Es gibt Dorsch!

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Es ist ein grauer Tag, als wir uns Richtung Fähranleger Moskenes aufmachen. Heute werden wir die Lofoten verlassen und ab Bodø auf der Fv17 in Richtung Süden fahren.

Wir durchqueren Fischerdörfer, passieren ausgedehnte Tørrfisk-Anlagen und haben noch einmal tolle Ausblicke auf die zerklüftete Südspitze der Lofoten. Wir suchen zwei Caches, finden aber nur einen und machen Halt im berühmten Reine, kurz vor Moskenes.

Tørrfisk über und über

Tørrfisk über und über

Blick über Reine

Blick über Reine

In Moskenes reihen wir uns in die Fähr-Warteschlange ein und vertreiben uns die Wartezeit mit Kaffeetrinken und Reisemobile gucken. Als die Fähre anlegt, sind unter den ausfahrenden Autos auch einige Teams der Baltic Sea Circle Rallye. Das interessiert uns besonders, schließlich sind Freunde von uns im Frühjahr die Allgäu-Orient mitgefahren. Wer aber 7500 km in 15 Tagen fahren muss, der hat keine Zeit zum Anhalten.

Teilnehmer der Baltic Sea Circle Rallye kommen von der Fähre

Teilnehmer der Baltic Sea Circle Rallye kommen von der Fähre

Cabrios scheinen beliebt auf der Baltic Sea Circle.

Cabrios scheinen beliebt auf der Baltic Sea Circle.

Moskenes

Moskenes

Es ist eine ruhige Überfahrt. In 3,5 Stunden erreichen wir Bodø. Unterwegs gibt es wieder Wale zu sehen. Dieses Mal kann ich auch mit der Kompaktkamera eine Ahnung davon erhaschen.

Das ist eine Walflosse. Glaube ich.

Das ist eine Walfinne. Glaube ich.

Am Fähranleger in Bodø klingelt das Telefon. Tina und Haiko haben einen Lagerplatz gefunden. Schön gelegen, Fischgründe um die Ecke. Und es gibt Fisch heute Abend! Wir machen uns auf den Weg.

Hinter Bodø passieren wir den berühmten Gezeitenstrom Saltstraumen. Ganz schön was los hier. Wir schauen uns das Gegurgele der Meerenge eine Weile an, heben den örtlichen Cache und machen dass wir fortkommen.

Trotz Vollgas stehen die beiden im Saltstraumen.

Trotz Vollgas stehen die beiden im Saltstraumen.

Ist schon beeindruckend, was die Norweger an Infrastruktur in die Landschaft zimmern.

Ist schon beeindruckend, was die Norweger an Infrastruktur in die Landschaft zimmern.

Das Lager befindet sich bei Sandvik auf Sandhornøya. Wir fahren über die Brücke auf die Insel. Es ist wenig los. Ein paar Häuser, ein Supermarkt. Über einen kleinen Pass geht es auf die andere Seite. Entlang der Straße erstreckt sich ein riesiger Sandstrand, von dem die Insel wohl ihren Namen hat. Etwas abseits der Straße, auf einer kleinen Grasfläche und direkt am Strand erspähen wir den Nissan. Auf der anderen Seite der Straße erhebt sich eine gewaltige Felswand. Tina und Haiko sind schon mit den Vorbereitungen für das Abendessen beschäftigt.

Ostküste von Sandhornøya

Ostküste von Sandhornøya

Unser Lager auf Sandhornøya (N67° 09.813 E14° 13.642).

Unser Lager auf Sandhornøya (N67° 09.813 E14° 13.642).

Es gibt drei große Dorsche und einen Köhler, die Haiko eben gefangen hat. So frischen Fisch haben wir noch nicht gegessen. Einfach so auf dem Grill zubereitet braucht er keine weitere Würze; nur ein bisschen grobes Salz. Köstlich!

Unser Grill besteht aus einigen großen Natursteinen. An vielen Plätzen, die sich als Lager anbieten, findet man bereits benutzte Feuerstellen vor. Die Roste haben wir mitgebracht.

Abendstimmung nach vorzüglichem Fischgenuss

Abendstimmung nach vorzüglichem Fischgenuss

In den folgenden Tagen gehen wir Angeln und wechselseitig am Strand spazieren. Zwischendurch wird es heftig regnen. Dann machen wir es uns in einem alt-ehrwürdigen Hauszelt gemütlich, das Tina und Haiko mitgebracht haben.

Immer abends landen Schlauchboote am Strand. Die Insassen tragen alle die gleichen Schwimmwesten, niemand steigt aus. Muss eine Touritour sein. Aber wozu? Hier sind doch nur wir. OK, und der Strand. Aber dafür sollte man doch aussteigen! Es dauert eine Weile, bis wir herausfinden, weswegen die Boote kommen. Astrid berichtet nach einem morgendlichen Strandspaziergang von einem riesigen Greifvogel, den sie bei einem Felsen aufgeschreckt hat. Und dann sehen auch wir sie!  In der Felswand beim Lager leben Seeadler. Bei besserem Wetter kreisen sie über unseren Köpfen. Die Boote kommen also von den Sea Eagle Safaris, die in Bodø angeboten werden.

Das Camp vom Strand aus gesehen. Da unten ganz klein.

Das Camp vom Strand aus gesehen. Da unten, ganz klein.

Einer der Seeadler kreist über unseren Köpfen bei Sandvik.

Einer der Seeadler kreist über unseren Köpfen bei Sandvik.

Ab hier wird das Bildmaterial etwas fischlastig. Phobiker mögen Abstand nehmen.

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Zwei Dorsche warten auf den Grill.

Mehrere Male sind Haiko und ich zum Angeln unterwegs. Manchmal kommen Astrid und Tina auch mit. Es ist mühsam. Unsere (meine?) mangelnde Erfahrung macht die Sache zudem materialintensiv. Ein ungeschickter Wurf oder ein unglückliches Einholmanöver und einer der Köder ist zum Teufel. Am Grund des Fjords oder im krautigen Ufer trifft es aber eher. Im örtlichen Supermarkt sind die Köder, die wir bevorzugen, ausverkauft. Immerhin sollten die dann die richtige Wahl gewesen sein. Wir experimentieren mit verschiedenen Gewichten und Farben und haben wechselndes Angelglück.

Jedenfalls gibt es jetzt jeden Abend Fisch. Wir variieren auch mit der Zubereitung. Ganze Fische auf dem Grillrost. Filets auf dem Grill. Filets mehliert und mit Knoblauch angebraten. Alles unglaublich lecker.

Mein allererster selbst gefangener Fisch. Zu klein, der darf zurück in den Fjord.

Mein allererster selbst gefangener Fisch. Zu klein, der darf zurück in den Fjord.

Haiko hat ein Prachtexemplar gefangen.

Haiko hat ein Prachtexemplar gefangen.

Wir nehmen den Fisch noch am Ufer aus.

Wir nehmen den Fisch noch am Ufer aus.

Tina versucht sich im Filetieren von Dorsch.

Tina traut sich zuerst an das Filetieren von Dorsch.

Vorfreude auf frischen Grillfisch.

Vorfreude auf frischen Grillfisch.

Auch ich probiere einen Dorsch zu zerlegen.

Auch ich probiere einen Dorsch zu zerlegen. Was ziemlich gut klappt.

Erstmal Kaffee.

Erstmal Kaffee auf Sandhornøya.

Weiter geht es auf der Fv17 bei nicht so schönem Wetter. Eine Trennung steht an.

Traumcamp auf den Lofoten

Tee kochen mit Wahnsinns-Aussicht

Tee kochen mit Wahnsinns-Aussicht

So sind wir nun endgültig an der berühmten Südspitze der Lofoten angekommen. Die Sonne scheint und weiße Wolken werden von einem frischen Wind über den weiten Himmel getrieben. Eben haben wir die kleine Kirche bei Flakstad angeschaut. Am Horizont deutet sich Ramberg an.

Die Kirche von Flakstad, Lofoten

Die Kirche von Flakstad, Lofoten

In dieser großartigen Landschaft werden wir dann fündig. Ein Weg führt von der Straße zum Meer herunter. Es gibt einen tollen Lagerplatz (N68° 06.243 E13° 15.127), wieder direkt am Felsenstrand. Wieder mit Blick nach Norden. Hier sind wir umringt von Bergen und genau zwischen zwei Orten. Es gibt genug Platz. Sogar Brennholz findet sich in der Nähe, so dass wir am Abend ein Feuer entfachen.

Unser Camp zwischen Flakstad und Ramberg

Unser Camp zwischen Flakstad und Ramberg

Die Berge vorm Camp

Die Berge vorm Camp

Die Berge hinterm Camp

Die Berge hinterm Camp

Nachmittags ruhen wir uns einfach ein bisschen aus, schlafen und lesen. Genießen den Moment. Mit dieser tollen Aussicht und dem ruhigen Plätzchen fällt das nicht schwer. Nur mit Angeln ist es hier wieder nichts. Zu flach.

Glasklares Wasser. Aber eiskalt!

Glasklares Wasser. Aber eiskalt! Und flach.

Astrid und ich beschließen, noch einen Tag zu bleiben. Haiko hat der Ehrgeiz gepackt. Es hat immer noch keinen fangfrischen Fisch gegeben. So möchte er gern gute Fischgründe finden, die es hier definitiv nicht gibt. Tina kommt mit und die beiden werden Morgen mit der Fähre Moskenes-Bodø wieder aufs Festland übersetzen. Wir haben noch einen tollen Abend mit Lagerfeuer und Mitternachtssonne.

Die magische Lichtstimmung der Mitternachtssonne.

Die magische Lichtstimmung der Mitternachtssonne.

Als wir morgens aufstehen, sind die beiden schon weg. Wir vertreiben uns den Tag mit Streifzügen durch die Gegend. Zwischendurch machen wir es uns in unserem Camp bequem und schauen aufs Meer.

Die Landschaft in der Nähe des Camps ist sumpfig und artenreich.

Die Landschaft in der Nähe des Camps ist sumpfig und artenreich.

Wollgras gibt es hier in Hülle und Fülle.

Wollgras gibt es hier in Hülle und Fülle.

Walknochen am Strand

Walknochen am Strand

Einsiedelei auf den Lofoten

Einsiedelei bei Ramberg

Strandfund

Strandfund

Strand an der Südspitze der Lofoten

Strand bei Flakstad

Austernfischer gibt es hier viele.

Austernfischer gibt es hier viele.

Austernfischer-Küken

Austernfischer-Küken

Steinmännchen

Steinmännchen

Abends ziehen spektakuläre Wolkenformationen auf. Es ist aber noch viel blauer Himmel dazwischen. Die Sonne sinkt wieder in Richtung Horizont und taucht alles in dieses unvergleichliche Licht. Es ist spektakulärer als alles, was wir vorher gesehen haben.

Die Berge vorm Camp, ungefähr um 23 Uhr.

Die Berge vorm Camp, ungefähr um 23 Uhr.

Spektakulär! Muss man mit eigenen Augen gesehen haben.

Unbeschreiblich! Muss man mit eigenen Augen gesehen haben.

Einfach nur ein geniales Bullibild aus Norwegen (bei Flakstad, Lofoten)

Sonnenunter- und aufgang gleichzeitig. Phantastisch!

Am nächsten Tag hat es sich zugezogen. Jetzt brechen auch wir auf und fahren nach Westen, dem Fähranleger entgegen. Beim Wiedersehen mit Tina und Haiko wird es endlich frischen Fisch geben!

Lost Place Camp(s)

Lost Place Camp bei Sigerfjord

Lost Place Camp bei Sigerfjord

In Andenes angekommen sind wir nach der beeindruckenden Landschaft Senjas etwas enttäuscht. Es ist recht flach, weiter in der Ebene erheben sich ein paar Berge. Trotzdem ist kein Platz für ein Camp. Besonders angelfreundlich sehen die flachen Strände, an denen wir vorbeifahren auch nicht aus.

Pattes Land auf Andøya

Pattes Land auf Andøya

In den folgenden beiden Tagen fahren wir durch nasskaltes Wetter weiter in Richtung Lofotenspitze. Zwei Übernachtungen an nicht so idyllischen Orten sind auch dabei. An einem verlassenen Steg bei Sigerfjord auf Hinnøya lässt sich abends wenigstens noch angeln. Aber die Dorsche, die dabei herausspringen, sind viel zu klein und dürfen wieder zurück in den Fjord.

Auf Schlafplatzsuche bei Stangerholmen stoßen wir auf große Dörrfischgestelle. Haben wir vorher auf der Reise noch nicht wahrgenommen. Ab hier werden sie zum Landschaftsbild gehören.

Tørrfisk bei Stangerholmen

Tørrfisk bei Laukvika

Unser Weg führt uns an Henningsvær vorbei, ein Ort den uns die norwegischen Wohnmobilisten von vor ein paar Tagen empfohlen haben. Er liegt auf einer Landspitze etwas westlich vom Fährhafen Solvær. Die Straße nach Hennigsvær führt über Felsen und durch tolle Landschaft. Allerdings wird es jetzt immer voller. Die Parkplätze sind bereits jetzt, ausserhalb der Saison, mit Wohnmobilen über und über gefüllt. Das ist nun so gar nicht unseres. Wir werfen einen Blick auf das Örtchen und machen, dass wir wieder in die Botanik kommen.

Blick auf Henningsvær

Blick auf Henningsvær

An diesem Tag haben wir auch kein schönes Plätzchen zum Schlafen gefunden. Erschöpft suchen wir hinter einem verlassenen Gemeindezentrum bei Vestersand Windschutz. Hier stellt uns die Bürgerwehr. Ein Mann in einem Range Rover will wissen, was wir hier machen. Na, übernachten! Er ist aber schon mit unseren deutschen Kennzeichen zufrieden. Angeblich marodieren Osteuropäer durch die Gegend, die alles Mögliche stehlen. Haben wir jedenfalls nicht gesehen.

Ich habe eine schlechte Nacht. Kann nicht schlafen, der Schlafsack taugt einfach nicht bei den Temperaturen. Fahrlässigerweise sind wir mit Sommerausrüstung zum Nordpolarkreis gefahren. Astrids Sommerschlafsack ist gerade warm genug, aber meiner ist 25 Jahre alt, durchgelegen und der Messing-Reissverschluss ist eine blöde Kältebrücke. In den folgenden wachen Stunden recherchiere ich nach Outdoor-Läden in der Nähe. In Leknes gibt es einen. Da fahren wir Morgen hin!

Noch ein Lost Camp bei Vestersand.

Noch ein Lost Camp bei Vestersand.

Der darauf folgende Tag entschädigt uns für das miese Wetter und das Camperpech vorher. Es ist aufgeklart. Auf dem Weg ins nahe Leknes überqueren wir einen Pass. Vor uns liegt eine grüne Ebene, in der sich wunderschöne Berge auftürmen. Zwischendurch durchbrochen von Fjorden. Das Wasser glitzert smaragdfarben in der Sonne. So weit das Auge reicht. Wir passieren das Wikingermuseum und mein Kollege Jochen haut mir heute noch auf den Hinterkopf, weil wir da einfach dran vorbei gefahren sind.

Zunächst wird Ausrüstung eingekauft. Haiko erwirbt eine komplette Angelausrüstung, ich einen Schlafsack mit Komfortgrenze +5°. Zum Glück sind diese Artikel im Verhältnis zum sonstigen norwegischen Preisniveau erschwinglich.

Hinter Leknes geht es dem schönsten Teil der Lofoten entgegen.

Hinter Leknes geht es dem schönsten Teil der Lofoten entgegen.

Hinter dem Städtchen geht es spektakulär weiter. Man kann sich gar nicht satt sehen. Wenn es jetzt nur noch einen geeigneten Lagerplatz gäbe . . .

Senja verpasst

Das erste Camp mit durchgehender Mitternachtssonne. Magisch!

Das erste Camp mit durchgehender Mitternachtssonne. Magisch!

Nachdem wir den schönen, aber kalten Lagerplatz bei Tromvik aufgegeben haben, wollen wir etwas mit durchgängiger Sonne finden. Dabei erweist sich unser Atlas als überaus hilfreich. Nach einigen Exkursionen auf verschiedenen Nebenstraßen, die immer in Orten oder Siedlungen enden, finden wir den nahezu perfekten Platz (N69° 37.262 E18° 03.908). Ein Stück Wiese, links ein kleines Stück Strand und rechts ein paar Felsen zum Angeln. Das Ganze mit freiem Blick nach Norden.

Perfekte Ausrichtung nach Norden!

Perfekte Ausrichtung nach Norden!

Unser Privatstrand

Unser Privatstrand

Camp in der Abendsonne

Camp in der Abendsonne

Was zum Teufel ist das für ein Vieh?

Was zum Teufel ist das für ein Vieh?

Während das Abendessen schon köchelt, versuchen sich Haiko und ich noch im Angeln. Hier geht es schon deutlich besser. Das Wasser ist hinter den Felsen schon ziemlich tief. Allerdings haben wir wieder die falsche Zeit, den falschen Ort, keine geeigneten Köder oder einfach nur Pech. Plötzlich haben wir bei fast jedem Wurf seltsame schwarze Gebilde am Haken, mit denen wir gar nichts anfangen können. Sehen ein bisschen, aus, als hätte H. R. Giger sie ersonnen. Keine Augen, Kiemen
erkennbare Gliedmaßen. Eines hat wohl gebissen und lässt sich nicht mehr vom Haken lösen, so dass wir es töten müssen. Andere haben am Körper gehakt und wir können sie wieder einsetzen. Wir geben die Angelei für heute auf.

In der Nacht zieht die Mitternachtssonne direkt vor uns über dem Horizont vorbei. Alles ist in ein magisches Licht getaucht, einfach wunderschön. Wir beobachten Seeotter beim Jagen im Meer. Neidisch sehen wir, wie einer mit Genuss seinen Fang verzehrt.

Der Seeotter hat sicher etwas gefangen. Wir blieben heute bis auf die Aliens leer aus.

Der Seeotter hat sicher etwas gefangen. Wir blieben heute bis auf die Aliens leer aus.

Am nächsten Morgen hat es sich ein bisschen zugezogen und der Wind ist auch nicht wärmer geworden. Nach dem Frühstück geht es auf die erste Inlandsfähre in Norge. Wir setzen von Botnhamn nach Brensholmen auf Senja über. Eine kleinere Fähre verkehrt hier. Wir machen es uns in der Lounge bequem.

Frühstück mit Privatstrand.

Frühstück mit Privatstrand.

Da kommt die Fähre nach Senja!

Da kommt die Fähre nach Senja!

Auf Senja angekommen finden wir die Berge in eine dicke Wolkenschicht gehüllt. Am Fähranleger gibt es ein beheiztes Sanitärhäuschen und Trinkwasser. Alles gratis. Die Insel war Teil der Route auf unserem Weg Richtung Lofoten. Wir hätten uns hier mehr Zeit nehmen sollen. Zwar ist das Wetter gerade nicht sehr freundlich, aber die Landschaft ist grandios. Wir haben jedoch schon die nächste Fähre nach Andenes im Auge und geben Gas. Dabei hätten wir die Wolken besser ignoriert und uns auf dieser Insel mehr umsehen sollen. Es ist wenig los, die Siedlungsdichte ist gering und es hätte sicher einen schönen Lagerplatz hier und da gegeben. Ein Grund mehr, hierher zurück zu kommen.

(Viel zu) kurze Pause auf Senja.

(Viel zu) kurze Pause auf Senja.

Interessante Einrichtung bei den engen Tunneln auf Senja: Radfahrer können den roten Knopf rechts unten drücken. Dann blinkt das Licht am Warnschild und jeder weiss, dass im Tunnel jemand radelt. Am Ende des Tunnels ist ein zweiter Knopf, mit dem man das Licht wieder aus machen kann.

Interessante Einrichtung bei den engen Tunneln auf Senja: Radfahrer können den roten Knopf rechts unten drücken. Dann blinkt das Licht am Warnschild und jeder weiss, dass im Tunnel jemand radelt. Am Ende des Tunnels ist ein zweiter Knopf, mit dem man das Licht wieder aus machen kann.

In der Schlange am Anleger auf Senja.

In der Schlange am Anleger auf Senja.

Die Fähre nach Andenes erreichen wir knapp. Es es ist ganz gut Seegang und ich folge Haiko auf Deck. Mir fällt es schwer, das Rollen der Fähre beim Gehen auszugleichen. Immer wieder muss ich mich irgendwo festhalten. Bei solcher See war ich lange auf keinem Schiff mehr. Wenigstens werde ich nicht seekrank. Mein kleines altes Fernglas leistet mir jetzt gute Dienste. Etwa auf der Hälfte der Passage kann man die Wale blasen sehen. Weit draussen auf See, mit dem bloßen Auge kaum auszumachen.

Von Gryllefjord geht’s rüber nach Andenes.

Von Gryllefjord geht’s rüber nach Andenes.

Weiter geht es auf den Lofoten, wo wir zunächst an zwei Lost Places gecampt haben.

Utepils

Das Utepils Dosenbier der Brauerei Grans

Das Utepils Dosenbier der Brauerei Grans

Mit Bier ist das in Norwegen so eine Sache. Einerseits bekommt man den Eindruck, der Gerstensaft wird hier mit Gold aufgewogen. Es ist wirklich sehr, sehr teuer. Andererseits ist Dosenbier ein beliebter Artikel, es gibt eine breite Auswahl und die Leute kaufen es auch.

So verwundert es nicht, dass es im Norwegischen ein Wort gibt, das sich nicht übersetzen, nur umschreiben lässt. Utepils ist das erste Bier im Jahr, das man nach einem langen skandinavischen Winter draussen trinkt. Über den Sommer kann man es aber auch verwenden, um jedes Bier zu bezeichnen, das man draussen trinkt.

Die Brauerei Grans hat aus dem populären Wort ein Produkt gemacht. Da dies sehr lecker und vergleichsweise preiswert ist, haben wir es unterwegs das ein ums andere Mal gerne genossen.

Zähneklappern auf Kvaløya

Brücke über den

Brücke über den Tromsøysund

Nach einem Frühstück bei strahlendem Sonnenschein brechen wir von unserem ersten Fjordcamp nach Tromsø.
auf. Die Nacht war kühl, aber auszuhalten. Die beiden Zeltbewohner sehen das anders. Ich werde meine Meinung in einer der kommenden Nächte auch noch ändern. Jetzt trübt kein Wölkchen den Himmel und die nordische Sonne tut was sie kann.

Bevor wir über die Brücke über den Tromsøysund überqueren, biegen wir bei einer Tankstelle ab. Wir müssen zwei Flüssigkeiten auffüllen. Wasser und Diesel gehen zur Neige. Der Tankwart ist fast beleidigt, als ich ihn frage ob das Wasser am Aussenhahn Trinkwasser sei. Um eine gescheite Wasserversorgung muss man sich in Norwegen keine Gedanken machen.

Der Autoverkehr findet hier unter der Erde statt.

Der Autoverkehr findet hier unter der Erde statt.

In Tromsø fahren wir die Umgehungsstraße. Das ist hier aber eine Untergehungsstraße. Unter der Stadt gibt es ein Tunnelsystem mit Verbindungen in alle Stadtteile, inklusive Ampeln und Kreisverkehren. Ein stadtnaher Parkplatz ist schnell gefunden und wir machen uns auf ins Zentrum. Es gibt einiges zu besorgen. Haiko hat bei den ersten Angelversuchen gestern etwas an Ausrüstung eingebüßt, was ersetzt werden will. Eine norwegische SIM-Karte brauchen wir auch noch. Der mobile Router soll unser Camp schließlich auch hier mit WLAN versorgen. Die mitgeführte Norwegen-Straßenkarte hat sich als deutlich zu grob erwiesen. Tina erwirbt in einer Stadt-Tankstelle ein deutlich detaillierteres Exemplar. Die sollte für die Suche nach Camps deutlich besser taugen. Zu guter letzt möchten die Mädels nach Postkarten schauen.

Stadtansichten Tromsø

Stadtansichten Tromsø

Vorher müssen wir uns aber mit Norwegischen Kronen versorgen. Am besten geht das wohl mit einem Geldautomat (norwegisch: Minibank). Denkste! Der will unsere EC-Karten nicht, obwohl ein Maestro-Logo drauf ist. Die zweite Minibank funktioniert mit Tinas und Astrids Karte, meine wird verweigert. Das mag am schwächelnden Magnetstreifen liegen. Nützlicher sind hier ohnehin Kreditkarten, mit denen man jeden Furz und Feuerstein bezahlen kann.

Frisch ausgerüstet machen wir uns auf Schlafplatzsuche. Es geht nordwärts auf die Insel Kvaløya. Wir wollen um das Dorf Tromvik nach einem geeigneten Platz suchen. Am Ende des Kaldfjords, wo sich mächtige Berge erheben und ein sich Wasserfall donnernd talwärts ergießt, liegt ein Cache. Ich funke zum Nissan, dass ich gerne anhalten würde. Die Autos werden auf dem Seitenstreifen geparkt und ich mache mich Richtung Cache (GC26GJ4) auf. Als ich zurückkomme sind sich alle einig: Hier ist ein idealer Lagerplatz! Hätte ich mal mehr auf die Gegend und weniger auf den Cache geachtet! Aber so ist’s auch gut, haben ja was gefunden.

Der Wasserfall hinter dem Camp

Der Wasserfall hinter dem Camp

Aussicht vom Camp über den Fjord

Aussicht vom Camp über den Fjord

Wir parken also auf einer felsigen Ebene, hinter uns der Wasserfall vor uns der Fjord. Selbiger ist nach Nordosten ausgerichtet, wichtig für die Mitternachtssonne. Wir vertreiben uns den Nachmittag mit Faulenzen in der Sonne.

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Das Camp bei Tromvik

Abends verschwindet die Sonne hinter einem Berg und wir stehen komplett im Schatten. War es vorher im T-Shirt fast zu warm, frieren wir nun bitterlich. Wenigstens hält das die Moskitos im Zaum. Auf der anderen Straßenseite sammelt sich das Wasser vom Berg in einem felsigen Becken bevor es Richtung Meer abfließt. Daher sollte es hier reichlich dieser Plagegeister geben. Dafür gibt es aber Kriebelmücken, die sich auch nicht um Autan kümmern und einfach beherzt zubeissen. So schnattern wir um die Wette und warten darauf, dass die Sonne wieder auf der anderen Seite hoch kommt.

Im Schatten ist es, naja, schattig.

Im Schatten ist es, naja, schattig.

Gegen Abend registrieren wir mehr Verkehr auf dem sonst recht ruhigen Sträßchen, an dem unser Lager liegt. Das wiederum liegt an einem Aussichtspunkt, der an der Spitze der Insel liegt. Von dort aus hat man bestimmt einen schönen Blick auf die Mitternachtssonne, wir ziehen unser Lager vor. Und tatsächlich, gegen halb Zwölf in der Nacht lugen die ersten Sonnenstrahlen wieder hinter dem Berg hervor. Das wurde auch Zeit, es dürfte sich inzwischen auf 3 Grad abgekühlt haben. Wir genießen den Anblick eine Weile und gehen dann Schlafen.

Endlich wieder Sonne!

Endlich wieder Sonne!

Am nächsten Morgen wird in aller Ruhe ausgeschlafen. Kein Wölkchen trübt den Himmel und es wird gegen 10 Uhr schon fast ein bisschen zu warm im Bulli. Draussen ist es herrlich und die Solardusche erfrischt. Gemütlich frühstücken wir und genießen das Wetter und die Aussicht. Haiko und ich versuchen uns im Angeln. Leider kommen wir ohne Beute ins Lager zurück.

Morgens. Die Temperatur ist so angenehm, dass die Dusche regelrecht erfrischend ist.

Morgens. Die Temperatur ist so angenehm, dass die Dusche regelrecht erfrischend ist.

Erster Angelversuch. Leider versenken wir im krautigen Ufer deutlich zu viele Köder.

Erster Angelversuch. Leider versenken wir im krautigen Ufer eindeutig zu viele Köder.

Aber einen weiteren Abend wollen wir nicht frieren und zu viel Verkehr ist auch. Also beschließen wir den sonnigen Teil des Tages hier zu verbringen und abends eine geeignetere Stelle zu suchen. Möglichst mit durchgehend Sonne und näher am Fähranleger nach Senja. Zuerst checken Haiko und ich aber den Rest der Insel, ob es nicht doch hier ein geeigneteres Plätzchen gibt. Mit der sicheren Erkenntnis, dass das nicht so ist, planen wir unsere Weiterreise.

Am späten Nachmittag bekommen wir Gesellschaft. Zwei Norweger, jeder in jeweils einem Dickschiff, parken am Camp. Die beiden beraten offensichtlich, ob sie hier bleiben. Ich spreche die beiden an und eröffne ihnen, dass hier bald frei wird. Im folgenden Gespräch bekommen wir noch einige wertvolle Infos und endlich einen gescheiten Link zu Inlandsfähren.

Im nächsten Teil finden wir tatsächlich ein hübsches Plätzchen, haben den ersten durchgängigen Blick auf die Mitternachtssonne und setzen über auf Senja.

Lappland, Tundra und Fjordberge

Nach dem Frühstück bei Jokkmokk: Abgewaschen wird im Bach.

Nach dem Frühstück bei Jokkmokk: Abgewaschen wird im Bach.

Am nächsten Morgen geht es nach Jokkmokk. Das Städtchen ist eine Hochburg der Samenkultur und wir schauen uns um. Es ist eine der größten Städte in Nordschweden, dennoch ist alles sehr beschaulich. Im Stadtpark besuchen wir den Webcamcache (GCMZGW), schlendern durch die Gassen und betreten das erste Mal einen schwedischen Supermarkt. Nicht dass wir knapp an Vorräten wären. Wir wollen herausfinden, was es in den Läden so gibt und wie es mit den Preisen bestellt ist. Das Brot, das Tina kauft, entpuppt sich als süß statt wie erwartet herzhaft. Aus irgend einem Grund macht niemand Fotos, dabei ist es ein hübsches Städtchen und das Wetter ist sonnig.

Wir bei der Webcam in Jokkmokk.

Wir bei der Webcam in Jokkmokk.

Hinter Jokkmokk folgt eine lange Passage über eine Hochebene mit niedrigem Waldbewuchs. Das Wetter ist durchwachsen und es gibt immer einmal wieder ein paar Tropfen. Nach einem riesigen Wasserkraftwerk erreichen wir Gällivare, eine hässliche Bergbaustadt. Auf und an den Bergen sind überall die Narben des Erzbergbaus zu sehen.

Hinter Gällivare wird es richtig leer. Kaum Verkehr, nur zunehmend niedriger werdender Nadelwald. Ab und zu liegt ein Autowrack neben der Straße. Die Schlaglöcher durch Frostbeulen werden merklich mehr.

Endlos zieht sich die E45 durch Nordschweden.

Endlos zieht sich die E45 durch Nordschweden.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir die finnische Grenze. Am Grenzfluss endet der Inlandsvägen, den wir somit auf knapp 1700 Kilometern komplett befahren haben.

Nach Finnland links abbiegen.

Nach Finnland links abbiegen.

Auf der finnischen Seite ändert sich die Landschaft merklich. Der Baumbewuchs verschwindet fast komplett und weicht Tundra. Es ist karg, aber bald tauchen am Horizont gewaltige schneebedeckte Berge auf. Wir besuchen einen Earthcache, der sich mit Palsas beschäftigt, einem Phänomen des Permafrostbodens. Kurzform: Eis drückt Krume hoch, beginnt ab einer gewissen Höhe zu schmilzen und kollabiert dann in kraterartige Tümpel. Polardolinen, könnte man sagen.

Palsas in der Tundra

Palsa in der Tundra

 

Ehemalige deutsche Stellung Lätäseno aus dem Zweiten Weltkrieg.

Ehemalige deutsche Stellung Lätäseno aus dem Zweiten Weltkrieg.

Die finnische Landstraße ist etwas buckelig.

Die E8 ist hier etwas buckelig.

In Finnland, kurz vor dem Grenzgebiet, gibt es eine Tankstelle. Finnland gehört zum Euroraum und Diesel soll nur € 1,53 kosten. Leider hat die Tanke gerade vor einer halben Stunde geschlossen.

Nach insgesamt 120 Kilometern erreichen wir die norwegische Grenze. Einige Kilometer zuvor steht ein Zollhäuschen. Niemand möchte uns kontrollieren. Eine rote Spur für Reisende, die etwas zu verzollen haben, gibt es nicht. Auf dem höchsten Punkt des Passes steht dann ein hübscher Grenzstein. Wir halten, machen ein paar Fotos und heben den Cache, der in ihm liegt (GC1N5GJ).

Die Grenze von Finnland nach Norwegen

Die Grenze von Finnland nach Norwegen

Parkplatz an der Grenze. Im Hintergrund die Fjordberge.

Parkplatz an der Grenze. Im Hintergrund die Berge Norwegens.

In Norwegen ändert sich die Landschaft wieder gravierend. Es wird felsiger und bergiger. Das Flusstal, dem entlang wir nun immer weiter hinunter Richtung Meeresspiegel fahren, bietet atemberaubende Ausblicke.

Gewaltige Berge erheben sich vor uns.

Gewaltige Berge erheben sich vor uns.

Je weiter wir Richtung Meer vordringen klart es zunehmend auf.

Je weiter wir Richtung Meer vordringen klart es zunehmend auf.

Allerdings wird in Richtung der Fjorde auch die Bebauung wieder dichter. Sind wir vorher hunderte Kilometer durch einsame Landschaften gefahren, gibt es jetzt mehr und mehr Häuser. Das macht die Schlafplatzsuche nicht gerade einfacher. Wir schieben es auf die Nähe zu Tromsø.

Nach ziemlich langer Suche finden wir ein geeignetes Fleckchen, auf dem es sich kampieren lässt. Die erste Nacht am Fjord. Der Platz ist nicht ideal, aber wir wollen Morgen ohnehin nach Tromsø und einige Besorgungen machen.

Das erste Camp in Norwegen.

Das erste Camp in Norwegen.

Weiter geht es in Tromsø und mit einem beeindruckenden aber kalten Schlafplatz.

Auf dem Inlandsvägen durch Schweden

Morgens nahe Göteborg.

Morgens nahe Göteborg.

Die zweite Etappe führt von Frillesås bis kurz vor Ytterhogdal (700 km).

Die zweite Etappe führt von Frillesås bis kurz vor Ytterhogdal (700 km).

Wie geplant sind wir nicht allzu früh wach und frühstücken gemütlich, aber im Stehen. Gleich werden wir Göteborg durchfahren. Vorher will aber noch der Länderpunkt Schweden ganz in der Nähe gemacht werden (GC22VRZ). Natürlich ist es nass und matschig. Und natürlich saue ich mich so richtig ein. Aber ein wirklich schönes Plätzchen an unerwarteter Stelle war das!

Hinter Göteborg beginnt die E45, der Inlandsvägen. Dieser Straße werden wir folgen, bis sie an der finnischen Grenze endet. Das wird zwei Tage dauern. Die ultimative Skandinavienkarte – auch super für die Stellplatzsuche – findet man hier: Freytag Berndt, Skandinavien Superatlas.

Von Trelleborg nach Göteborg sind wir Autobahn gefahren, jetzt wird aus der vierspurigen Straße zunehmend eine Landstraße. Zwischen Göteborg und Trollhättan sind einige Baustellen, die vermuten lassen, dass diese Strecke in Zukunft auch vierspurig sein wird.  Der Verkehr nimmt spürbar ab, erst bei Trollhättan wird es wieder etwas urbaner. Wir suchen uns ein Einkaufszentrum nahe der Saab-Werke (traurige Geschichte, übrigens), um ein vergessenes Kabel einzukaufen, schwedische Kronen zu besorgen und einen Kaffee zu kochen. Die Schweden, die wir treffen, sind nicht freundlich. Nein, die sind richtig nett. Also so richtig, richtig nett.

Freundlicherweise werden feste Blitzer in Skandinavien mit Schildern angekündigt. Etwas dichterer Verkehr bei Karlstad.

Freundlicherweise werden feste Blitzer in Skandinavien mit Schildern angekündigt. Etwas dichterer Verkehr bei Karlstad.

Hinter Trollhättan bis vor Karlstad ist viel Verkehr. Wir durchfahren viele Ortschaften, jede mit Blitzer. An der Kreuzung, an der die E18 von der E45 Richtung Stockholm abknickt, machen wir einen ersten Tankstopp. Die Zapfsäulen sind vollautomatisch. Maestro, also EC-Karte, nehmen sie nicht. Kreditkarte nur mit PIN. Aber da ist ein gelber Knopf, den man drücken kann, um den Diesel im Laden zu bezahlen. Das funktioniert dann wie in Deutschland gewohnt mit Unterschrift. Dieses Konzept haben wir in Schweden und Norwegen durchgängig vorgefunden und kamen mit Mastercard und Visa prima durch.

Einer der zahllosen Seen entlang der E45.

Einer der zahllosen Seen entlang der E45.

Achtung! Schneemobil kreuzt.

Achtung! Schneemobil kreuzt.

Zwischendurch immer wieder aufregende Landschaft.

Zwischendurch immer wieder aufregende Landschaft.

Ab Karlstad ist es dann wie abgeschnitten. Nichts mehr los auf der 45, wir durchfahren ausgedehnte Wälder. Ab und zu gibt es Seen entlang der Straße. Zahlreiche Brücken, unter denen wilde Flüsse tosen, überqueren wir. Ortschaften liegen jetzt merklich weiter auseinander. Das macht die Suche nach einem Schlafplatz einfach. Wir durchfahren eine Ortschaft, in diesem Fall Ytterhogdal, folgen der Straße noch ein paar Kilometer und biegen dann in eine Schotterpiste ab. Auf einer Kuppe ist ein leerer Polterplatz. Hier weht ein konstanter Wind, der die Mücken fernhält und genug Platz ist auch. Wir stellen die Autos als Windschutz auf und übernachten.

Am nächsten Morgen ist das Wetter prächtig. Wir wollen es heute bis zum Nordpolarkreis schaffen. Unser Tagesziel heisst Jokkmokk, bereits tief in Lappland.

Frühstück in Mittelschweden

Frühstück in Mittelschweden

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Zurück vom Übernachtungscamp zur E45.

Die dritte Etappe führt uns von Ytterhogdal bis Jokkmokk (750 km).

Die dritte Etappe führt uns von Ytterhogdal bis Jokkmokk (750 km).

In Östersund tanken wir voll. Das ist die größte Stadt für eine ganze Weile, also kein Risiko eingehen. Die Tankstellendichte hat hier oben bereits erheblich abgenommen. Dann fahren wir durch ausgedehnte Wälder, immer wieder unterbrochen von großen Seen.

Es ist wenig los, teilweise kommt eine halbe Stunde kein Fahrzeug entgegen. Zwischendurch liegen links und rechts der Fahrbahn Autowracks, deren Abtransport sich wohl schlicht nicht lohnt. Und wir bekommen es mit den ersten unreparierten Frostbeulen auf der Straße zu tun. Es gibt zwischendurch zwar immer wieder Baustellen, diese lange Straße jeden Sommer zu flicken ist aber eine Sisyphusarbeit. Zusätzlich halten Waldarbeiter-Teams den Bewuchs abseits der Straße kurz. Schließlich will man kreuzende Elche frühzeitig entdecken. Beide dieser Instandhaltungsmaßnahmen kann man in der Nähe von Ortschaften beobachten.

Bei Dorotea überqueren wir die Grenze zu Lappland. Jetzt sind wir im Siedlungsgebiet der Samen, die mit ihrer Kultur den Nordteil ganz Skandinaviens prägen. Da dauert es auch nicht lange, bis wir den ersten Rentieren begegnen. Die Tiere leben frei und sind halb domestiziert, gehören also jemandem. Die, denen wir begegnen, wollen sich nicht fotografieren lassen. Fährt man vorbei, bleiben sie am Straßenrand stehen, laufen manchmal sogar auf die Fahrbahn. Wir bremsen um ein Foto zu machen und schon nehmen sie Reißaus.

Da bekommen wir nur noch die Hintern zu sehen.

Da bekommen wir nur noch die Hintern zu sehen.

Ewig lang zieht sich die E45 durch Schweden.

Ewig lang zieht sich die E45 durch Schweden.

Nach Norwegen dürfen keine Kartoffeln eingeführt werden. Zumindest nicht roh. Also kochen wir sie vorher. Und warum wertvolle Fahrzeit beim Schälen verschwenden?

Nach Norwegen dürfen keine Kartoffeln eingeführt werden. Zumindest nicht roh. Also kochen wir sie vorher. Und warum wertvolle Fahrzeit beim Schälen verschwenden?

Etliche Kilometer und Landschaft weiter erreichen wir den Nordpolarkreis. Es gibt ein Besucherzentrum, ein großes Schild und ein kleines Denkmal. Mit einem Cache drin. Aber erst wollen wir ein Gruppenfoto machen. Ich stelle also das Stativ in einer Parkbucht auf und wir posieren. Jetzt rollt ein Wohnmobil heran, das genau in diese Parkbucht will. Wir stören uns nicht daran und machen ein paar Fotos mit dem Selbstauslöser. Ich hole das Stativ und das Wohnmobil rollt in genau diese Box. Warum wollen die ausgerechnet hierhin, es ist doch genug Platz? Nachdem wir den Cache gehoben haben und ihn wieder platzieren bekommen wir zu hören „Sehr gut, brauchen wir nicht mehr zu suchen!“ Es sind auch Cacher. Die haben sich gedacht, dass das ja dauern kann, mit den blöden Fotomuggles! Wir halten einen kurzen Geoschnack, tauschen ein paar Trackingnummern aus und dann geht es für uns auch schon weiter.

Am Nordpolarkreis

Am Nordpolarkreis

Cachertreffen am Nordpolarkreis

Cachertreffen am Nordpolarkreis

Jetzt ist Schlafplatzsuche angesagt. Nicht weit vom Nordpolarkreis entfernt, kurz vor Jokkmokk finden wir eine gute Stelle. Gesäumt von Bächen, aber auch ein paar stehende Gewässer sind in der Nähe. Hier gibt es jetzt richtig viele Mücken. Zu unserer Überraschung lassen diese sich aber vom mitgebrachten deutschen Autan beeindrucken. Also kochen wir umschwärmt, aber selten gestochen und verbringen hier die Nacht.

Übernachtungscamp in Mittelschweden

Übernachtungscamp nahe Jokkmokk

Weiter geht es in der nächsten Etappe nach Jokkmokk, durch finnische Tundra und schließlich an die schneebedeckten Berge und Fjorde Norwegens.

Finnland Reiseführer
Norwegen Reiseführer

Der Road Trip beginnt!

Der Blick aus dem Gästezimmer im Waldhaus.

Der Blick aus dem Gästezimmer im Waldhaus.

Nach einer geruhsamen Nacht wachen wir am Morgen des 9. Juni  im Waldhaus auf. Hier sind wir etwas mehr als eine Stunde von Rostock entfernt. Tags zuvor sind wir 500 km angereist. Astrid hatte sich noch im Geschäft in ein reisetaugliches Outfit geworfen und ich hatte sie direkt nach Ladenschluss abgeholt. Das spart zwar einen Urlaubstag, macht die Sache insofern spannend, dass ich die letzten Dinge alleine in den Bulli gepackt habe. Und einer allein vergisst einfach leichter etwas.

Wir reisen dieses Mal zu Viert. Tina und Haiko, langjährige Freunde, sind mit von der Partie. Sie fahren einen Nissan Pickup, dem sie für die Reise ein Hardtop spendiert haben. Daher werden sie die Nächte im Zelt verbringen. Ausserdem gehört ihnen das Waldhaus in Mecklenburg-Vorpommern, in dem wir gerade residieren. Bedingt durch die Entfernung sehen wir uns nicht so oft. Eine kleine Wiedersehensfeier musste daher sein. Beim Spekulieren was uns wohl erwarten wird und Schnacken über dies und das ist es spät geworden.

Das macht aber nichts, wir haben uns für die Fähre um 15 Uhr entschieden. Der Morgen verläuft daher entspannt. Wir frühstücken in aller Ruhe, sperren das Haus ab und machen uns auf nach Rostock.

Das Wetter an der Küste ist nicht so prall. Vor der Einfahrt zum Fährterminal werden alle Tanks noch einmal randvoll mit Diesel voll gemacht und auch unser Reservekanister ist anschließend mit dem in Deutschland vergleichsweise billigen Kraftstoff gefüllt. In Skandinavien wird es deutlich teuerer.

Wir reisen mit der TT-Line, die momentan das beste Angebot für die Passage Rostock–Trelleborg macht. Inzwischen wissen wir, dass Stena für ein wenig mehr Geld den gleichen Weg neuerdings mit etwas komfortableren Schiffen fährt.

Mit diesem Pott setzen wir über nach Schweden.

Mit diesem Pott setzen wir über nach Schweden.

Während wir auf die offene Ostsee hinausschippern, klart es auf. Wir sonnen uns auf Deck. Während der sechseinhalbstündigen Überfahrt gibt es sonst nichts zu tun.

Chillen auf Deck. Ich vermisse meine Sonnenbrille.

Chillen auf Deck. Ich vermisse meine Sonnenbrille.

Good Bye, Rostock

Good Bye, Rostock

Während der Überfahrt brennt die Sonne. So kann’s bleiben!

Während der Überfahrt brennt die Sonne. So kann’s bleiben!

Bei der Hafeneinfahrt Trelleborg bekommen wir einen kleinen Vorgeschmack auf skandinavische Lichtstimmungen.

Bei der Hafeneinfahrt Trelleborg bekommen wir einen kleinen Vorgeschmack auf skandinavische Lichtstimmungen.

Bei der Hafeneinfahrt steht die Sonne bereits ziemlich tief, was alles in ein magisches Licht taucht. Es wird aber noch dauern, ehe es dunkel ist. Daher werden wir den Abend noch nutzen, um ein Camp vor Göteborg zu suchen. Das sind von hier noch 250 km; insgesamt wollen bis Tromsø aber 2.300 km gefahren werden. Also los.

Die ersten Kilometer schwedische Autobahn. Ein bisschen dunkler wird es noch, es bleibt aber immer ein wenig Restlicht.

Die ersten Kilometer schwedische Autobahn. Ein bisschen dunkler wird es noch, es bleibt aber immer ein wenig Restlicht.

Der recherchierte Platz bei Frillesås erweist sich als nicht so groß wie erwartet, liegt aber abseits von Häusern und im Wald. Wir nutzen also das erste Mal das Jedermannsrecht. Es ist jetzt halb zwei und es reicht für heute mit der Fahrerei. Schon hier ist es nachts nicht wirklich dunkel, es wirkt wie späte Dämmerung.

Am nächsten Morgen wird ausgeschlafen, schließlich wollen wir nicht im montäglichen Berufsverkehr durch Göteborg fahren. Die nächste Etappe führt uns lang und weit durch Schweden. Langsam wird sich die Landschaft verändern. Dies wird durch unseren Panorama-Fernseher namens Windschutzscheibe betrachtet. Wir werden Kilometer fressen.

Bulli in der Mitternachtssonne

Einfach nur ein geniales Bullibild aus Norwegen (bei Flakstad, Lofoten)

Einfach nur ein geniales Bullibild aus Norwegen (bei Flakstad, Lofoten)