an einem Flugplatz, den wir passieren, gibt es einen Campingplatz. WTF?

Am Fähranleger in Tjøtta liegt die Fähre zum Einfahren bereit. Zum ersten Mal erleben wir, dass eine Fähre voll ist und nicht alle mitnehmen kann. Uns auch nicht. Wir müssen warten, bis die Fähre zurück kommt. Kein Cache weit und breit, also kochen wir Kaffee und faulenzen im Bus.

Die Fährüberfahrt ist herrlich. Es weht ein steifer Wind, aber die Sonne scheint. Zwischen der Insel Pålmyro und dem Festland liegt eine Wand aus Nebel. Kurz vor  Forvik wird sie uns verschlucken.

Auf der Fähre von Tjøtta nach Forvik

Auf der Fähre von Tjøtta nach Forvik

Die sonnige Überfahrt ist wunderschön!

Die sonnige Überfahrt ist wunderschön!

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Die Nebelwand bei Pålmyro.

Es ist inzwischen früher Abend und die Fähre hat ausser uns noch viele große Wohnmobile transportiert. Wir suchen zunächst auf einem Hochplateau nach einem Schlafplatz. Wir biegen in einen vielversprechenden Weg ein (ohne Briefkasten, kein Haus zu sehen). Etwas entfernt entdecken wir dann doch ein Gehöft, zu dem dieser Weg wohl führt. Wenden geht nicht, also fahren wir ein Stück rückwärts zurück. Dabei lasse ich mich nur kurz ablenken. Das rächt sich sofort mit dem linken Vorderrad im Drainagegraben. Wir sitzen fest. Die Achse liegt auf. Zum Glück bekomme ich mit dem Reifen bei einem bestimmten Einschlag noch Grip am Grabenrand und wir kommen gerade so raus.

Auf der Suche nach einem Schlafplatz passieren wir eine geeignete Stelle, wo sich aber alle anderen Wohnmobile von der Fähre versammelt haben. Das muss dann auch nicht sein und wir schauen uns weiter um. Dann stehen wir am Fähranleger Åndalsvåg und beschließen, die kurze Überfahrt nach Horn auch noch heute zu machen.

Wir fahren jetzt auf Brønnøysund, einer größeren Stadt, zu und wollen vorher noch ein schönes Plätzchen zum Pennen finden. Wir finden einen historischen Marktplatz mitten in der Pampa, einen Wanderparkplatz nahe der Straße und einen Süßwassersee mit einigen Ferienhäusern nahe des Ufers. Aber auch ein paar vielversprechenden Stellflächen direkt am Wasser. Wir treffen ein paar Leute, die in der Nähe einen Wohnwagen stehen haben. Sie meinen, es wäre kein Problem hier für eine Nacht zu „parken“, der Besitzer hätte sicher nichts dagegen. Und so war es dann auch. Wir stellen uns hin, haben einen Sonnenuntergang (ungewohnt inzwischen) und anschließend eine geruhsame Nacht.

Binnenseecamp bei Brønnøysund

Binnenseecamp bei Brønnøysund

Hier wird es zum ersten Mal wieder nennenswert dunkel.

Hier wird es zum ersten Mal wieder nennenswert dunkel.

Der nächste Tag ist grau und wolkenverhangen. Wir fahren zunächst nach Brønnøysund hinein, tanken Diesel sowie Wasser und kaufen ein. Dann folgen wir der Fv17 weiter zu unserer letzten Inlands-Fährpassage von Vennesund nach Holm.

Heute ist es ein bisschen sehr grau entlang der Fv17.

Heute ist es ein bisschen sehr grau entlang der Fv17.

Die Abfertigung unserer letzten Inlandspassage hat schon begonnen als wir eintreffen.

Die Abfertigung unserer letzten Inlandspassage hat schon begonnen als wir eintreffen.

Es ist Nachmittag als wir in Holm eintreffen, trotzdem halten wir entlang der Strecke schon Ausschau nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Wir sind ein bisschen erschöpft und möchten uns einfach ein wenig ausruhen. Ausserdem wollen wir versuchen, noch eine Nacht an einem Fjord zu verbringen. Kurz hinter Foldereit nehme ich im Augenwinkel  einen Weg wahr, der von der höher gelegenen Straße herunter zum Fjord führt. „Astrid, schau dich mal um. Ist da unten ein Haus?“ Da ist kein Haus.

Wir drehen, fahren den Weg herunter und finden uns auf einer felsigen Landzunge (N64 55.621 E12 20.312) nahe der Wasserlinie wieder. Es ist ziemlich windig und ich checke vorsichtshalber einmal den Tidenhub hier. Sowohl die Gezeiteninfo aus dem Netz als auch die Spuren an den Felsen lassen die Stelle unkritisch erscheinen. Gerade ist Ebbe, aber die Flut sollte nur wenig über einem Meter höher stehen. Ein Lagerplatz am allerletzten Fjord, so genial gelegen! Glück muss der Mensch haben!

Am Abend verziehen sich die Wolken, die tief stehende Sonne zaubert abermals eine grandiose Lichtstimmung in die Landschaft. Wir genießen den Kontrast des Lichts mit den tief liegenden, dunklen Wolken.

Perfekter Lagerplatz auf einer Landzunge am allerletzten Fjord auf der Route.

Perfekter Lagerplatz auf einer Landzunge am allerletzten Fjord auf der Route.

Ein Lichtspektakel kündigt sich an

Ein Lichtspektakel kündigt sich an

Die Sonne lugt durch die dicken schwarzen Wolken

Die Sonne lugt durch die dicken schwarzen Wolken

Die tief stehende Sonne taucht alles in eine unvergleichliche Lichtstimmung.

Die tief stehende Sonne taucht alles in eine unvergleichliche Lichtstimmung.

Herrliches Licht am Fjord

Herrliches Licht am Fjord

Frühstück am Fjord

Am nächsten Morgen: Frühstück am Fjord

Der folgende Tag bringt den Abschied von den Fjorden. Zumindest für diese Reise. Mal schauen, was das norwegische Inland uns zu bieten hat!

Bergfest und Trennung

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Als wir von Sandhornøya aufbrechen, fängt es gerade wieder an zu regnen. Wir haben die Zelte und die restliche Ausrüstung zum Glück noch in Sonne und Wind dieses Morgens trocknen können und sind gerade rechtzeitig mit dem Einpacken fertig geworden. So geht es jetzt wieder auf die Fv17. Das Wetter ist trüb. Trotzdem gibt es an der Route jede Menge zu sehen. Schneebedeckte Berge, aufgewühlte Fjorde, Nadelwälder und mächtige Wasserfälle.

In Ørnes suchen wir nach Angelbedarf

In Ørnes suchen wir nach Angelbedarf

Unsere Köder sind alle. Es ist Samstag und wir versuchen in einer Ladenzeile in Ørnes welche zu kaufen. Wir bekommen alles was wir brauchen, nur keine Köder. Etwas weiter finden wir einen Sportladen, der leider schon um 15 Uhr geschlossen hat. Bei Glomfjord verlassen wir die Hauptstraße und fahren auf der alten Passtraße in den Ort hinein. Der Tunnel, den man unterhalb gebaut hat, ist dem Örtchen sichtlich schlecht bekommen. Es wirkt ein bisschen verlassen und heruntergekommen. Der Durchgangsverkehr fehlt wohl. Wir überlegen, unter wievielen solcher Örtchen wir wohl schon unbemerkt hindurch gefahren sind. Auch hier gibt es nirgends Köder zu kaufen. 

Nach einer engen, kurvigen Passage zurück hinunter zur Fv17 geht es in den Svartistunnelen, der fast acht Kilometer lang ist.

Die Einfahrt zum langen Tunnel

Die Einfahrt zum langen Svartistunnelen

Gegenüber des nun folgenden Fjords erstreckt sich der Svartisen. Ein riesiger Gletscher, dessen legendärer blauer Schimmer bei dem trüben Licht leider nur zu erahnen ist. Hier müssen wir bei Sonnenschein noch einmal hin!

Svartisen bei trüben Wetter

Svartisen bei trüben Wetter

Bei Ica dann gleich mehrere Supermärkte. Alles haben sie: Lebensmittel, Unterhaltungselektronik, Bekleidung und sogar ein wenig Outdoor-Gear. Aber keine Köder! Jetzt kommt uns die rettende Idee. Im nahen Furøy gibt es einen Campingplatz. Was, wenn der Kiosk dort Angelkram hat? Genau so ist es. Es gibt Köder zu kaufen, sogar vergleichsweise preiswert.

Gut gelaunt und frisch ausgestattet machen wir uns zum Fähranleger der ersten Überfahrt auf der Route entlang der Fv17 auf. Es ist nur ein kurzes Vergnügen, es dauert keine zehn Minuten bis Ågskardet. So langsam richten wir unsere Blicke wieder auf geeignete Schlafplätze, aber die Besiedelung und die Landschaft gibt nicht viel her. Also stehen wir wenig später am Fähranleger Jetvik. Die Fähre lässt sich noch am Rand des Hafenbeckens ausmachen; sie hat gerade Richtung Kilboghamn abgelegt. Es ist also Zwangspause  angesagt. Haiko angelt im Hafenbecken und auch werfe meine Rute ein paar Mal aus. Ein paar kleine Makrelen an der Oberfläche deuten auf einen Schwarm weiter unten hin. Aber nichts. Haiko probiert es noch weiter. Astrid und ich beschließen den Felsen rechts vom Hafen zu besteigen. Die Aussicht gibt im Nieselregen nicht viel her. Aber zumindest haben wir ein bisschen Bewegung.

Fähre knapp verpasst

Fähre knapp verpasst

Als die Fähre endlich eintrifft, regnet es veritabel. Nur noch zwei weitere Autos mit drei Insassen möchten mit dem dafür völlig überdimensionierten Schiff übersetzen. Wir machen es uns in der großen Lounge bequem und wärmen uns auf. Auf dieser Passage verlassen wir den Nordpolarkreis.

Mit dieser Fähre verlassen wir den Nordpolarkreis.

Mit dieser Fähre verlassen wir den Nordpolarkreis.

Inzwischen ist es spät und in der Gegend nach dem Anleger müssten wir alsbald einen Schlafplatz finden. Wir fahren von der Hauptstraße ab. Das kleine Sträßchen führt immer weiter hoch und somit in die tief hängenden Wolken. Ein paar geeignete Plätze passieren wir, immer schon von einem oder mehreren Wohnmobilen belegt.

Schließlich finden wir den Parkplatz einer Schule bei Haugland. Hier beginnt ein Wanderweg, an dem Tina und Haiko ihr Zelt aufbauen. Es regnet durchdringend. Nach Nudeln mit Pesto und einigen Bieren beschließen wir den Tag und hoffen auf besseres Wetter und mehr Glück.

Der nächste Morgen präsentiert sich etwas freundlicher. An einem Parkplatz in der Nähe finden wir neben Sanitär einen guten Lagerplatz etwas abseits. Wir wollen heute aber weiter. Und Angeln. Ein Stück weiter auf der 17 weist ein Schild mit einem an der Angel zappelnden Fisch auf einen Parkplatz. Ein schick zurecht gemachter Angelplatz mit Granitmöbeln, die dem Fels angepasst wurden, lädt zum Baden der Köder ein. Wir versuchen uns abermals im Fischfang, haben wieder kein Glück. An dieser Stelle sei aufgelöst, dass es auf dem Rest der Reise keinen frischen Fisch mehr geben wird.

Hier werden wir heute nichts fangen.

Hier werden wir heute nichts fangen.

Jemand anderes hatte aber kürzlich Erfolg hier.

Jemand anderes hatte aber kürzlich Erfolg hier.

Auf dem Parkplatz trennen sich unsere Wege zunächst. Wir wollen ein paar Caches in der Gegend suchen, das ist in den letzten Tage zu kurz gekommen. Tina und Haiko erkunden den weiteren Verlauf der Strecke und suchen nach besseren Fischgründen. Einige Stunden später treffen wir uns auf einem Parkplatz. Die beiden sind gerade im Gespräch mit einem redseligen Local. Neben allerlei unglaublicher Geschichten hat er einen Tipp für einen Lagerplatz unweit von Nesna. Also los. Über einen Pass hoch über dem Fjord erreichen wir die kleine Hafenstadt. Das potenzielle Lager entpuppt sich als moskitoverseuchtes, etwas angemülltes Stück Wiese mit niedrigen Bäumen und Sträuchern ganz in der Nähe der Wohnbebauung. Das gefällt uns nicht. An der anderen Seite der Landzunge gibt es einige Caches. Ausserdem verheisst die Karte dort geringe Siedlungsdichte. Astrid und ich werden die Gegend cachend erkunden, Tina und Haiko versuchen ihr Angelglück nochmals im Hafen. Die Caches waren nett, aber einen Lagerplatz gibt es in der landwirtschaftlich genutzten Landschaft nicht. Wir erinnern uns an einen Parkplatz bei einem Cache, 30 Kilometer zurück auf der Fv17. Als wir uns im Fährhafen von Nesna wieder treffen, schlagen wir diesen als Schlafplatz vor. Mangels Alternative machen wir uns auf den Weg und werden die Nacht unweit eines tosenden Flusses verbringen.

Der tosende Fluss unweit des Lagers

Der tosende Fluss unweit des Lagers

Am oberen Lauf des Wasserfalls sind wir unterwegs zu einem Cache.

Am oberen Lauf des Wasserfalls sind wir unterwegs zu einem Cache.

Als wir unser Lager aufgeschlagen haben, teilen uns Tina und Haiko einen Entschluss mit. Sie möchten nach Hause. Das Wetter und die langwierige Suche nach einer zeltkompatiblen Bleibe haben an ihren Nerven genagt. Das können wir gut verstehen, finden es aber schade, dass die gemeinsame Reise hier nun enden soll. Der Ausstiegspunkt ist aber gut gewählt. Im nahen Mo I Rana gibt es gleich mehrere Möglichkeiten, über gut ausgebaute Europastraßen schnell wieder gen Süden zu gelangen.

Die Dachlatte im Einsatz

Die Dachlatte im Einsatz

So wird es unser letzter gemeinsamer Abend in Norwegen. Wir machen das beste draus und feiern. Die Biervorräte wollen bei dieser Gelegenheit dezimiert werden. Ein kleines Gewitter zieht auf. Wir machen es uns im Bulli gemütlich und warten den Guss ab.  Gegen Mitternacht endet unsere Abschiedsfeier. Wir werden am nächsten Morgen noch gemeinsam frühstücken, dann geht es für uns allein weiter.

Regenbogen nach dem Gewitter

Regenbogen nach dem Gewitter