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„Schön Willkommen in Bulgarien“

Heute machen wir einen Tagesausflug nach Bulgarien. Natürlich nicht ohne den obligatorischen Länderpunkt zu holen. In Grenznähe liegen zwei Tradis. Einer, der den sicheren Punkt verspricht (GC14RKG) und einer, der eine nette Kraxelei verheisst (GC10G6E).

Man heisst uns „Schön Willkommen in Bulgarien“

Eine Serpentinenstraße windet sich in östliche Richtung vom Hochplateau in Richtung Grenze herunter. Mitten in der Pampa kommen uns plötzlich Fußgänger mit Einkaufstüten auf der Landstraße entgegen. Die Gegend ist bergig und der nächste Ort kilometerweit entfernt. Zudem ist es noch recht früh am Tage und die Leute scheinen auf dem Rückweg zu sein.

Ein Stück weiter erreichen wir Klisura, ein größeres Dorf. Hier ist Markt und jede Menge los. Man kann nahezu alles kaufen, von Lebensmitteln über Bekleidung. Aber auch Jagd- und Angelbedarf sind im Angebot, einige Militaria sind zu sehen. Mit Töpfen, Pfannen und Geschirr kann man sich hier auch ausstatten. Offensichtlich fallen wir auf, die Köpfe fliegen herum als wir vorbeifahren. Einige Passanten sehen uns noch lange nach. Westeuropäer verirren sich offensichtlich höchst selten in die Gegend.

Wir erreichen die Grenze. Ein klitzekleiner Grenzposten fertigt hier den lokalen Grenzverkehr ab. Man kennt sich offenbar. Die Serben lassen uns schnell durch. Die bulgarische Grenzbeamtin will wissen, wo wir denn hinwollen. Nur ein kleiner Ausflug ins Land, antworten wir. Sie lässt uns passieren und wir verabschieden uns mit „See you in the evening!“. Dem Zollbeamten reicht auf Nachfrage, ob wir etwas zu verzollen haben, ein einfaches „No“. Es gibt aber noch eine dritte Person, die am Grenzposten arbeitet. Der Typ, der die Vignetten verkauft. In Bulgarien sind nahezu alle Straßen mautpflichtig. Wir wollen nur ein paar Landstraßen fahren, die das aber auch betrifft. Also kaufen wir eine Wochenvignette für fünf Euro. Kleiner haben sie es nicht.

Die Straße, die wir fahren, ist unglaublich schlecht. Tiefe Schlaglöcher und ständig wechselnder Belag lässt eine zügige Fahrweise nicht zu. Weiter im Land soll es weit bessere Strecken geben, aber hier ist es wirklich schlimm. So geht es rumpelnderweise zum ersten Cache, einem D/T1.5.

Vor Ort machen wir uns an die Suche. Der Hang, an dem der Cache liegt, wird von der gleißenden Sonne beschienen. Es ist schon jetzt ziemlich heiss. Der Hint passt auf so nahezu alle Objekte in der Nähe. Wir suchen, finden aber nichts. Die Koordinaten zeigen 30 Meter den Hang hinauf. Es ist steil, felsig und sieht so gar nicht nach T1.5 aus. Irgendwann reicht es mir. Ich ziehe mein T-Shirt aus, um es nicht noch weiter durchzuschwitzen und klettere rauf. Es kostet etwas Mühe, den Nullpunkt zu erreichen. Aber die Koordinaten stimmen. Nur eben die T-Wertung nicht. Hoch über der Straße, zwischen Felsen und Büschen finde ich den Cache. Jetzt bloß nicht abrutschen! Ich logge und mache mich auf den Rückweg. Der Länderpunkt ist im Sack!

Der Weg zur Schlucht

Nun die Kür. Die Schlucht am Erma Fluss ist sogar ausgeschildert und scheint eine Touristenattraktion zu sein. Als wir dort ankommen, ist ausser uns aber niemand dort. Auf der OSM-Karte führt ein Weg direkt zum Cache. Luftlinie keine 500 Meter. Laut Fußgängernavigation sind bis zu den Koordinaten weniger als 1000 Meter zu gehen. Der zunächst steile aber breite Wanderweg führt durch einen ca. 150 Meter langen Tunnel. Später sehen wir, dass hier auch Autos durchfahren. In der Mitte haben es sich zwei Kühe im Schatten bequem gemacht. Wir gewöhnen unsere Augen an die Dunkelheit und gehen ohne Lampen an ihnen vorbei. Bei genauem Hinschauen erweist sich eines der beiden Tiere als ein junger Bulle.

Wir erreichen den Einstieg zum Pfad, der zunächst sehr steil zum Fluss herunter führt. Es gibt Tritte aus Brettern und Baumstämmen, die vor jeder Belastung geprüft werden wollen. Einige sind ziemlich morsch. Unten angelangt donnert die Erma an uns vorbei. Eine wackelige Holzbrücke führt über die Schlucht. Es schwingt ganz schön beim Überqueren, es bieten sich aber tolle Ausblicke.

Die Brücke über die Erma Gonge

Ein Ausblick von der Brücke

Auf der Brücke

Der Weg hoch in die Klippen beginnt bei einer grob gezimmerten, leiterartigen Aufstiegshilfe. Dahinter windet sich ein schmaler Pfad in Serpentinen immer höher zum höchsten Punkt der Schlucht. Ein Blick auf das GPS zeigt einen geraden Weg, vor uns liegt aber eine steile Zickzack-Strecke. Der Track, aus dem der Weg auf der Karte entstanden sein muss, ist wohl bei der Bearbeitung etwas gerundet worden und verschweigt die ganzen Serpentinen. Da unsere Bulgarienkarte nicht über Höhenlinien verfügt, ist uns die Diskrepanz vorher auch nicht aufgefallen.

Die Aufstiegshilfe

An den steilen Felswänden in der Schlucht ist der GPS-Empfang hundsmiserabel. Ich starte das Oregon mehrfach neu, weil sich das Empfangsteil aufgehängt hat. Als die Entfernung zu den Koordinaten laut Gerät noch 8 Meter betragen, beginnen wir zu suchen. Hier wäre ein Spoilerfoto nett gewesen. Das gibt es zwar, wir haben es aber nicht dabei. Bis auf 3 Meter kommen wir an den Ground Zero heran, drehen Steine und schauen in Felsspalten. Wir finden nichts.

Die Landschaft ist der Hammer

Die Route auf unserer Karte führt über den Kamm und auf der anderen Seite wieder herunter. Wir sind dem höchsten Punkt schon sehr nahe, aber es wird immer steiler und der Pfad ist kaum noch als solcher zu erkennen. Ein paar mal haben wir schon den Weg verloren. Und wir wissen nicht, wie es auf der anderen Seite aussieht. Und da ist ja noch der Cache, vielleicht findet man auf dem Rückweg noch etwas. Also kraxeln wir das Ganze wieder runter. Teils auf allen Vieren oder auf dem Hosenboden rutschen wir talwärts. Am nächsten Tag werden wir Muskelkater haben, weil wir in ungewohnten Posen an Bäumen heruntergehangelt sind.

Zwischen diesen beiden Felsen verläuft der Pfad

Erfolglos erreichen wir wieder die Brücke. Aber schön war es schon. Und jetzt haben wir noch einmal die schöne Aussicht auf den Fluss.

Landstraße in Bulgarien

Zurück am Schlagbaum stehen die bulgarische Grenzerin und der Zollbeamte immer noch auf Posten. Sie schauen etwas ungläubig und winken uns durch. Beim Durchfahren grinst der Zöller: „You are crazy!“

Die serbische Grenzpolizei will es wieder ganz genau wissen.

Storchennest, irgendwo unterwegs gesichtet

„Woher? Wohin? Warum?“ „Aus Bulgarien. An den Vlasinasee. Weil da noch unsere Campingmöbel stehen.“ Die Papiere werden wieder einmal lange kontrolliert, schließlich lässt man uns durch.

In einem Dorf versuchen wir unseren Bestand an serbischen Dinar aufzustocken. Meist kann man hier zwar mit Euro zahlen, aber schon ein Zwanziger überfordert häufig die Wechselgeldkasse. Ein längliches Gebäude bildet eine Einheit aus Kneipe und Post (Pošta, Пошта). Als wir auf den Eingang der Post zusteuern, erhebt sich einer der Kneipengäste vom Bier und stellt sich hinter den Tresen. Eine unbehandelte Syphilis hat vor längerer Zeit offenbar an seiner Nase genagt. Wir zeigen ihm Kredit- und EC-Karte und reiben zwei Finger aneinander. Er versteht sofort, kann uns aber nicht helfen. Kein Bargeld also. Wir haben jetzt noch 700 Dinar in der Tasche, das sind etwas mehr als sechs Euro. Und wir müssen den Campingplatz noch bezahlen. Um einen Geldautomaten zu erreichen müssten wir wieder runter vom Hochplateau in die nächst größere Stadt.

Als wir beim Abendessen sitzen, beobachten wir den Platzwart, wie er unsere Nachbarn besucht. Es ist ein freundliches älteres Ehepaar in einem Wohnmobil mit serbischem Kennzeichen. Die drei sitzen zusammen und offensichtlich kassiert er die Miete. Nach einiger Zeit sind auch wir an der Reihe. Wir können uns gut auf Englisch verständigen, aber er bittet uns häufiger langsamer zu sprechen.

Wir haben in der Zeit hier nicht herausbekommen, was der Platz denn jetzt tatsächlich pro Nacht kostet. Jetzt erfahren wir es. 350 Dinar sollen es sein. Macht also 700 Dinar für zwei Nächte. Prächtig! Allerdings hätten wir bei einem höheren Preis auch gefeilscht, schließlich gab es einen Hauptvorteil von Campingplätzen nicht. Brauchbare Toiletten und Duschen nämlich.

Eine Frage haben wir dann doch noch an ihn. Im Dorf hingen überall Plakate mit Blasinstrumenten drauf. Das kyrillische Wort für Vlasina und das Datum konnten wir auch lesen. Da stand 5./6./7./8. VII. Und der fünfte ist heute! Wo soll denn das Blechblasfestival steigen? Wir hatten schon Bilder von Guča im Kopf. Da stand neben „Vlasina“ aber wohl noch ein anderer Name. Die ersten beiden Abende findet das kleine Festival in einem Dorf am anderen Ende des Sees statt. Und da müsse er jetzt auch hin, meint er, steigt in seinen roten Yugo und rumpelt davon.

Wir folgen unserer Policy, auf dem Balkan nicht bei Dunkelheit zu fahren. Daher findet das Ganze ohne uns statt.

Am nächsten Tag geht es deutlich weiter nach Süden. Wir überqueren die Grenze zu Mazedonien und es wird heiß, heiß, heiß.

Abkühlung dringend gesucht!

Früh am Morgen, die ersten Sonnenstrahlen fallen durch die Verdunkelung am Bulli, werden wir von Motorengeräuschen und Geplapper geweckt. Der Lärm kommt unten von der Hauptstraße. Wir denken uns nichts dabei und drehen uns noch einmal um. Die Geräusche entfernen sich und wir schlafen noch ein bisschen. Nach einem ausgiebigen Frühstück wollen wir starten.

Unten an der M5 dann die Überraschung: Zwischen uns und der Fahrbahn befindet sich ein frischer, dampfender und weicher Teerstreifen. Wir sind eingeschlossen. Hinter uns führt die Geröllpiste den Berg hoch, vor uns der neue Straßenbelag von fragwürdiger Tragfähigkeit. Da ist wohl in der Frühe eine Wanderbaustelle an uns vorbei gezogen. Zudem wurde die Strecke jetzt einspurig gemacht, so dass der Verkehr nur in eine Richtung fließt. Gerade kommen ein paar Fahrzeuge aus der Richtung, in die wir fahren wollen. Ich steige aus und prüfe die Konsistenz des Teers mit dem Schuh. Scheint einigermaßen fest. Müsste gehen. Der einspurige Abschnitt scheint ziemlich lang zu sein, denn jetzt passiert eine gefühlte Ewigkeit gar nichts. Dann kommt ein alter Mercedes in Sicht, der in unsere Richtung fährt. Wir warten bis er vorbei ist und ich gebe Gas. Der frische Teerstreifen lässt sich problemlos überqueren. Die Spuren, die wir hinterlassen sind zu vernachlässigen.

Brüllende Hitze auf einem Parkplatz am Autoput

Unser Ziel ist der Vlasina-See, ein Stausee auf 1200 m Höhe. Dort soll es einen Campingplatz geben. Nach drei Tagen Wildcampen freuen wir uns auf eine Dusche und ein WC. Wir haben den Platz unterwegs im Web recherchiert, keiner unserer Campingführer kennt ihn. Seine Lage verspricht aber einen unkomplizierten und schnellen Tagesausflug nach Bulgarien. Ausserdem wird es auf 1200 m Höhe nicht ganz so heiss sein. Das Thermometer hatte in den letzten Tagen nicht selten 38° angezeigt.

So gerne wir abenteuerliche Strecken fahren, so sehr freuen wir uns dieses Mal, dass ein Großteil der Strecke über die E75, in diesem Verlauf die serbische Nord-Süd-Autobahn („Autoput“), führt und wir gut voran kommen werden.

Gegen Mittag passieren wir Surdulica, eine enge, geschäftige Stadt am Rand zweier Bergmassive. Im Straßenbild ist deutlich zu merken, dass Platz hier knapp und jedes noch so kleine Fleckchen bebaut ist oder als Parkplatz dient. Da wir oben im Gebirge keine größeren Ortschaften auf der Karte gesehen haben, kaufen wir für die nächsten beiden Tage ein.

Gegend um den Vlasinsko Jezero (Власинско језеро)

Eine kurvige und steile Serpentinenstrecke windet sich zu dem Hochplateau, auf dem der Vlasinsko Jezero (Власинско језеро) liegt. Und das Thermometer purzelt. An der Abzweigung, an der wir von der Hauptstraße abbiegen, um am Westufer entlang zum Campingplatz zu gelangen, sind es gerade einmal noch 29°.

Ein wenig suchen müssen wir den Platz schon. Die Skizze aus dem Web erweist sich als falsch und führt zu einem verlassenen Platz. Nur ein alter Mann sitzt vor einer Hütte und zeigt auf die Straße und sechs Finger. 6 km Straße rauf schließen wir daraus. Es führt immer mal wieder ein Weg von der Straße ab. Die Holzschilder, die hinein zeigen sind verwittert und ausschließlich in kyrillisch beschriftet.
Bei einem Badestrand halten wir und fragen. Der Tretbootverleiher spricht Englisch. Auf unsere Frage nach dem Autokamp deutet er auf eine dicht bewaldete Halbinsel. Tatsächlich blitzen weisse Kästchen durch die Bäume, das könnten Wohnwagen sein. Wir bedanken uns und er grinst. Wenn wir ein Tretboot bräuchten wüssten wir ja, wo wir in finden.

Am Vlasinasee

An einem Tor steht eine Art Kiosk. Einige ausgeblichene Zettel in den Scheiben lassen sich auch mit unseren dürftigen Serbischkenntnissen tatsächlich so deuten, dass es sich um eine Campingplatzrezeption handeln könnte. Das Tor ist geschlossen, niemand zu sehen. Wir beschließen es zu öffnen und fahren in Richtung der noch etwas entfernten Halbinsel.
Das Gelände ist toll, direkt am Ufer und unter schattigen Nadelbäumen gelegen. Die Wohnwagen, die wir von weitem gesehen haben, sind verlassen. Es scheint, als würde es auch hier in Serbien Dauercamper geben. An einem Stromkasten arbeiten zwei Männer. Einer ist der Platzwart. Wir sollen uns einfach hinstellen. Ein schöner Platz ist schnell gefunden.

Unser Camp am Vlasinasee

Das Sanitärhäuschen ist einmal wieder ein Flop. Kein Wasser, die Toiletten nicht zu gebrauchen. Also hängen wir unsere Campingdusche an einen Baum. Büsche gibt es hier genug. Und zu einem erfrischenden Bad lädt der See ein.

Die Aussicht vom Bulli auf den See

Zu Fuß machen wir uns auf, die Gegend zu erkunden. Etwas weiter die Straße hoch gibt es ein Hotel. Wir setzen wieder die bewährte Cola-Taktik ein. Jeder bestellt eine Cola, dafür benutzen wir die sanitären Einrichtungen, die aber auch nicht viel besser sind als die auf dem Camp. Auch Internet gibt es hier keines. Dafür entdecken wir auf dem Rückweg am Rande einer kleinen Siedlung ein offenes Wlan. Ein schneller Tweet, dann geht es zurück zum Platz.

Der Versuch, den magischen Mond einzufangen. Hoffnungslos.

Nach dem Abendessen baden wir ausgiebig im See und genießen das tolle Wasser. Es wird dunkel und es geht ein großer, nicht mehr ganz voller Mond über der Bergkette gegenüber auf. Ein absolut genialer Anblick, der sich leider mangels Stativ und vernünftiger Kamera nicht gescheit fotografieren lässt.

Am nächsten Tag machen wir einen Ausflug nach Bulgarien, kraxeln ein wenig und versuchen den Länderpunkt zu ergattern.

Gipfelstürmer

Morgens, gegen unsere Gewohnheit schon vor 7 Uhr, nehmen wir ein kurzes Frühstück ein und machen uns auf den Weg zum Gipfel Šiljak. Noch ist die Sonne nicht vollständig aufgegangen und es ist angenehm kühl. Der Weg zum eigentlichen Parkplatz des Caches auf dem Gipfel ist steinig aber nicht allzu steil. Wir wandern die Strecke  von 5 km in etwas mehr als einer Stunde.

Wegweiser

Am Wegpunkt angelangt finden wir tatsächlich noch eine kleine Siedlung. Bei einem der Häuser wird am Zaun gearbeitet. Nach kurzer Suche finden wir den richtigen Einstieg zum Aufstieg. Ab hier kann definitiv nicht mehr mit dem Auto gefahren werden. Der Weg ist gut mit roten Wegzeichen markiert, hier und da findet sich sogar ein Wegweiser. Frische Fußspuren im Sand zeigen uns, dass wir beim Aufstieg nicht ganz alleine sind. So hatte es bisher den Anschein. Ausser den beiden Arbeitern beim Haus hatten wir keine Menschenseele gesehen. Nach einer steinigen Passage mit etwas Buschwerk folgen nun Serpentinen, die sich hinauf zum Gipfel winden.

Auf dem Weg zum Gipfel

Prächtige Schmetterlinge gibt es hier

Die Landschaft ist herrlich. Es weht ein angenehmer Wind und die Bergwiesen duften. Wir sehen viele, sehr viele, Schmetterlinge. Sie kommen hier in zahlreichen Arten vor, darunter auch überaus prächtige. Auf dem Rtanj-Massiv wächst eine Art des Winterbohnenkrautes, die als Heilpflanze, vor allem aber als Aphrodisiakum bekannt ist. Der Rtanj-Tee wird auch fertig verkauft, obwohl die Pflanze hier inzwischen bedroht und daher geschützt ist. In den Hängen sehen wir einen älteren Mann kraxeln, der mit Plastikbeuteln bewaffnet offensichtlich etwas sammelt. Wir tippen auf genau diesen Tee.

Gräser am Wegesrand

Der Bewuchs schwindet und damit auch der Schatten. Die Sonne steht schon etwas höher aber der Wind kühlt angenehm. Weiter oben nehmen wir eine dreiköpfige Wandergruppe wahr. In Deutschland hätte man jetzt um den FTF bangen müssen. Aber der Cache, den wir finden wollen, liegt schon fast ein Jahr ungefunden herum. Im März hat es einmal jemand versucht, ist aber am Schnee gescheitert. Jetzt fällt mir siedendheiss ein: Wir haben keine Ersatzdose mitgenommen! Was wenn die Dose schlicht weg ist? Wir sind aber schon auf halbem Weg und es wird heute mit Sicherheit nicht kühler.

Diese Blüten sehen aus als wären sie aus Silberpapier

Der Abstand zu der Dreiergruppe wird zunehmend kleiner. Sie besteht aus zwei Männern und einer Frau. Einer der Männer ist merklich fitter als die anderen beiden, läuft oft vor und wartet dann. Die sind deutlich gemächlicher unterwegs und müssen öfter mal pausieren. Als der Gipfel schon in greifbarer Nähe scheint, überholen wir. Ein kurzes „Dobar Dan!“ und wir sind vorbei. Zum Glück sind wir soviel schneller, dass der Abstand schnell anwächst. Schließlich wollen wir oben in Ruhe suchen und den Cache nicht gefährden.

Näher am Gipfel

Das letzte Stück verläuft parallel zu einem mächtigen Felskamm. Kurz vor dem Gipfel kommt eine Ruine in Sicht. Von unten haben wir schon oft gemutmaßt: Da oben ist doch irgend etwas! Es handelt sich um eine kleine Kapelle, die 1932 von der Minenbetreiberfamilie aus der Gegend erbaut wurde. Hier oben gibt es oft Blitzeinschläge, die das Gebäude beschädigt haben. Den Rest haben ihm aber Schatzsucher gegeben, die mit Dynamit nach einem sagenhaften Goldschatz suchten. In grauer Vorzeit soll hier einmal die Burg eines Zauberers gestanden haben, die einen unglaublichen Goldschatz barg. Überhaupt ranken sich jede Menge Sagen und Mythen um den Berg. Es ist von paranormalen Phänomenen zu hören. UFO-Aktivität soll hier an regnerischen Tagen stattfinden. Die Pyramidenform lässt ebenfalls Spekulationen von Esoterikern ins Kraut schießen. Es gibt sogar eine eigene „Forschergesellschaft“, die sich damit beschäftigt.

Die Ruine auf dem Šiljak

Wir erreichen den Gipfel und machen uns gleich an die Suche. Der Hint ist eindeutig, so dass wir den Cache (GC32FMP) der Marke „Cremedose“ rasch in Händen halten. Der erste Blick ins Logbuch, ein Schock! Da steht ja schon einer drin! Ein kurzer Blick auf die Beschreibung lässt uns entspannen. Der Owner hat sich in das Feld für den FTF verewigt. Puh! Wir sind also die ersten! Wir loggen und packen die Dose wieder zurück.

Cachebox

Logbuch

Am Fuß der Ruine gibt es auch ein offizielles Gipfelbuch. Zweimal loggen also. Just als wir uns auch hier eingetragen haben, erreicht die andere Wandergruppe den Gipfel. Es stellt sich heraus, dass es Serben aus der 40 km entfernten Stadt Zaječar sind. Wir unterhalten uns auf Englisch. Wie fast alle Serben, die wir getroffen haben, sind sie überaus freundlich und zuvorkommend. Ich bestätige ihnen, dass ihr Land wunderschön ist. Sie beklagen, dass niemand kommt und es sehen will. „So let’s change it!“ lautet meine Antwort und habe schon den Reisebericht im Hinterkopf.

Eine irre Aussicht!

Haben wir auf dem Weg herauf schon tolle Aussichten gehabt, ist die Rundumsicht auf dem Gipfel einfach überwältigend. Die Ruine, wie sie da steht, hätte sich ein Landschaftsarchitekt nicht besser ausdenken können. Es ist einfach ein perfekter Moment an einem grandiosen Ort. Wir machen ausgiebig Pause und genießen einfach. Auch im Winter muss es hier wunderschön sein. Einen Eindruck davon kann man sich hier und hier machen.

Der Felskamm nahe des Gipfels. Im Vordergrund die drei serbischen Wanderer.

What goes up must come down. Wir müssen ja auch wieder runter. Die Temperatur ist unaufhörlich gestiegen. Selbst hier oben dürfte es jetzt locker 30 Grad haben. Der Wind macht es aber angenehm. Wir blicken auf den Pfad nach unten und sehen eine lange Strecke ohne Schatten. Wir haben den Aufstieg am Südhang gewählt, der jetzt von der gleißenden Mittagssonne beschienen wird. Wir brechen auf.  Das Glücksgefühl, den Gipfel mit dem schönen FTF erklommen zu haben, hält noch eine ganze Weile an. Als wir den Buschbewuchs erreichen, ist vom Schatten dort nicht viel übrig. Die Sonne steht nahezu im Zenit und bescheint den Weg gnadenlos. Unter einigen Büschen finden wir eine Stelle zum Rasten, machen erneut Pause. Haben wir sonst tendenziell zu viel Wasser dabei, wird es dieses Mal knapp werden. Zum Glück haben wir taugliche Kopfbedeckungen. Das wäre sonst sicher nicht ohne einen Sonnenstich ausgegangen.  Auch an Sonnenschutz haben wir gedacht. Allerdings  habe ich zwischendurch immer einmal wieder das T-Shirt gelupft um ein bisschen mehr Kühlung zu erreichen. Das sollte sich später mit einem Sonnenbrand der skurrilen Sorte rächen. Zwar war die Verbrennung nicht sonderlich stark, durch den Hüftgurt entstand aber ein scharf begrenzter weisser Streifen. So laufe ich den Rest der Reise als österreichische Flagge herum.

Auf dem Rückweg

Die letzten Kilometer zum Bulli sind eine echte Tortur. Wir verfluchen unsere Entscheidung, den Weg nicht weiter gefahren zu sein. Als wir endlich ankommen, steht der Wasserkanister noch auf der Toolbox. Den haben wir heute Morgen vergessen, wieder in den Bulli zu räumen. Einen 40-Liter-Kanister mit Hahn kann hier wirklich jeder gebrauchen. Aber niemand hat ihn genommen. Ein Blick aufs GPS: Wir sind 25 km mit knapp 900 Meter Aufstieg gewandert.

Eine alte Frau kommt des Weges und hat ihre Schafherde und einige Ziegen dabei. Sie erzählt munter drauf los. Dass wir ihr bedeuten, dass wir sie nicht verstehen, stört nicht und sie plappert lustig weiter. Wir nicken freundlich und lassen sie. Die Ziegen zeigen auch sogleich großes Interesse am Bulli, wohl eher an den Dingen darin, und stöbern eifrig. Wir haben Mühe, sie vom Einsteigen abzuhalten.

„Dürfen wir reinkommen?“

Nach einer gründlichen Waschaktion am Kanister machen wir uns auf den Weg um einige Dinge einzukaufen. In Ermangelung an kaufbaren Ansichtskarten hat Astrid selbst welche gebastelt, die sie verschicken will. Also fahren wir nach Soko Banja, wo wir eine Post, einen Supermarkt und eine Bank finden. Unsere serbischen Dinar sind nämlich auch knapp.

Danach wollen wir gemütlich etwas essen, möglichst mit Wlan. Wir fahren zu dem kleinen Restaurant, wo uns gestern die Leute so freundlich weiter geholfen haben. Da ist aber niemand und Wlan gibt’s auch nicht. Also weiter zum Motel von gestern. Wir essen hervorragendes Rind vom Grill und setzen ein paar Lebenszeichen ab.

Es wird Zeit, sich um einen Schlafplatz Gedanken zu machen. Beim Motel gibt es eine Tankstelle und einige Möglichkeiten, einigermaßen lauschig zu stehen. Die M5 führt hier direkt vorbei.  Wir haben aber noch die Worte des Campingplatzbetreibers aus Sr. Mitrovica im Ohr: „At he petrol stations is the most dangerous place to sleep“. Und so schön ist es hier auch nicht.

Also stellen wir unser Glück erneut auf die Probe und fahren ein paar Nebenstraßen ab. Alle befahrbaren Wege führen in Dörfer, auf Gehöfte oder zu kleineren Wohnhäusern im Wald. Ein Weg führt zu einem offensichtlich verlassenem Haus. Etwas unterhalb gibt es einen Eichenhain, eben und mit Gras bewachsen. Perfekt! Hier sind wir zwar recht nah an der M5, können von dort aber nicht gesehen werden. In der Dunkelheit passiert uns noch ein Holz-LKW, das war es.

Wir schlafen nach dem anstrengenden Tag tief und fest.

Am nächsten Tag werden wir erst umzingelt und fahren dann weiter nach Süden.

Von Rumänien bis zum Rtanj: Glücklich sind die Grenzgänger

Die Gegend um unseren Schlafplatz

Kann ein so kleines Tier so stinken?

Die Temperaturen an diesem Morgen steigen schnell. Der Geruch nach Verwesung hat die ganze Nacht angehalten. Wir stehen auf einer Art Kreuzung, eine Abzweigung führt über eine Furt durch den Bach in den Wald, eine andere einen steilen Berg hoch.

Beide würde ich nur mit Allrad befahren. Meine Theorie ist daher, dass aus dem Wald zurückkehrende Jäger ihr Wild am Bach aufbrechen und die Gedärme in die Büsche werfen. Ein Stück aufwärts des Weges gibt es aber eine andere simple Erklärung. Dort liegt ein verwesender Hundekadaver. Dass ein Tier so stinken kann! Vielleicht stimmt aber auch beides…

Zurück zur Hauptstraße

Hotel Roman, nicht von der Schokoladenseite

Für den Länderpunkt Rumänien stehen uns mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Die sicherste scheint eine Grotte zu sein, die oberhalb von Băile Herculane liegt. Also fahren wir raus aus dem Wald, wieder auf die Europastraße, biegen aber ein Stück vor unserer gestrigen Route ab. Jetzt geht es nicht durch die Büdchengasse von gestern, sondern durch ein Dorf und dann steil den Berg hoch.

Am Hotel Roman, Kategorie unsanierter Altbau, parken wir den Bulli und folgen den Wegweisern. Ein Hund mittlerer Größe, der vor dem Hotel herumstreunt, schließt sich uns an. Er trägt ein Halsband, muss also zu jemandem gehören. Vielleicht hat er nur Lust auf Gesellschaft und einen kleinen Ausflug. Er ist überaus freundlich und wir nehmen ihn gerne mit.

Unser temporärer Cache-Hund

Es ist 9 Uhr morgens, aber die feuchte Hitze ist bereits mörderisch. Während des kurzen Aufstieges schwitzen wir gewaltig. Umso willkommener ist der Schatten der Grota Haiducilor. Ausser uns ist niemand hier. Wir können den Cache (GC1W0EZ) recht fix finden und schauen uns die Höhle an. Nachdem wir uns etwas abgekühlt haben, steigen wir wieder runter. Unser vierbeiniger Begleiter folgt uns.

In der Grotte

Unten vor dem Hotel treffen wir Olga. Sie ist Mitte 50, Russin und sammelt mit ihrem Wägelchen Müll. Das ist zumindest das, was wir glauben verstanden zu haben. Zu unserer Verwunderung will sie kein Geld, nur ein kleines Pläuschchen. Das mit dem Geld wäre auch schwierig geworden. In unseren Taschen befindet sich kein einziger Leu, die Landeswährung haben wir bisher nicht gebraucht. Wir tauschen ein paar Sätze Kauderwelsch aus und verabschieden uns. Als wir das Dorf am Fuß der Berge passieren, jagen sich zwei junge Männer über die Dorfstraße. Der Verfolger wirft laut lachend mit einer lebendigen Schlange nach seinem Kumpel. Die beiden haben sichtlich Spaß an dem derben Scherz. Wir wundern uns.

Hier gibt es gleich den Schlangen-Vorfall

Unser nächstes Ziel heisst Orşova. Dort gibt es zwei gelistete Caches, einer an einer architektonisch merkwürdigen Kirche (GC2K5XN), der wohl weg war. Und einen an einem Kloster oberhalb des Ortes (GC2CGXW), den wir gut finden können. Hier oben ist es ganz hübsch, aber so richtig flasht es uns nicht.

Katholische Kirche in Orşova

Monastirea Sfanta Ana

Wohnviertel in Orşova

Als nächstes besuchen wir Drobeta Turnu Severin. In der Stadt gibt es vier Caches, die wir finden wollen. Leider gefällt es uns hier überhaupt nicht. Es ist hektisch, laut und irgendwie liegt eine gewisse Grundagressivität in der Luft. Wir fahren in das Zentrum, vorbei an den Caches und machen dass wir wieder rauskommen.

Zwischendurch habe ich immer mal wieder versucht, ein offenes Wlan zu finden. Was auf der anderen Donauseite in Serbien nie ein Problem war. Hier ist es anders. Weniger Netze und wenn, dann verschlüsselt. Irgendwie haben wir einen schlechten Start mit Rumänien. Wir haben schon einiges über das Land gehört und es soll viele schöne Orte und Landschaften geben. Mit Blick auf die Berge glauben wir das gerne. Wir werden das Land wohl einmal besser vorbereitet und in anderen Regionen besuchen. Aber das ist eine andere Reise. Dieses Mal beschränkte sich die Recherche auf die grenznahen Caches entlang der Donau.

Ausblick unterwegs

Wir haben ein weiteres Ziel. Das Naturschutzgebiet Rtanj im südöstlichen Serbien, wo ein besonders schöner FTF winkt. Die Fahrtstrecke dorthin beträgt ca. 180 km. Also los. Wir überqueren die Donau und die Grenze so wie wir gekommen sind. Am rumänischen Posten ist nichts los und so widmet sich uns der Zollbeamte etwas gründlicher. Ob wir Waffen, Munition oder Drogen dabei hätten. Wir lachen. Er nicht.

Auf eine weitere Kontrolle wird verzichtet, das erledigen dann die Serben auf der anderen Seite. Der Pistenstaub hat sich in den Zahlenschlössern der Toolbox festgesetzt und ich bekomme sie erst nicht auf. Das macht den Grenzer misstrauisch und er beobachtet genau, ob ich die Kombination auch wirklich kenne. Nachdem wir alle Staufächer geöffnet haben und somit des Schmuggels unverdächtig scheinen, wird die Zulassung genau geprüft. Der Beamte verschwindet mit unseren Papieren im Grenzhäuschen und lässt uns eine Viertelstunde warten. Zumindest stehen wir im Schatten. Schließlich dürfen wir passieren und sind jetzt wieder in Serbien.

Landstraße in Serbien

Der Weg Richtung Soko Banja, einer Stadt am Rande des Rtanj, ist einigermaßen unspektakulär aber immerhin gut zu fahren. Unterwegs müssen wir tanken und suchen eine „Pumpa“ (Tankstelle), die Kreditkarten nimmt. An einer Zapfsäule halten wir. „Credit Card?“ frage ich. Nach einem Blick auf unser Kennzeichen lautet die überraschende Antwort: „Nächste Tankstelle!“

Dort angelangt wartet ein junger Tankwart, vielleicht so um die 2o. Er spricht fließend Deutsch. Woher er das denn könne? Fernsehen! Er hat offenbar eine Schwäche für deutsche Produktionen, die in Serbien mit Untertitel ausgestrahlt werden. Und sich nebenbei eine Fremdsprache draufgeschafft. Hier auf dem platten Land Ostserbiens kommen nicht oft deutschsprachige Touristen vorbei. Er freut sich sichtlich, seine Kenntnisse anwenden zu können.

Der Cache, den wir anfahren, verfügt über drei zusätzliche Wegpunkte. Ein Motel am Fuße des Berges, einen Parkplatz in einem Dorf für den Aufstieg von Norden und einen Parkplatz für den Aufstieg von Süden, der abseits von Ortschaften liegt. Da es hier in weitem Umkreis keine Aussicht auf einen Campingplatz gibt, wollen wir Variante Drei nutzen und hoffen, dass sie einen guten Schlafplatz abgibt.

„Der ist aber ganz schön hoch!“

Vorher folgen wir der Empfehlung und besuchen das Motel, trinken etwas, nutzen das Wlan und die Sanitäranlagen. Hier direkt an der Hauptstraße wollen wir nicht nächtigen und fahren weiter Richtung Möglichkeit Zwei, da müssen wir eh lang. Vorbei an einer mächtigen Industrieanlage, die wieder wie ein Lost Place wirkt, aber keiner ist, erreichen wir das Dorf mit der Parkmöglichkeit. Der Platz ist wirklich mitten im Dorf, scheidet also auch aus.

Der Einstieg zu Parkplatz Drei soll in einem Dorf namens Mužinac liegen. Wir studieren die Papierkarte. Da ist es nicht drauf. Auch OSM kennt es nicht und die City Navigator versuchen wir gar nicht erst. Also probieren wir zunächst, den Punkt direkt anzufahren. Aber das ist im Gebirge immer so eine Sache. Mal fahren wir direkt drauf zu, mal entgegengesetzt, weil es keine andere Möglichkeit gibt.

In einer Kurve liegt ein kleines Restaurant. Wir halten auf dem Parkplatz. Es ist nicht viel los, nur zwei Gäste, ein Paar, und die Wirtin. Letztere fragen wir zuerst mit der Karte in der Hand. Sie versteht kein Wort und verweist uns auf das Paar. Er spricht etwas Englisch. Astrid meinte später, er hätte Ähnlichkeit mit Richard Gere. Auch sie ist von angenehmen Äußeren, offensichtlich schwanger und genießt eine Zigarette zum Rotwein. Sieht man hier alles nicht so eng.

„You want to go mountain? Why?“ Man hält uns für bekloppt. Er zeichnet das Dorf Muzinac auf unserer Karte ein und auch die Straße zu unserem gewählten Parkplatz. Dabei mustert er abwechselnd den Bulli und uns. „The road is very…“ ihm fehlt das Wort, aber seine Gestik verheisst nichts Gutes. Wir danken und machen uns auf den Weg. Unsere Karte hat eine weitere Widmung bekommen.

Als wir das Dorf finden, führt eine winzige Geröllpiste zwischen den Häuschen den Hang hinauf. Wir fahren zuerst daran vorbei. Es ist steil und es liegt wirklich viel Geröll herum. Die Räder drehen durch und das ESP greift. Ich schalte es ab und wir kommen so gerade hinauf. Etwas weiter wird es flacher. Wir folgen dem Weg ein, zwei Kilometer. Dann eine Querrille. Jetzt ist Schluss. Hier ist Platz, die Sonne steht tief und dies könnte einen guten Schlafplatz abgeben. Bis zum Wegpunkt sind es zwar noch 5 Kilometer, die können wir morgen aber laufen.

Geröllpiste im Rtanj

Der Cache, den wir suchen wollen, liegt auf dem höchsten Gipfel des Rtanj, dem Šiljak (1565 m). Das wird eine Tagestour und da machen 10 Kilometer mehr oder weniger auch nichts. Bis zum Gipfel sind es von hier 8 Kilometer. Luftlinie. Auf der Suche nach den Wegpunkten haben wir den Berg bereits respektvoll gemustert. „Der ist aber ganz schön hoch!“ wird zum Ausspruch des Abends.

Unser Basislager

Um uns herum liegt eine traumhafte Landschaft. Richtung Süden schauen wir in das Tal, in dem Soko Banja liegt. Dahinter eine weitere Bergkette. Richtung Norden liegt unser Ziel für morgen. Im Osten und Westen breiten sich Bergwiesen aus, unterbrochen von kleinen Feldern, dazwischen etwas Buschbewuchs. Es dämmert bereits und wir denken, dass sich hierher wohl niemand mehr verirren wird. Weit gefehlt. Die Bauern kommen erst jetzt von ihren Feldern zurück. Die erste Fuhre, die uns passiert, hält. Mist! Bestimmt der Landbesitzer, der uns hier nicht haben will. Wieder falsch! Es ist ein älteres Bauernpaar auf ihrem kleinen roten Traktor.

Sie begrüßen uns aufs Herzlichste. Eine gemeinsame Sprache finden wir nicht, aber mit Gesten beschreiben wir, was wir vorhaben. Offensichtlich sind sie darüber hoch erfreut. Auf einem Zettel wird nun die Route „besprochen“. Plötzlich macht die Bäuerin eine öffnende Bewegung mit den Armen. Wir verstehen nicht. Sie zeigt uns einen Beutel, dann auf den Bulli. Wir sollen einen Beutel holen. Als wir einen haben, kramt sie aus einem Eimer Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch hervor, die die beiden gerade vom Feld geerntet haben und steckt sie in den Beutel. So was passiert dir im Sauerland¹ nicht. Mit Handschlag und warmen Worten in der jeweiligen Muttersprache bedanken wir uns und nehmen Abschied. Der kleine rote Trecker tuckert davon und wir gehen mit einem breiten Grinsen zum Bulli. Wir sind von der Herzlichkeit und dieser Geste jetzt immer noch überwältigt.

Bulli im Sonnenuntergang

Blick auf den Gipfel im letzten Abendlicht

Während wir kochen und bei den letzten Sonnenstrahlen essen, kommen noch ein paar weitere Gefährte, meist kleine Traktoren mit hoch beladenen Heuanhängern vorbei. Jeder grüßt freundlich. Die Hitze des Tages ist gewichen und wir werden ausgezeichnet schlafen.

Am nächsten Tag versuchen wir einen FTF nach fast einem Jahr zu landen und haben eine wunderschöne Bergtour.

¹ Obwohl da viele nette Leute wohnen!

An der schönen blauen Donau

Einmal Serbien durchqueren

Alternativer Viehtransport

Am nächsten Tag wachen auf der malerischen Birnenplantage auf. Es steht Frühstück für uns bereit, das wir gestern bestellt hatten. Es handelt sich um das traditionelle Lepinja (Fladenbrot) mit Kajmak und Ei. Dazu gibt es Kaffee und flüssigen Jogurt. Das ist unfassbar lecker, aber auch ganz schön mächtig.
Nach dem Essen rechnen wir mit dem Wirt ab. Quittungen sind etwas ganz Wichtiges in Serbien, das haben wir schon gelernt. Theoretisch muss man für jeden Tag Aufenthalt im Land seine Unterkunft und auch die Herkunft von Waren, die man ausführen möchte, nachweisen. Meist gibt es – selbst in den kleinsten Supermärkten – einen Ausdruck aus einer Kasse. Hier wird jetzt ein Quittungsblock herausgeholt und ein Blatt sorgfältig in kyrillischer Schrift ausgefüllt. Meinen Namen malt er fast vom Perso ab. Er hat sichtlich Mühe mit den lateinischen Buchstaben.
Heute werden wir Serbien Richtung Osten durchqueren. Unser Ziel ist der Nationalpark Đerdap, der direkt an der Donau liegt. Unsere Sorge von gestern bezüglich der Einkaufsmöglichkeiten am Sonntag waren unbegründet. Alle Supermärkte haben geöffnet. Die kleinen Märke scheinen sowieso immer offen zu haben.
Ländliche Passagen wechseln sich mit der Durchquerung von Städten ab. Gerade in der Nähe vom „Autoput“, der serbischen Autobahn, gibt es etwas Industrie. An der Bordelldichte kann man die Nähe zur Fernstraße ausmachen. Desto mehr Herzchen an den Häusern, je näher ist man an einer Auffahrt.
Nach einem kurzen Stück Autobahn in Richtung Norden fahren wir auf eine M-Straße. Die sind vom Rang vergleichbar mit unseren Bundesstraßen und meistens relativ gut ausgebaut. R-Straßen hingegen können alles sein. Von guten Teerstraßen bis zur Schotterpiste. Die M24 hat aber teils einen sehr schlechten Belag und wir kommen nicht so schnell voran.

Straße entlang der Donau bei Golubac

Man fährt direkt durch die Stari Grad Golubac

Mittendurch…

…durch mehrere Torbögen

Irgendwo in einem Dorf finde ich ein offenes Wlan und setze ein kurzes Lebenszeichen via Twitter ab. Als wir den Nationalpark Đerdap erreichen, sind die Schatten schon ganz lang geworden. Es ist später Nachmittag und es wird hier doch merklich früher dunkel als in Norddeutschland. Direkt an der Donau soll es einen Campingplatz geben, der auf einer kleinen Landzunge liegt.
Die Fahrt dorthin ist landschaftlich äusserst schön. Die Straße schlängelt sich an der Donau entlang, die hier teilweise mehrere hundert Meter breit ist. Auf der anderen Seite liegt Rumänien. Wir wollen am nächsten Tag den Länderpunkt und noch ein paar weitere Caches auf einer Rundtour machen und vorher in Serbien übernachten. Aber es kommt anders.

Die Donau bei Dobra

Eigentlich ein schöner Stellplatz

Als wir den Campingplatz erreichen, ist niemand dort. Das Haus, das eine Kneipe und wahrscheinlich auch die Rezeption beherbergt, ist verlassen. Die Türen stehen offen, die Kühlschränke sind leer. Auf einem Tisch steht aber ein Aschenbecher, der frisch benutzt aussieht. Wir schauen uns weiter um. Die sanitären Anlagen sind faktisch nicht benutzbar. Es gibt kein Wasser. Wir setzen uns an die Donau, studieren die Karte und den Campingführer. Ist der Fluss von oben auf der Straße wunderschön, sieht man jetzt hier wie dreckig er ist. Das Ufer ist bedeckt von einer schleimigen Algenschicht, ein paar Plastikflaschen dümpeln herum.
Ein Mann mittleren Alters nähert sich. Er trägt nur eine Badehose. Wir haben unterwegs einige Gartengrundstücke gesehen, wahrscheinlich kommt er von einem davon. Wir unterhalten uns auf Englisch und er meint, wir müssen eine bestimmte Telefonnummer anrufen, wenn wir hier die Nacht verbringen wollen.
Wir beschließen, hier stehenzubleiben und einfach abzuwarten, was passiert. Die Schatten sind noch länger geworden und wir brauchen was zum Pennen. Das Fahren bei Dunkelheit ist auf dem Balkan nicht ganz ungefährlich. Es wird recht forsch gefahren, man sieht die Schlaglöcher nicht und schlimmer: Überall muss mit unbeleuchteten Fahrradfahrern oder Fuhrwerken gerechnet werden. Dazu Straßen an steil abfallenden Hängen ohne Leitplanke und teilweise ohne Markierung. Was am Tag ganz spaßig ist, kann nachts echt zum Problem werden.
Jetzt gesellen sich noch zwei weitere Männer hinzu und die drei steigen in die pottdreckige Donau. Dabei haben sie uns ständig im Blick, taxieren uns und machen ihre Späße. Die Situation ist uns alles andere als sympathisch. Es sieht so aus, als ob wir hier über Nacht nicht allein blieben würden. Hier zu schlafen und auf Sanitär zu verzichten wäre kein Problem. Aber irgendwie haben wir das erste Mal auf der Reise ein richtig komisches Gefühl bei den drei Badenden.

Die Landschaft ist schön, aber steil

Die steile Landschaft hier ist zwar wirklich schön, gibt aber keine wirklich guten Plätze zum Wildcampen her. Die nächste Möglichkeit, legal zu stehen wäre ein Platz in Rumänien, 60 km entfernt. Luftlinie. Ich schätze die Fahrzeit auf 1-1,5 Stunden. Also los.
Unterwegs wird die Strecke noch schöner. Es ist kaum Verkehr und man kann sich richtig satt sehen. Dann plötzlich, einige Tunnel und schöne Ausblick später, nehme ich im Augenwinkel ein Schild mit einem Zelt wahr. Also drehen wir und fahren hin. Das Schild weist in eine schmale Serpentinenstrecke, wo es steil bergauf geht. Wir biegen ab und schrauben uns immer weiter den Berg hoch. Nach ein paar Kilometern finden wir eine Pension und da ist auch wieder das Schild mit dem Zelt. Astrid steigt aus um die Lage zu erkunden und wird gleich von einer älteren Frau auf Herzlichste begrüßt. Ich parke den Bus und geselle mich dazu. Wir werden zu einer jüngeren Frau gebracht, die Englisch spricht. „Sorry, tents only.“ Der Zeltplatz hinter der Pension ist auf Radreisende spezialisiert und tatsächlich nicht mit dem Bulli zu erreichen. Das ist ziemlich schade, denn die ganze Anlage ist liebevoll gemacht, die Leute sind freundlich und die Aussicht vom Zeltplatz muss grandios sein. Ausserdem sind die Schatten wieder etwas länger geworden.
Also doch nach Rumänien.
Hinter Donji Milanovac legt die Landschaft noch einmal nach. Die Straße verläuft jetzt entlang des zunehmend steiler abfallenden Ufers, hoch über der Donau.

Am Eisernen Tor

Parkplatz mit Aussicht

Der Grenzübergang liegt kurz hinter dem Eisernen Tor und führt über das gleichnamige Wasserkraftwerk, das zu gleichen Teilen von Serbien und Rumänien betrieben wird. Niemand will uns kontrollieren. Wir passieren den Fluss und sind in Rumänien, also auch wieder in der EU und dem Schengenraum.

Grenze Serbien / Rumänien

Auf der Grenzbrücke

Neue Straße auf der rumänischen Seite der Donau

Jetzt fahren wir die Donau Richtung Norden hoch. Gleiche Strecke, andere Richtung. Die Straßen sind nagelneu und mit grellweissen Markierungen versehen, die Felswände betoniert. Alles wirkt total überdimensioniert. Als wir die ersten Ortschaften erreichen, wird es noch skuriler. Die pechschwarze, glatte und üppig beschilderte Straße ist gesäumt von unfassbar heruntergekommenen, aber bewohnten Häusern. Teilweise drängt sich der Begriff „Slum“ auf.
Der Campingplatz soll bei Băile Herculane liegen. Keine genaue Adresse, keine GPS-Koordinaten. Wir folgen den Schildern und biegen von der Hauptstraße ab. Wirkt alles zunächst noch dörflich, wird es jetzt viel rummeliger. Das Sträßchen, das zunehmend entlang winziger Läden gefüllt mit buntem Plunder führt, ist voller Schlaglöcher. In einer Kurve hat es einen kleinen Unfall gegeben. An beiden Enden der Engstelle stehen zwei junge Männer und regeln den Verkehr, sprechen sich per Mobiltelefon ab.

Hotel Decebal

Nach einigen Kilometern erreichen wir das ehemalige Zentrum von Herkulesbad, wie es unter österreichischer Herrschaft hieß. Hier stehen verfallene Hotels im Barockstil neben Betonbauten aus der sozialistischen Ära. Letztere befinden sich in einem ebenfalls bedauernswerten Zustand. Wir lieben Lost Places, aber hier ist es alles andere als lost. Es ist jede Menge los und die Touris flanieren entlang des Verfalls.

Kurbrücke

Vergangene Pracht

Direkt vor dem ehemals prächtigen Hotel Decebal steht die Herkulesstatue. Wir sprechen zwei Passanten an. Ein Campingplatz? Hier? Haben sie noch nie von gehört. Beide sind überaus freundlich und wir können uns auf Englisch brauchbar verständigen. Wir sollen doch bei einer Hotelrezeption fragen. Gleich hier wären doch welche.
Ömm, die Hotels hier sind geöffnet? Und tatsächlich, einige der neueren Betonburgen können gebucht werden. Unsere Wahl fällt auf das Hotel Hercules . Im Eingangsbereich strömt uns der typische Geruch von feuchtem Mauerwerk in die Nase. Wer schon einmal in einem „richtigen“ Lost Place gewesen ist, kennt diesen Geruch ganz genau. Der ehemalige Fußabstreifer ist zu einer Hindernisstrecke geworden. In dem großzügigen Raum vor der Rezeption ist es ziemlich duster. Hinter der Theke prangt ein großes Wandmosaik im sozialistischen Stil der Siebziger. Vor der Theke steht eine Familie und checkt ein. Wir empfinden das alles in unserer Situation als höchst surreal.
Brav stellen wir uns in die Schlange. Die Rezeptionistin, eine Mittfünfzigerin in einem roten Trägerhemd aus Baumwolle wendet sich uns zu. Wir versuchen es auf Englisch, was nicht klappt. Es dauert einen Moment, bis wir merken, dass sie hervorragendes Deutsch spricht. Einen Campingplatz kennt auch sie hier nicht. Aber sie holt ein mächtiges Telefonbuch unter dem Tresen hervor und blättert darin. Wir sollen es mal am Ortsausgang, in der Nähe der Hauptstraße versuchen.

Kuranlagen

Flaneure im ehemaligen Zentrum

Auf dem Weg dorthin treffen wir auf ein Wohnmobil mit deutschem Kennzeichen. Wir winken und fragen, ob sie das selbe Problem haben. Die Familie aus Bayern hat den Platz bereits gefunden. Es handelt sich um eine Rasenfläche direkt an der Europastraße. Darauf haben sie keine Lust und sind auf der Suche nach einer Pension. Wir finden die Rasenfläche auch. In der Bar nebenan hat gerade die Karaokesession in einer unfassbaren Lautstärke begonnen. Daneben donnern die LKW vorbei. Trotz der inzwischen angebrochenen Dämmerung siegt der Trotz. Dafür bezahlen wir nicht! Ab in den Wald.
Nachdem wir einige Geröllstraßen gecheckt haben und immer irgendwo vor Häusern und kleinen Gehöften landeten, haben wir endlich eine Strecke durch den Wald entlang eines Baches in die Berge gefunden. An einer Furt gibt es eine Freifläche, wo kurz vorher noch einige Bienenvölker gestanden haben. Hier ist es hübsch und wir parken den Bus. Ein leicht süßlicher Geruch liegt über der Landschaft. Noch denken wir uns nichts dabei.

Stellplatz im Wald

Wir kochen und essen zu Abend. Es wird dunkel und trotz der vermeintlichen Abgelegenheit unseres Standplatzes passieren ein paar Autos. Die Insassen wundern sich sichtlich. Als es schon stockdunkel ist, rumpelt ein Lada Niva mit allerlei Geraffel auf dem Dach den Weg herunter. Er hält hinter dem Bus, der Motor läuft weiter, fährt dann aber weg. Das könnte die rumänische Polizei gewesen sein, ist bei den Lichtverhältnissen aber unmöglich zu sagen. Wir sind etwas verunsichert.
Es war ein feuchter und heisser Tag. Mit zunehmender Dunkelheit wird es kühler, die Feuchte bleibt. Der süßliche Geruch von eben wird zu einem ausgewachsenen Gestank. Nun wird es offensichtlich: Es riecht nach Verwesung! Also bleibt das Lüftungsblech heute draussen und wir schlafen im komplett geschlossenen Bus.
Am nächsten Tag finden wir heraus, was hier so stinkt, schauen uns einen anderen Teil von Băile Herculane an und wollen den Länderpunkt RO machen.

Eine motorisierte Bergtour oder: Wie man Serben abschleppt

Der Bulli in der Birnenplantage, aus dem Klofenster fotografiert.

Morgens packen wir den Bulli, lassen unsere Möbel aber da. Wir bleiben noch eine Nacht. Schließlich wollen wir ohne Hast die Gegend ein wenig erkunden. Im Dorf halten wir noch einmal an einem Mini Market. Unterwegs haben wir Leute mit Tüten gesehen. In den Tüten war unverkennbar Brot. Das müssen die doch irgendwo herhaben! Und tatsächlich: Auf der Theke des kleinen Marktes liegt frisches Brot. Der Trick ist, es morgens zu kaufen. Danach gilt wohl: Wenn weg, dann weg. Wir decken uns auch mit allerlei anderen Lebensmitteln ein, die wir gestern nicht bekommen haben. Die anderen Kunden machen große Augen. Vorratskäufe scheinen hier eher unüblich zu sein, man sieht sonst nur  Tüten mit wenigen Waren darin. Aber Morgen ist Sonntag und wir wissen nicht, wie das in Serbien mit dem Ladenschluss läuft.

Aussichten im Zlatiborgebirge

Unser erstes Tagesziel ist der Tornik (1.496 m) bei Zlatibor. In der Nähe soll es einige schöne Klöster (Monasteries) und Kirchen geben. Bei der Stadt Partizanske Vode, in der Umgangssprache nur noch Zlatibor genannt, halte ich an einem Hotel. Bingo! Ein offenes Wlan. Ich hole Mails, aktualisiere die Timeline und den Feedreader, nicht ohne auch ein kurzes Lebenszeichen via Twitter abzusetzen. Überhaupt ist die Infrastruktur hier äusserst gut ausgebaut. Es gibt Hotels und Feriensiedlungen. Aber im Moment ist keine Saison und es ist ziemlich leer. Mehr wird hier im Winter los sein, Zlatibor ist ein beliebtes Skigebiet.

Blick vom Tornik ins Tal

Unser Weg führt uns vorbei am Ribničko jezero, einem Stausee auf 1.000 m Höhe. Wir suchen den Einstieg zum Gipfelaufstieg. Zu unserer größten Verwunderung gibt es den nicht. Eine schmale, geteerte Serpentinenstraße windet sich hinauf bis zum Gipfel. Auch gut. Oben gibt es ein geschlossenes Restaurant und die Gipfelstation der Seilbahn. Niemand ist zu sehen. Aber schon wieder Wlan. Also twittere ich ein Bild von der phantastischen Aussicht. Als wir schon wieder abfahren wollen, knattert ein Quad die Straße hoch. Das Personal der Seilbahn in Form eines jungen Mannes. Der kümmert sich nicht um uns und arbeitet an irgendwelchen Metallteilen.

Auf dem Weg nach unten fällt uns gleich hinter den ersten Serpentinen eine blonde Frau mittleren Alters auf, die nicht gerade in Wanderklamotten unterwegs ist. Wir stoppen und fragen, ob alles in Ordnung sei. Sie ist Montenegrinerin und spricht Englisch. Offenbar ist sie ziemlich aufgeregt und fragt uns, ob oben jemand wäre. Mit dem Auto stimme etwas nicht. Wir bieten ihr an, sie mitzunehmen. Sie lehnt ab und steigt in ihren offenen Schuhen weiter den Berg hoch.

Eine Serpentine weiter sehen wir das Malheur. Ein Seat Cordoba mit Belgrader Kennzeichen ist leicht von der Straße abgekommen und sitzt mit einem Rad bis zur Achse im Kiesbett. Der Fahrer, ein älterer Herr mit zum Zopf gebundenem weissem Haar, versucht das Rad mit der Hand freizuschaufeln. Da hat er keine Chance. Vladimir, so heisst er, fragt ob wir ihn rausziehen können. Er ist Serbe und auch er spricht Englisch. Klar können wir! Die Suche nach der Abschleppöse des Seats gestaltet sich schwierig. Als das Teil zum Einschrauben endlich gefunden ist, wende ich den Bulli. Die Straße ist schmal und der Asphalt hat einen ziemlichen Höhenunterschied zum restlichen Untergrund. Ich möchte da nicht auch noch stecken bleiben und so ist es ein Wendemanöver in vielen Zügen. Astrid weist mich ein. Im Nachhinein eine ziemlich überflüssige Aktion, der Bulli hätte den Kompaktwagen sicher auch rückwärts rausgezogen. Beim Klarmachen des Schleppseils kommt das Quad um die Ecke. Drauf sitzen der Seilbahnwärter und die blonde Frau. Vladimir setzt sich hinter das Steuer des Cordobas, ich ziehe mit dem Bulli, der Rest schiebt. Flugs hat der Seat wieder Asphalt unter den Reifen. Natürlich hat niemand daran gedacht, von dieser Situation ein Foto zu machen. Ich beschließe, das Wendemanöver nicht zu wiederholen, hoch zum Gipfel zu fahren und dort zu wenden. Die beiden Serben folgen uns und wollen uns in das Restaurant einladen. Geht nicht, ist ja zu.

Die Teerstraße zu den Klöstern

Wir beschließen runter zu fahren und eines der beiden dortigen Klöster zu besuchen. Vladimir und seine Begleitung (der Name ist leider weg…) wollen sich dort mit uns treffen. Natürlich erwischen wir zunächst die Einfahrt zu dem anderen Kloster (Monastery Uvac) und lernen eine Lektion. Wo die Einheimischen ihre Autos stehen lassen, sollte man wirklich nicht mehr weiterfahren. Die Straße wird zu einer Geröllpiste. Schmal, steil und teils mit Abgrund an einer Seite. Zum Glück finden wir eine Stelle zum Wenden und erreichen wieder die Teerstraße.

Jetzt folgen wir den Wegweisern zum Kloster (Monastery) Dubrava. Der Wegweiser zeigt wieder in einen Feldweg. Hier steht der Seat und es wird wohl gerade nach dem Weg gefragt. Als wir ihn einholen, gibt er Gas. Jetzt wird auch klar, wie Vladimir in das Kiesbett gelangt ist. Er jagt mit ziemlicher Geschwindigkeit über die Piste. Ich versuche ihm eine Weile zu folgen, aber irgendwann schaukelt sich der Bulli derart an den Bodenwellen auf, dass er aufsetzt. Jetzt geht es für uns deutlich gemächlicher weiter. Vladimir kann es egal sein, er fährt einen Firmenwagen. Wir aber fahren unsere Herberge, der besser nichts zustoßen sollte.

Ist die Piste erst nur schlecht zu befahren, wird sie jetzt steiler, kurviger, felsiger. In einer Serpentine, längst ragen hohe Felswände neben uns auf, steht der Seat. Vladimir fotografiert und wir tun es ihm gleich. Die restliche Strecke ist nicht ohne. Überall liegt Steinschlag herum. Rechts die Felswand, links der Abgrund. Als wir einen Pass überfahren haben, können wir das Kloster sehen. Es liegt auf einem Plateau inmitten eines Tales zwischen gewaltigen Bergen. Einen davon haben wir gerade überquert. Jetzt geht es also erst einmal abwärts. Der Weg schlängelt sich immer tiefer hinab zu den Gebäuden. Die Ausblicke sind grandios. Ich kann sie gerade aber nicht wirklich genießen. Es fordert doch einige Konzentration, diese Strecke zu meistern.

Vladimir auf der Passstraße

Und das ist noch der harmlose Teil

Wären wir hier ohne Dolmetscher hingefahren, hätten wir uns zweifelsohne geärgert. Diese bullimordende Strecke, und dann steht da ’ne Kirche. Klar, die Aussicht ist der Hammer. Aber wir hätten nicht verstanden, was dieser Ort bedeutet.

Kloster Dubrava

Es gibt auch einen Glockenturm

Die Aussicht ist einfach atemberaubend

Das Kloster besteht aus drei Sakralbauten, einem größeren Wohnhaus und einigen Nebengebäuden. Wir erfahren, dass hier  sechs Nonnen und ein männlicher Priester  wohnen. Letzterer bewohnt ein kleines Häuschen etwas oberhalb der Hauptgebäude. Sämtliche Bauten sind erst im Jahr 2007 wiedererrichtet worden. Nur die Bodenplatte der einen Kapelle ist Original aus dem 14. Jahrhundert. Das Kloster ist in seiner Geschichte mehrfach zerstört und wieder aufgebaut worden. Jetzt sind wir gerade in einer Aufgebaut-Phase. Auf einer Wiese etwas unterhalb des Klosterkomplexes arbeiten einige Männer, darunter auch der Priester, und machen Heu. Hierfür stehen ihnen keine weiteren Werkzeuge als Sensen und Heugabeln zur Verfügung.

Der Priester im Heu

Nachdem Astrid ihre Schultern mit einem Tuch bedeckt hat, wollen wir das Innere der Kapellen besichtigen. Unsere beiden Begleiter sind schon drin. Sie ist offensichtlich tief religiös. Die Heiligenikonen werden geküsst, sie spendet einige Dinar, die offensichtlich an eine ganz bestimmte Stelle müssen. Ein Briefchen hinterlegt sie nach Absprache mit einer Nonne auch an einen wohl dafür vorgesehenen Ort. Dies alles berührt sie so sehr, dass ihr Tränen über die Wangen fließen. Abschließend erwirbt sie zwei Armbänder. Diese haben in der serbisch orthodoxen Kirche eine ähnliche Bedeutung wie etwa ein Rosenkranz, wie sie uns erklärt.

Die Straße, die wir gekommen sind. Und wieder zurück müssen.

Etwas unterhalb des Klosters gibt es eine heilige Quelle. Vladimir fordert uns auf, uns mit dem Wasser zu waschen und etwas davon zu trinken. Ich bin nicht religiös aber Bergquellwasser ist immer gut. Es schmeckte ganz hervorragend. Später auf unserer Reise sehen wir an vielen Orten Serben, die zu Quellen pilgern, davon trinken und sich davor fotografieren lassen.

An der heiligen Quelle

Den Weg zurück bestreiten wir allein. Unsere Begleiter bleiben noch auf einen Tee, wir verabschieden uns und brechen auf.

Unser nächstes Ziel ist Mokra Gora, ein Städtchen direkt an der Grenze zu Bosnien und Herzegowina. Wir wollen uns die  Šarganska Osmica anschauen, eine Schmalspurbahn durch die Berge. Sie ist eine unter den Serben beliebte Touristenattraktion. Als wir nur mit Glück den Bahnhof finden, ist nichts los. Die Beschilderung gibt für uns nichts her, sie ist ausschließlich in Kyrillisch gehalten. Wir fragen eine Gruppe Männer, die vor einem Laden sitzt. Aber sie verstehen uns nicht und weisen zum Bahnhof. Wir schauen uns etwas um, unser Interesse hält sich in Grenzen.

Etwas enttäuscht kehren wir zur Birnenplantage zurück. Die Wirtsfamilie grillt und ehe wir uns versehen, wird ein Teller mit köstlichen Grillspezialitäten zu unserem Camp gebracht. Wir bedanken uns artig und lassen es uns schmecken.

An diesem Abend sitzen wir noch mit unseren Nachbarn Andrea und Jochen zusammen. Die beiden sind Lehrer an der deutschen Schule in Budapest. Sie nutzen die zweimonatigen Sommerferien, um mit ihren Kindern zu reisen und die Heimat zu besuchen. Es ist ein supernetter Abend.

Am nächsten Tag haben wir etwas Pech mit unserer Schlafplatzsuche und enden in den wilden Wäldern Rumäniens.

Entlang der Drina nach Süden

Am späten Vormittag verlassen wir den komfortablen Campingplatz und wollen bei Loznica auf die Straße entlang der Drina fahren.

Landstraße Richtung Süden

Die hat man uns als besonders reizvoll empfohlen. Um dorthin zu gelangen, müssen wir durch eine ländliche Gegend und bekommen es zum ersten Mal mit der lückenhaften Beschilderung zu tun. Da wir den Zeichnungen vom Vorabend auf unserer Papierkarte folgen, auf der längst nicht alle Straßen und Kreuzungen in diesem Gebiet zu sehen sind, verfransen wir uns ein paar Mal. Schließlich vertrauen wir die Wegführung der Openstreetmap auf dem Oregon an. Das funktioniert ganz gut, solange man nicht versucht mehr als 50 km am Stück zu navigieren und sich die Strecke vorher genau anschaut. Irgendwo ist immer eine Lücke in der Route, was mitunter zu abenteuerlichen Umwegen führt.

Unterwegs durchqueren wir viele kleine Dörfer. Es gibt Gespanne mit kleinen Traktoren und auch einige Pferdefuhrwerke. Neben russischen Fabrikaten sind landwirtschaftliche Geräte von Claas beliebt. Die alten Mähdrescher und die noch älteren Ballenpressen sind erstaunlich gut in Schuss. Ziemlich oft sieht man aber auch noch klassische Heuschober, die mit der Heugabel aufgetürmt werden. In den Ortschaften herrscht eine gelassene, fröhliche Stimmung. Trotz der offensichtlichen Armut wirken die Dörfler entspannt und zufrieden.

An der Drina

In Loznica gibt es einige mehrspurige Straßen. Die Spuren sind einzeln beschildert und man hat sich aus Platzgründen dazu entschlossen, die Wegweiser nur mit einem Schriftsystem auszustatten. Zu unserem Leidwesen fiel die Wahl hier auf Kyrillisch. Unsere Papierkarte ist bilingual ausgeführt, aber fortan lauten die Navigationsanweisungen vom Beifahrersitz in etwa so: „Wir suchen jetzt einen Ort, der fängt mit so was Ähnlichem wie einem M an, dann kommt ne komische Drei, dann ein Winkel nach Rechts…“

Straße entlang der Drina

Als wir den richtigen Weg aus der Stadt gefunden haben, biegen wir vor der Grenzbrücke links ab und sind auf der Straße entlang der Drina. In der Mitte des Flusses verläuft die Grenze zu Bosnien und Herzegowina. Die Landschaft wird erst felsiger, dann bergiger. Es ist wenig Verkehr und wir können uns in aller Ruhe den Fluss anschauen. Die Temperatur steigt auf 37°. Beiderseits des Flusses sieht man seichte kleine Strände, Sandbänke und glatte Felsen. Diese Stellen werden zum Baden benutzt. Teilweise scheint der Fluss so flach, dass man fast rüberwandern könnte, rübergeschwommen wird sicherlich.

Am Ufer der Drina

Wir suchen uns eine Stelle, an der wir gut parken können und gehen eine schräge Rampe runter zum Flussufer. Allerdings scheint das Gelände zu einem Bauernhof zu gehören und wir werden gehörig angekläfft. Unten am Fluss halten wir ein wenig inne, machen ein paar Fotos und planen den nächsten Teil der Route. Ein Aspekt, warum wir diese Region nicht mit eingeplant hatten: Es gibt keine Caches. Einer liegt aber doch an der Route: Viewpoint (GC178BY). Der soll unser Zwischenziel sein.

Mini Market auf dem Land

Unterwegs wollen wir aber noch einkaufen. Unser Brot ist alle. Wir fragen bei diversen Läden, zeigen einen Brotlaib mit den Händen und tun so, als würden wir davon abschneiden. „Aaah, hleb! Ne…“ bekommen wir überall zu hören und werden auf den nächst größeren Ort verwiesen. Bisher gab es immer größere Supermärkte und auch Bäckereien haben wir vereinzelt gesehen. Aber die kleinen Läden auf dem Land, in denen es sonst alles gibt, führen anscheinend kein Brot. Bei einem der „Mini Markets“, wie sie häufig heissen, kaufen wir einige Lebensmittel und Bier.

Unsere Dinar reichen nicht ganz für den Einkauf und ich lege einige Euromünzen auf den Tresen. Die werden gerne genommen und die Verkäuferin verschwindet hinten im Laden und taucht mit einem „Beer“ T-Shirt von Jelen Pivo wieder auf, dass sie mir schenkt.

Unser Zwischenziel liegt am höchsten Punkt des Tara Nationalparks. Wir fahren erst Serpentinen, dann eine Schotterpiste bis zu den Parkkoordinaten des Caches und machen uns auf den Weg zum Aussichtspunkt. Zu unserer Verwunderung führt der Weg die meiste Zeit abwärts, die letzten paar hundert Meter sind dann aber sehr felsig und bringen uns wieder ein Stück herauf. Nachdem wir den Cache geloggt hatten, stiegen wir auf die eigentliche Aussichtsplattform. Eine tolle Rundumsicht bietet sich uns, die Drina glitzert in der Abendsonne.

Blick über das Tal im Norden

Die Berge im Osten

Ein Salamander kreuzt unseren Weg.

Nachdem wir die Aussicht genossen hatten, fahren wir wieder auf die Passstraße und das Tara-Gebirge an der anderen Seite wieder herunter. Der Ort Kremna ist schnell gefunden, aber wo liegt unser Tagesziel? Auf dem Campingplatz in Sr. Mitrovica hat man uns einen komplett in Kyrillisch gehaltenen Flyer mitgegeben, der vom Chef der Anlage noch handschriftlich ergänzt wurde, sinngemäß soll da stehen: „Du Idiot, warum schreibst du nicht auch Englisch drauf?“ Die beiden kennen sich hoffentlich gut.

Das hilft uns bei der Suche leider wenig. Wir fahren durch das Dorf, halten nach irgendwelchen Schildern mit Ähnlichkeit zu dem Flyer Ausschau. Auch hier ein Versuch, Brot zu kaufen. Hoffnungslos. Schließlich entdecken wir ein Haus mit Beschilderung, die unserem Papier ähnelt. Es ist niemand da, aber der Nachbar hat uns bemerkt und kommt zum Zaun. Er spricht etwas französisch. Darauf sind wir nicht vorbereitet, trotzdem klappt die Verständigung ganz gut. Er bedeutet uns, wir sollen die Hauptstraße hinter der „Pumpa“ (Tankstelle) weiterfahren und nach einem „Affiche“ (er meint wohl „Schild“) Ausschau halten. Und tatsächlich: Etwas ausserhalb des Dorfes zeigt ein Campingplatzschild den Hang hinauf. Wir folgen der schmalen Straße, die nach wenigen Metern zur Piste wird. Am Rande einer Siedlung finden wir den kleinen Hof, dessen Obstwiese als Stellfläche für Campingbehausungen  aller Art dient. Aktuell sind aber nur zwei englischsprachige Zelter und eine Familie im Wohnwagen mit frankfurter Kennzeichen da.

Sanfte Hügel hinter dem Camp

Ein richtiges Waschbecken gab es auch, aber hier ist der Blick schöner.

Signierter Flyer

Der Wirt freut sich sichtlich uns zu sehen. Wir verständigen uns mit Zeichensprache und überreichen den Flyer mit der „Widmung“. Er grinst und zeigt uns die sanitären Einrichtungen. Einfach, aber völlig ausreichend. Vom Platz hat man eine herrliche Aussicht auf  sanfte grüne Hügel. Die jungen Birnbäume zwischen den Stellplätzen tragen die Früchte, aus denen später der Šljivovica gebrannt wird. In der Abendsonne ist alles noch einmal so schön.

Wir haben einen geruhsamen Abend und schlafen ausgezeichnet. Am nächsten Tag wollen wir herausfinden, warum man uns die Gegend so empfohlen hat.

Sremska Mitrovica per Fahrrad: Schwein gehabt!

Nach einer geruhsamen Nacht machen wir uns ausgeschlafen an das Frühstück. Der Platzwart winkt. Wir sollen doch dazu einen Šljivovica trinken. Das ist uns nun doch eindeutig zu früh und wir lehnen freundlich ab. Allerdings müssen wir versprechen, den Umtrunk am Abend nachzuholen.

Die Landstraße nach Sremska Mitrovica

Auf dem Campingplatz gibt es einen Fahrradständer mit gleichen, roten Fahrrädern. Wir fragen, was es denn kosten soll, zwei davon auszuleihen. Unsere eigenen haben wir dieses Mal zu Hause gelassen. Zu unserem Erstaunen ist es umsonst. Also starten wir am späten Vormittag in Richtung des 7 km entfernten Sremska Mitrovica.

In den Vororten fallen uns überall kleine Brunnen auf, an denen die Anwohner mit Kanistern oder Flaschen Wasser holen. Die Häuser sind zwar an das öffentliche Trinkwassernetz angeschlossen, aber das Brunnenwasser schmeckt einfach besser, erklärt man uns. Gegen die Fahrräder, die dafür verwendet werden, sehen unsere doch recht einfachen Campingplatzräder aus wie Luxusobjekte. Dementsprechend fallen wir auf wie bunte Hunde. Wir werden von allen erstaunt gemustert, aber jeder Gruß von uns wird freundlich erwidert.

Vermeintlicher Lost Place

Unterwegs kommen wir an einem riesigen Lost Place vorbei. Die großen Hallen liegen direkt an der Save, die durch die Stadt fließt. Als wir uns nähern, hören wir die Geräusche von Trennschleifern. Nix mit Lost Place. Hier werden weiterhin Schiffe repariert. Die Größe der Hallen legt den Schluß nahe, dass hier auch einmal welche gebaut wurden.

Die Fahrradbrücke über die Save

Zum Zentrum geht es über eine moderne Fußgänger- und Fahrradbrücke. Es geht erst steil aufwärts und dann ebenso steil wieder runter. Nachdem wir hoch geschoben haben, probiere ich runter zu fahren, entschließe mich aber dagegen, weil den Bremsen nicht zu trauen ist. Also schieben wir auch runter.

In der Stadt herrscht geschäftiges Treiben und man muss als Fahrradfahrer schon ganz schön aufpassen. Auch an den größeren Straßen, an denen es Fahrradwege gibt, ist Vorsicht geboten. Es lauern große Löcher in der Strecke, manchmal ist ein Gully offen oder der Deckel so platziert, dass man mit dem Vorderrad perfekt hineinpassen würde. Manchmal endet der Weg auch einfach abrupt an einem hohen Bordstein.

Überall entlang der Save gehen Leute in Badesachen in die zahlreichen Strandbäder. Die Temperatur hat auch schon locker die 30° überschritten und wir freuen uns über den Fahrtwind. Die Caches in der Stadt sind nichts Besonderes, aber so sehen wir wenigstens etwas. Als ich mein Fahrrad unabgeschlossen, aber in Astrids Obhut stehen lasse, um einen Cache zu suchen, eilt sogleich die Verkäuferin vom Kiosk nebenan herbei. Sie bedeutet Astrid, dass es viel zu gefährlich sei, ein Fahrrad unabgeschlossen stehen zu lassen. Wir erinnern uns dann, dass der Platzwart das vorher auch extra betont hat.

Ausblicke auf dem Ehrenfriedhof

Kunst im Park

Einer der vier Caches der Stadt führt uns in den Спомен Гробље (GC3JX6Q), dem Ehrenfriedhof. Die Koordinaten liegen an einer wenig einladenden aber schattigen Stelle. Hier wird offensichtlich öfter mal gefeiert, überall liegen Flaschen und sonstiger Müll. Astrid erspäht auch sogleich die vermeintliche Dose und zieht unvermittelt eine Spritze aus dem Versteck. Die Fixer hier haben anscheinend einen schrägen Humor. Das macht den Platz aber nicht  gerade sympathischer und wir beschließen abzubrechen. Dann entdecken wir den Cachebehälter Marke Cremedose am Boden liegend und ohne Logbuch. Wir ersetzen  selbiges mit unserem Zettel „Serbisch-Deutsch“, legen ihn in das Versteck und tarnen ihn bestmöglich.

Der letzte Cache liegt nahe der Fahrradbrücke direkt an der Save (GC3EYF0). Wir passieren eines der Strandbäder und können bei einem verlassenen Fussballplatz nicht mit den Rädern weiter. Die schließen wir an eines der Tore und es geht zu Fuß weiter. Die Vegetation ist dicht, aber nichts was stricht oder nesselt. Dieser hat uns am besten gefallen. Einfach aber gut.

Hinterhofstallungen. Für einen Pool war auch noch Platz.

Auf dem Rückweg über die Promenade sehen wir wieder einige Badende und Angler. In der Save treibt ein totes Hausschwein. Das scheint aber niemanden groß zu stören. Wir haben vorher in den Hinterhöfen Viehhaltung auf kleinstem Raum gesehen, darunter auch Schweine. Vielleicht ist es von einem der Höfe ausgebüxt. Das Tier ist prall aufgebläht und wir stellen uns vor was passieren würde, wenn man es anpiekt.

Vulkanizer gibt es an jeder Ecke. Bei den schlechten Straßen leiden die Reifen. Im Hintergrund sieht man den T2 aus Neuseeland.

Die Strampelei zurück ist eine echte Strapaze. Die Landstraße ist schmal und ohne Seitenstreifen. Schatten gibt es auch keinen und es ist inzwischen 36°, dazu ein bisschen Gegenwind. Als ich an einem landestypischen „Vulkanizer“-Schild ein Foto mache, braust ein T2-Bus vorbei. Ist das eine neuseeländische Flagge? Ja, ist es. Auf dem Campingplatz treffen wir die Reisenden mit ihrem orangefarbenen Bus wieder. Leider gab es keine Gelegenheit, sich länger zu unterhalten. Die beiden blieben lieber unter sich. Vielleicht hatten sie es satt, jeden Abend die selben Fragen zu beantworten und so ließen auch wir sie in Ruhe.

Im Fernsehen läuft das EM-Halbfinale Italien-Deutschland. Neben dem Platzwart sind jetzt auch weitere Gäste da. Ein Mann aus Belgrad, der einfach ein paar Tage ausspannen und angeln will. Kurz vor Anpfiff kommt ein Motorrad zur Pforte. Drauf sitzt ein slowenisches Paar, die heute nonstop aus Istanbul bis hierher gefahren sind. Und auch der Chef vom Campingplatz sitzt mit uns unter dem Dach. Aber das Spiel mit bekanntem Ausgang wird schnell zur Nebensache. Es wird sich über alle möglichen Themen unterhalten. Die Sprachen wechseln, meistens einigen wir uns auf Englisch, dem Platzwart wird häufig übersetzt. Letzterer hat den Šljivovica vom Morgen natürlich nicht vergessen und so kommt wieder der Kanister zum Einsatz.

Etwas später, das Spiel ist von deutscher Seite längst aufgegeben, holen wir unsere Serbienkarte aus dem Bulli. Auf der wird jetzt munter herumgekritzelt, ein Tipp folgt auf den nächsten. Wir merken schon, dass wir unsere Reisepläne ändern müssen.

Eine Anekdote kann ich hier nicht auslassen. Ich erzähle, dass Astrid nach dem verlorenen WM-Finale 2002 Brasilien-Deutschland am nächsten Tag mit einem Jäckchen herumgelaufen ist, auf dem hinten „Brazil“ draufstand und sich die bösen Blicke nicht erklären konnte. „Oh, that’s nothing“ lacht der Campingplatzchef und erzählt folgende Geschichte: Er hat in der Nacht, in der die Nato-Bombardements in seiner Region begannen, verständlicherweise nicht viel geschlafen. Morgens muss er trotzdem raus und wankt verpennt zum Kleiderschrank. Er greift sich ein T-Shirt, zieht es an und geht in die Küche, wo die Familie mit dem Frühstück wartet. Selbige ist schockiert als sie ihn sieht, bricht dann aber in schallendes Gelächter aus. Er schaut an sich herunter und bemerkt erst jetzt, was auf dem T-Shirt zu sehen ist: Es zeigt ein rundes Emblem mit einem Adler. Rundherum prangt in großen Lettern „United States Air Force“.

Am nächsten Tag werden wir wohl etwas später starten, dafür aber tiefer in das Land eintauchen, eine spannende Strecke fahren und ganz neue Begegnungen haben.

Einreise nach Serbien: Vier FTFs und ein Glücksfall

Fruška Gora auf Open Streetmap

Recht früh morgens brechen wir von unserem Hotelcamp auf und fahren auf die Autobahn in Richtung serbischer Grenze. Der Wärter in der Mautstation nimmt unser Ticket entgegen und runzelt die Stirn. Es handelt sich um die selbe Mautstation, an der wir in der anderen Richtung das Ticket gezogen haben. Diesen Fall sieht das kroatische Autobahnsystem nicht vor. Er bedeutet uns, wir sollen wenden. Wenden? Auf der Autobahn? Es ist sehr wenig los aber schon hat sich jemand hinter uns eingereiht. Der wird sogleich vom Wärter verscheucht und uns gegenüber wird er mit der Wendegeste deutlicher. „Naja“, denke ich mir, „Geisterfahrer warst du auch noch nicht“ und wende den Bulli. Einige hundert Meter fahren wir nun entgegengesetzt. Von Ferne sehen wir einen LKW nahen, sonst ist kein Verkehr. Es gibt auf diesem Abschnitt keine Mittelleitplanke, aber die Fahrbahnen sind mit einer Art Bojen getrennt, zwischen denen eine Schnur gespannt ist. Ich suche eine Stelle, an der man dort vielleicht drüberfahren kann. Geht aber nicht. Ein ganzes Stück weiter, die Mautstation ist schon ganz klein im Rückspiegel, beginnt die Mittelleitplanke. Und genau dort hat man eine Fahrzeugbreite freigelassen. Puh! Also nicht die acht Kilometer bis zur nächsten Ausfahrt als Falschfahrer, sondern wieder auf der richtigen Seite. Dort angekommen zahlen wir einige Kuna für den Abschnitt und wollen jetzt auf der Nebenstrecke bis Lipovac fahren. Dahinter ist die Autobahn bis zur Grenze mautfrei, das wissen wir von gestern. Also folgen wir der Straße, die auf unserer Papierkarte ist. Die wird schon nach kurzer Zeit zur Schotterpiste. Wir machen die Rüttelstrecke ein paar Kilometer mit, ein Wildschwein kreuzt unseren Weg, dann erreichen wir einen Bootsanleger. Dahinter ist der Weg, der zwischenzeitlich immer schmaler geworden ist, komplett überwachsen. Ich wende, wir haben die Schnauze voll und fahren wieder auf die Autobahn. Am Schalter sitzt immer noch der selbe Typ, nimmt unser Ticket und wundert sich offensichtlich, was wir so lange gemacht haben.
Vor der serbischen Grenze ist wenig los. Nur drei, vier Fahrzeuge sind vor uns am Schalter. Jetzt brauchen wir nicht nur die Pässe, den Fahrzeugschein und die grüne Versicherungskarte sondern auch unsere internationalen Führerscheine. Die sind in Serbien schon länger Pflicht aber erst seit 2011 wird das auch kontrolliert. Die Abfertigung geht fix, der Zoll winkt uns durch. Jetzt sind wir also in Serbien!

Die Unterschiede sind sofort deutlich. Der Straßenbelag wir merklich schlechter und die Schilder sind sowohl in lateinischer als auch in kyrillischer Schrift ausgeführt. Trotz der mieseren Autobahn erreichen wir schon bald eine Mautstelle. Gleiches System: Ticket ziehen und weiterfahren.

Monument Sloboda

Bei Ruma fahren wir von der Autobahn ab und peilen das Stadtzentrum an. Wir müssen einkaufen und serbische Dinar haben wir auch noch nicht. Der Verkehr ist ziemlich dicht. Kleine Traktoren, Pferdefuhrwerke und Fahrradfahrer teilen sich die relativ schmale Straße mit dem LKW- und PKW-Verkehr. In einer Wechselstube tauschen wir 50 Euro gegen rund 5600 Dinar, kaufen in der Nähe ein. Alles ist spottbillig.

Unser vorläufiges Ziel ist der Nationalpark Fruška Gora, wo es vier FTF zu holen gibt. Also fahren wir die Landstraße in Richtung Novi Sad, die auf den Pass über die Hügelkette führt. Es geht nur langsam voran, Traktoren und LKW quälen sich die steile Strecke hoch und können nur selten überholt werden. Auffällig ist die hohe Polizeipräsenz. Schon an der Autobahnabfahrt haben wir mehrere Posten gesichtet, jetzt steht an fast jedem Ortseingang ein Streifenwagen.

Wovor wird hier gewarnt? Munitionsreste? Nein, man soll nur seinen Müll nicht in den Wald werfen.

Von Weitem ähnelt der Bergkamm der Fruška Gora sehr unserem Teutoburger Wald zu Hause. Ein schmales, steiles Mittelgebirge und mittendrauf ein Fernsehturm. Der Kammweg kann und darf befahren werden, ist sogar brauchbar asphaltiert. Der erste Cache (GC3NXXT) liegt nahe der Passstraße in wenig reizvoller Umgebung. Aber das Logbuch ist leer.
Den zweiten Cache (GC3NXYA) erwandern wir uns. Er führt zum Monument Sloboda, das an die jugoslawischen Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg erinnert. Schickes Teil und noch ein FTF!

Der bei den NATO-Bombardements ramponierte Fernsehturm

Zum TV-Tower wird gefahren. Das Bild im Listing haben wir nicht dabei und sind fasziniert, als wir um die Ecke biegen und ihn zum ersten Mal von Nahem sehen. Pragmatisch hat man aber einfach Antennen draufgestellt und er erfüllt wieder seine alte Funktion als Sendemast. Auch hier finden wir ein leeres Logbuch vor (GC3NXYD). An dieser Stelle sorry an Kasimir2008, der einen Tag später diese Cachereihe machte und sich fürchterlich geärgert haben muss.
Auf dem Rückweg Richtung Sremska Mitrovica besuchten wir noch zwei weitere Caches im Nationalpark, einer davon war ebenfalls ein FTF.

Auf der Strecke halten wir in einem Dorf, das weder auf unserer Papierkarte und auch nicht auf OSM war. Leider habe ich den Track nicht rechtzeitig gespeichert, sonst hätte ich ihn bei OSM hochgeladen. Im Ort ist Markt und es gibt frisches Gemüse, das wir im Supermarkt vorher nicht bekamen. Die blassgrüne Peperoni, die ziemlich harmlos daherkam, sollte sich später als echter „Burner“ entpuppen. Daneben gibt es viele Stände mit allerlei Tinnef, bunter Bekleidung, Angel- und Jagdzubehör.

Schon an der Grenze gab es riesige Werbetafeln für einen Campingplatz, die uns immer wieder begegnet sind. Sollte das unser recherchiertes Nachtlager sein? Auf groß Trubel und einen vollen Touriplatz haben wir nämlich keine Lust. Allerdings haben wir schon seit geraumer Zeit kein Wohnmobil oder Gespann mit Wohnwagen gesehen. Eigentlich schon seit Kroatien nicht mehr. Schnell wird klar: Unser Ziel erreichen wir, wenn wir den großen Werbetafeln folgen. Es gibt nämlich im größeren Umkreis nichts anderes zum Übernachten. Da wir das Land noch nicht kennen und per Definition Wildcampen verboten ist, wollen wir erst einmal vorfühlen. Dazu die ständige Präsenz der Polizei.

Luxuscamping wider Erwarten

Die Hinweisschilder führen uns über die Save durch immer ärmlichere Vororte zu einer schmalen Straße. Als wir die Einfahrt zum Campingplatz finden, staunen wir nicht schlecht. Eine Anlage, wie man sie selbst in Deutschland selten findet. Und wir sind die einzigen Gäste.

Ein Junge springt unter einem Dach hervor. An der Wand prangt ein riesiger Flatscreen. „Welcome!“ begrüßt er uns. Wir schlagen unser Lager auf, wo es morgens schattig sein dürfte. Schließlich wollen wir nach den anstrengenden Fahretappen etwas ausruhen und unsere Eindrücke verarbeiten.

Nach dem Abendessen kommt der junge Platzwart mit einem Tablett und einem Kanister quer über den Platz zu uns an den Tisch. „Šljivovica, local brand!“ Der Kanister hat kein Etikett. Trotzdem nehmen wir an und werden später noch lernen, dass hier jeder seine eigene „local brand“ selbst herstellt.

Flipflop-Panne: Repariert!

Abends läuft das Halbfinalspiel Portugal-Spanien. Auf dem Flatscreen, versteht sich. Es hat einen Schichtwechsel bei den Platzwarten gegeben und jetzt sitzt ein Mittfünfziger bei uns, der über ein sehr freundliches und einnehmendes Wesen verfügt, aber keine uns geläufige Fremdsprache spricht. Macht nichts, mit Hand und Fuß geht es auch.

Kurz nach der Halbzeit macht einer von Astrids Flipflops schlapp. Während ich noch überlege, wie ich das Ding mit Gaffertape flicken kann, verschwindet der Platzwart mit dem Latschen in einer kleinen Werkstatt und repariert ihn mir einem Flaschenverschluss.

Am nächsten Tag wollen wir Sremska Mitrovica mit dem Fahrrad erkunden und die lokalen Caches besuchen.

Einmal Bosnien und zurück

Pohorje, diesmal bei Sonnenschein

Wir starten früh in Maribor und folgen der Landstraße zur kroatischen Grenze. Die Landstraße ist zwischendurch ziemlich schmal und ein bisschen löchrig. Vor der Grenzstation Gruškovje gibt es eine lange Schlange von LKW an der wir vorbeifahren. Die PKW-Schlange ist nahezu nicht vorhanden und wir verlassen die EU und den Schengen-Raum in wenigen Minuten. Die Reisepässe und die grüne Versicherungskarte für den Bulli reichen für eine schnelle Abfertigung.

Die kroatische Autobahn ist nagelneu und die Tunnel tragen das „Strabag“-Logo. Nach einer bergigen Passage bis Krapina, wo Ende des 19. Jahrhunderts Neandertalerfossile gefunden wurden, kommen wir bereits in den Großraum Zagreb. Hinter der kroatischen Hauptstadt wird es eben, die Landschaft ist fast schon eintönig. Dafür machen wir gut Strecke. Es ist wenig Verkehr. Die meisten Autos, die wir sehen, stammen aus den angrenzenden Ländern Ex-Jugoslawiens oder aus Ungarn.  Was auffällt: Alle haben einen Aufkleber mit der Landeskennung: HR, SRB, BIH… Wir legen einen Pinkelstopp ein. Die Tankstelle führt diverse Aufkleber. Ich kaufe ein „D“ für wenige Kuna und klebe ihn unter Astrids kritischen Blicken auf den Bulli. Aber wer weiss? Je weniger Angriffsfläche für Beamte mit Bedarf an Bakschisch, umso besser.

Wir verlassen die Autobahn in Richtung Gradiška um nach Bosnien und Herzegowina einzureisen. Genaugenommen fahren wir in die Republik Srpska, den serbisch geprägten Teil des Vielvölkerstaates. Im Vorfeld der Reise hatte ich mir diese Etappe genau angeschaut, um die beste Möglichkeit für den Länderpunkt BIH zu finden. Es gibt weiter östlich ein paar gelistete Caches nahe der Grenze, die jedoch alle einige schon ältere DNFs hatten. So entschlossen wir uns für einen Abstecher nach Banja Luka, der einen Umweg von 100 km bedeutet.

Die Grenze verläuft an dieser Stelle entlang der Save. Wir passieren die LKW-Schlange und nach kurzer Wartezeit den kroatischen Grenzposten, der die Pässe stempelt und uns ansonsten durchwinkt. Nach Passieren der Grenzbrücke stehen wir am bosnischen Posten. Die Einreise ist unproblematisch, aber am Zoll heisst es das erste Mal „Kofferraum auf!“. Wir präsentieren dem etwas aufgeblasenem Zöllner unsere Campingausrüstung und dürfen dann weiterfahren.

Stadtplan von Banja Luka auf Openstreetmap

Auf bosnischer Seite verläuft die Straße zur Grenze mitten durch das Städtchen Gradiška und die LKW stauen sich bis zum Ortsausgang. Es ist viel quirliger und chaotischer als noch einige Kilometer zuvor. Überall bunte Auslagen, klitzekleine Wechselbuden und schräge Tankstellen. Á propos Wechselbuden: In Bosnien und Herzegowina bezahlt man mit Mark und Fennig (kein Tippfehler). Bei der Vorbereitung hatten wir uns vorgestellt, hier auf das alte deutsche Bargeld zu treffen. Das war weit gefehlt, es handelt sich um die Konvertible Mark, die mit dem D-Mark-Umrechnungskurs am Euro hängt. Die Münzen erinnern ein bisschen an DDR-Geld.

Straßenszene in Banja Luka; gibt das geschäftige Treiben bei Weitem nicht wieder

Auf dem Weg nach Banja Luka haben wir leider gar nicht fotografiert. Es war so spannend, das wir es schlicht vergessen haben. Den Verkehr hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Ein waghalsiges Überholmanöver hier, etwas unkonventionelles Einfädeln in den fließenden Verkehr  da, das war es aber auch fast schon. Unterwegs müssen wir an einer Schranke halten. Zwei große, alte, jugoslawische Dieselloks rumpeln heran. Wir stellen uns auf eine längere Wartezeit ein, sind überrascht, als nur zwei Kohlewaggons  dahinter hängen.

Burg von Banja Luka

Banja Luka Kastel, Turm

Fluss Vrbas, von der Burg aus gesehen

Der Cache, auf den wir es abgesehen haben heisst „Banja Luka Kastell“ (GC34WKB). Eine Burg liegt doch meist etwas ausserhalb der Neustädte auf einem Berg, oder? Nicht so hier. Die Burg ist mitten im Zentrum der Stadt. Die Papierkarte und auch das Nüvi geben nicht viel her, aber OSM kennt den Weg. Wir finden einen Parkplatz in der Nähe, praktischerweise mit eigenem Polizisten davor. Aber auch mit Parkscheinautomat. Damit hatten wir natürlich nicht gerechnet. Also wird schnell etwas Geld in einem Laden getauscht und das Ding gefüttert.

Der Park um die Burg ist wenig belebt und wir können in aller Ruhe suchen. Nur ein paar chilenische Soldaten, wohl von der EUFOR Operation Althea lassen sich das Gemäuer zeigen, laufen aber im Inneren herum. Nach einiger Suche (verdammte Bruchsteinmauern!) können wir den Länderpunkt BIH verbuchen.

Auf dem Weg zurück fahren wir ein Stück nagelneue Autobahn, die bald ein Mautsystem nach kroatischem Vorbild bekommen wird. Die Häuschen sind im Bau und ähneln den kroatischen. Trotz der serbischen Prägung dieses Landesteils passieren wir neben orthodoxen Kirchen auch einige Moscheen. Es sind die ersten, die wir auf unserer Reise zu sehen bekommen.

Vor der Grenze suchen wir eine Tankstelle, die Kreditkarten akzeptiert. Gar nicht so einfach. Übrigens: Selbstbedienung ist nicht. Es kommt sofort ein Tankwart herbeigeeilt. Wir wollen Trinkgeld geben, schaffen es aber nicht, er ist einfach zu flink wieder verschwunden.

Dann alles wieder zurück und ab Richtung Kroatien, vorbei an der LKW-Schlange. Der bosnische Posten will wieder den Kofferraum sehen und erschrickt sich fürchterlich als er die Ladeklappe von der Schlafbank in der Hand hat. „It’s OK!“ sage ich ihm und wir dürfen passieren. Die Kroaten winken uns quasi durch.

An der ersten Kreuzung steht die kroatische Polizei und einer hebt die Kelle. Dann das ganze Programm. Kofferraum, Toolbox, Innenraum wird durchsucht, die Pässe und die Zulassung per Funk gecheckt. Natürlich finden sie nichts, wie denn auch. Also dürfen wir nach einer halben Stunde weiterfahren. Mit unserer kurzen Ein- und wieder Ausreise müssen wir aber auch wirklich oberverdächtig gewirkt haben.

Für die Nacht hatte ich einen Stellplatz neben einem Hotel recherchiert. Genaue Lage unklar. Irgendwo bei Lipovac. Wildcampen ist in Kroatien illegal. Das ist erst einmal nicht schlimm, denn das ist fast überall so. Aber in Kroatien wird inzwischen kontrolliert und es hagelt saftige Strafen. Wir passieren einen Rastplatz und ich registriere im Augenwinkel den Namen des Hotels. Auf der gegenüberliegenden Seite der Autobahn. Also durch die Mautstation, bezahlen und runter von der Bahn. Bei einer Kneipe im überraschend kleinen Lipovac fragen wir nach dem Weg. Niemand spricht Englisch, aber einer der Gäste hat offensichtlich in Franken Deutsch gelernt und meint, wir müssen wieder auf die Autobahn. Also wieder Ticket ziehen und zurück zum dem Hotel, das ich schon gesehen hatte.

Der Stellplatz entpuppt sich als Ex-Campingplatz mit Hütten, die aber schon Jahrzehnte keine Gäste mehr gesehen haben dürften. Wir können für ein paar Euro dort im Bulli übernachten und die sanitären Anlagen des Hotels nutzen. Die auf dem Platz vorhandenen sind nämlich nicht mehr benutzbar. Etwas entfernt bauen gerade vier Bosniaken ein kleines Zelt auf. Aus den 30 Grad des Tages werden schnell 15, was die Mücken einigermaßen fernhält. Das WLAN entdecke ich leider erst spät am Abend.

Am nächsten Tag soll es über die serbische Grenze gehen. Vom Rastplatz aus gelangen wir über ein kleines Kreuz auf die Autobahn Richtung Grenze. Man lässt uns aber nicht passieren, weil das Ticket von der Mautstation stammt, durch die wir gerade durchfahren wollen. Also sollen wir auf der Autobahn wenden (!) und wieder zurückfahren.

Wir werden nicht ganz so schnell nach Serbien einreisen, wie geplant.